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Spät als literarische Größe der USA wiederentdeckt: John Williams (1922 bis 1994).
Spät als literarische Größe der USA wiederentdeckt: John Williams (1922 bis 1994).

„Nichts als die Nacht“ ist das vierte Prosawerk des 1922 geborenen und 1994 verstorbenen John Williams, das nun bei uns erschienen ist. Der Kurzroman war sein erstes Buch, der US-Amerikaner schrieb es im Alter von 22 Jahren. Das erstmals 1948 erschienene Werk hat noch nicht die Reife seiner späteren Romane, deutet aber bereits Williams’ großes Talent an.

„Stoner“, 2013 erstmals auf Deutsch publiziert, war ein Geschenk, mehr noch: ein Traum von einem Buch. „Stoner“, die Geschichte über einen Farmerjungen, der sein Landwirtschaftsstudium abbricht, weil er an der Universität seine Liebe für die Literatur entdeckt, ist einer der schönsten Romane der vergangenen Jahre. Wie wunderbar, dass der Lektor Edwin Frank 2006 den Roman für die Buchreihe „New York Book Review Classic“ neu herausgab, nachdem die US-amerikanische Literaturkritik einige Jahr eingeduselt war und Williams scheinbar vergessen hatte. Auch die beiden folgenden ins Deutsche übertragenen Romane des Texaners, „Butcher’s Crossing“ und „Augustus“, belegten Williams’ Ausnahmekönnen und hoben ihn –posthum – in den Rang eines amerikanischen Klassikers. Die literarische Welt der USA musste nach den Wiederentdeckungen neu vermessen werden. Der Anfang ist nun gemacht, es geht noch nicht so geschliffen, ausformuliert und besonnen wie in den folgenden Büchern zu: „Nichts als die Nacht“ ist das düsterste Buch des Schriftstellers. Was vermutlich auch an der Entstehungsgeschichte lag: Williams, später Lektor und Dozent, schrieb den Roman verletzt in einem Lazarett. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er an Bord einer Militär-Transportmaschine in Burma abgeschossen. Das Debüt ist das Buch eines jungen Aufgebrachten, der aber schon da seine Themen gefunden hat. Die Einsamkeit der Figuren ist ein zentrales Motiv. „Wie allein wir doch sind, dachte er. Immer allein.“ Frauen und Männer tun sich schwer, ein kleines Band zu knüpfen. Es geht um Entfremdung. Nichts macht wirklich Freude. Und auch das Thema Gewalt spielte eine nicht unerhebliche Rolle. In „Nichts als die Nacht“ folgen wir dem jungen Arthur Maxley zwölf Stunden lang durch San Francisco, er hat in der Zeit drei wichtige Treffen, die alle schlecht enden: mit seinem Freund Stafford Long, mit seinem Vater – und mit einer Frau. Arthur Maxley ist eine verwundete Seele – und das seit einem fürchterlichen Zwischenfall in seiner Kindheit. Eine Nacht wurde zum Alptraum. Durch den Besuch seines Vaters Hollis, eines Geschäftsmannes, den er Jahre nicht gesehen hat, bricht die Erinnerung durch. Die Erinnerung an den Verlust seiner Mutter. Mit der vermeintlichen Harmonie, mit dem heiklen Gleichgewicht beim Abendessen, ist es vorbei, als eine Frau an den Tisch der beiden tritt. „Der Augenblick der Wärme hat sich verflüchtigt.“ Der Vater räumt in dem Gespräch ein, unglücklich zu sein, vergleicht sich mit einem Flößer, der im Wasser auf einem Baumstamm steht und läuft, und solange er läuft, dreht sich der Baum – und wenn er aufhören würde, würde er ins Wasser fallen. Er bittet den Sohn, wieder so zu leben, wie es einst war. Doch Arthur lehnt ab. Erst sehr spät erfährt der Leser, was in der verhängnisvollen Nacht geschah. Warum es zu dem Unglück kam, ist nur angedeutet, nicht explizit ausformuliert. In der Wohnung von Claire Hegsic, der Zufallsbekannten aus einem Club, kommt es danach zu einem weiteren Eklat, als der Schmerz der Erinnerung Arthur Maxley überwältigt. Lesezeichen John Williams: „Nichts als die Nacht“; aus dem Englischen von Bernhard Robben; dtv, München; 160 Seiten; 18 Euro.

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