Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Apache 207 im Exklusiv-Interview: Immer noch der Junge aus dem Block

Apache 207 vor dem Wohnhaus in der Ludwigshafener-Gartenstadt, in dem er aufgewachsen ist. Den roten Teppich hat er extra für se
Apache 207 vor dem Wohnhaus in der Ludwigshafener-Gartenstadt, in dem er aufgewachsen ist. Den roten Teppich hat er extra für seinen engsten Freundeskreis ausgerollt.

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Interview: Früher nannte ihn seine Mutter so, jetzt ist der bekennende Pfälzer Volkan Yaman als Hip Hopper Apache 207 eine Berühmtheit. Eigentlich gibt er keine Interviews. Zum Erscheinen einer Streamingdienst-Dokumentation über sein Leben hat er eine Ausnahme gemacht. Elisia Ruiz hat sich mit ihm unterhalten. Ein Gespräch über Herkunft, Straßenbahnfahrten zum Wurstmarkt und das Glück, vor 60.000 Menschen aufzutreten.

Bisher warst du sehr verschwiegen was deine Person angeht, man kannte dich nur aus deinen Songtexten. Wieso hast du Interviews immer vermieden?
Die Erwartungshaltung von Fans ist immer, dass jemand, der was erreicht hat, dann auch irgendwas sagen muss. Aber manchmal weiß man nicht genau, was da überhaupt um einen herum passiert. Da ist ein kleiner Junge, der im Block großgeworden ist und gefeiert wird. Einfach, weil er darüber singt, was er erlebt hat und was für ihn alltäglich ist. Ich habe mich da aber nicht in einem Interview gesehen, wo ich den Leuten irgendwie erklären könnte, wie ich das gemacht habe. Es gehören einfach so viele Faktoren dazu. Sachen wie Glück, wie Marketing, ein stabiles Team um sich zu haben. Ich wusste nicht, in welchen Zusammenhang ich das setzten sollte oder wie ich in so kurzer Zeit, in einem Interview quasi, beschreiben kann, wie es zu diesem Erfolg gekommen ist. Ich war der Situation nicht mächtig. Ich bin eben immer noch derselbe kleine Junge, den man aus dem Block geholt und auf riesige Bühnen gestellt hat.

Mittlerweile scheint dieser kleine Junge erwachsen geworden zu sein. Zumindest, was Interviews angeht. In der Dokumentation „Apache bleibt gleich“, die auf Amazon zu sehen ist, zeigst du dich jetzt ungewohnt privat. Wieso hast du dich dazu entschieden, mehr von dir preiszugeben? Und wieso gerade jetzt?
Am Anfang dachte ich: „Mach einfach so weiter wie gewohnt, äußer dich jetzt erstmal nicht mehr.“ Aber allmählich, nachdem ein paar Jahre vergangenen sind, sehe ich mich jetzt in der Lage, etwas sagen zu können, was den Leuten auch etwas bringen könnte. Aber ich habe keine Lust, irgendwelche Floskeln zu formulieren – das langweilt zu Tode. Jedes Interview, aus dem man etwas herausziehen könnte ist einfach Gossip-Talk, davon wollte ich mich fernhalten. Und jetzt glaube ich, dass wir die Dinge zuordnen können und etwas sagen können, dass mehr Hand und Fuß hat. In der Dokumentation haben wir ja mehr Raum, nicht nur zeitlich. Wir können alles auch audiovisuell umsetzen und zeigen.

Deine Songtexte, deine Dokumentation, aber auch deine Tattoos machen deutlich, dass dir deine Herkunft besonders wichtig ist. Was bedeutet dir die Pfalz, aber natürlich besonders Ludwigshafen?
Was bedeutet mir die Pfalz? Eigentlich alles würde ich sagen. Ich habe mich vehement geweigert in die Hauptstadt zu ziehen. Wir wollten uns hier unsere Basis aufbauen. Weil uns Ludwigshafen eben alles bedeutet. Es gibt so wahnsinnig viele Talente in der Region. Egal, ob die Medien sagen, es ist die hässlichste Stadt Deutschlands. Selbst, wenn sie hässlich ist: die Menschen machen sie schön. Da bekomme ich direkt Gänsehaut, wenn ich das erzähle. Hier ist alles einfach anders. Ich wollte hier nicht weggehen. Und ich bin sehr stolz und glücklich, dass mein Umfeld mich da auch immer unterstützt hat. Ich bin stolz, dass wir geblieben sind und die Arbeit von hier gemacht haben, ohne jemandem aus der Industrie am Arsch zu kleben.

Du sagst in deiner Doku, dass du deine Jugend in Ludwigshafen vermisst – kannst du vielleicht besondere Erinnerungen daran teilen?
Es gibt so viele Erinnerungen. Die schönsten Dinge sind die, die ich heute leider nicht mehr machen kann. Straßenfeste oder Wurstmarkt. Freunde von früher und heute an der Tanke treffen. Und in der Pfalz ist es eben das Original. Diese Straßenfeste in der Pfalz sind einfach geil. Von der Endstelle Ludwigshafen-Oggersheim mit der 4er-Straßenbahn zusammen auf den Wurstmarkt fahren. Die Stimmung ist ausgelassen, auf einmal raucht man in der Bahn: Es waren crazy Momente. Das sind so meine liebsten Erinnerungen. Das Spaß haben, das Streiten, das sich wieder vertragen, es war einfach alles schön. Natürlich gibt es auch ein paar traurige Erinnerungen, aber selbst die sind nostalgisch – irgendwie auch schön. Die haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin und der ich später mal sein werde. Kurz gesagt: Ich find’s einfach geil hier.

Aktuell machst du ziemlich viel in und für die Region. Du hast im Mai zum Beispiel deinen ersten Wein rausgebracht – sind mehr solcher Projekte hier geplant?
Ja auf jeden Fall. Ich muss auch sagen, ich habe den Luxus, Wünsche äußern zu dürfen, in welche Richtung ich gern gehen will. Die Ausarbeitung macht dann mein Management. So wie die Weinpartys, die wir organisiert haben. Da hatte ich einfach Lust, ein eigenes kleines Weinfest zu machen, weil ich ja selbst nicht mehr hingehen kann. Wir sprechen auch darüber, der Region nachhaltig etwas zurückzugeben. Wir sind hier aufgestiegen und wollen helfen, hier etwas zu bewirken. Auch in der Musik-Szene.

Also auch was Nachwuchskünstler aus dem Pfälzer Raum betrifft?
Ja. Vor allem in der heutigen Zeit, wo Musik machen immer einfacher wird und es für Artists oft heißt: „Zieh ich jetzt dort und dort hin, setze ich alles auf eine Karte?“ Da muss man nebenbei Geld verdienen in einer fremden Stadt, weiß nicht wohin und ist allein, weil die Eltern vielleicht auch nicht so ganz einverstanden sind. Das ist ein sehr wichtiges Thema.

Würdest du denn selbst alles wieder genauso machen, wenn du an deine Karriere zurückdenkst?
Bestimmt würde ich ein, zwei Dinge inzwischen anders machen, aber wenn ich diese weniger guten Erfahrungen nicht gemacht hätte, wäre ich nicht derjenige, der ich jetzt bin. Mein Team und ich, wir haben natürlich nicht alles richtig gemacht. Aber Gott sei Dank auch nicht vieles falsch. Jetzt kommt es darauf an, in Zukunft darauf zu achten, dass wir Fehler nicht wiederholen.

Wie willst du es weiter handhaben mit den privaten Einblicken. Gibt es in Zukunft wieder nur Apache oder werden die Fans jetzt auch mehr von Volkan hören, lesen und sehen?
Wenn ich den nächsten Step erreicht habe oder wenn ich den Leuten etwas Neues mitgeben kann, dann werde ich mich äußern und mich nicht mehr aus Prinzip wehren. Ich will es aber nicht als reine Marketingmaßnahme für ein Album oder sonst was machen. Das ist mir extrem wichtig. Auch auf Instagram werde ich nicht morgens verschlafen eine Story machen. Für mich gibt es Sachen, die haben Stil und irgendwann hört es eben auch auf mit Fan-Nähe. Ich mag es bis zu einem gewissen Punkt, aber eben auch nicht zu viel. Ich bin auch immer noch ein großer Fan davon, dass Dinge privat bleiben. Auch, um mich selbst zu schützen.

Denkst du, dass diese privaten Einblicke etwas in deiner Karriere verändern?
Das einzige was sein wird: Die Leute verstehen jetzt vielleicht endlich, dass ich nicht zu cool bin, um mich zu öffnen oder irgendwas zu verbergen habe. Es bringt mich auf jeden Fall näher zu den Leuten. Mir ist aber auch wichtig, dass ich mit meinen Songs auch immer Interpretationsfreiraum lasse. Ich habe meine kommenden Projekte schon entsprechend gestaltet, dass man auf das Video achten und sich über die kleinen Sachen Gedanken machen muss. Ich mag es einfach, meine Zuschauer zu fordern und das wird auch weiterhin passieren.

Apropos Interpretationsspielraum. In einem deiner Songs nennst du dich „Der neue David Hasselhoff“. Wie ernst nimmst du dich da und welche Rolle spielt Humor in deiner Kunst?
Humor spielt eine große Rolle in meinen Songs, muss man sagen. Aber es ist natürlich auch immer ein Drahtseilakt für mich. Wir machen hier keine Comedy. Über die Ironie denke ich nicht nach. Manchmal ist sie da, manchmal nicht. Ich nehme mich selbst nicht immer ganz so ernst. Das habe ich auch davor in meinem Privatleben nicht gemacht. Mein ganzer Freundeskreis nicht. Ein Lackschuh unter der Jogginghose, aber wir haben das Outfit gerockt und es auch ernst gemeint. Meine langen Haare und mein Stil sind nicht von irgendjemandem empfohlen worden. Das alles trage ich schon sehr lange. Ich erinnere mich gerne daran, dass wir von dem Vater meines besten Freundes Klamotten genommen haben, weil wir uns die Second-Hand-Teile aus dem Vintage-Store nicht leisten konnten. Ich habe bis heute noch Klamotten von ihm in meinem Kleiderschrank.

Vor deiner Karriere warst du ein ganz normaler Abiturient aus Ludwigshafen, der nebenbei seinen Freunden die Haare im Keller geschnitten hat. Was ist das für ein Gefühl, jetzt vor 60.000 Menschen aufzutreten, die deinen Namen schreien?

 


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