Kultur 50 Zeilen Pop: Luis Fonsi verlängert den Sommer
Der Sommer nimmt gerade langsam seinen Abschied, aber „Despacito“ scheint zu bleiben: Einen so hartnäckigen Sommerhit hat es seit dem „Ketchup-Song“ nicht gegeben. Was schon mal zeigt: Gerade mit spanischsprachiger Musik, die schön simpel reimt (bei „Despacito“ alles auf -ito oder -ico) und die Hörer dazu anstachelt, radebrechend mitzusingen, kann man im Radio und Kopfhörer punkten. „Despacito“-Sänger Luis Fonsi, in Deutschland 17 Wochen lang an der Hitparaden-Spitze, aber gilt inzwischen beinahe schon als politisch: Schließlich hat der in Puerto Rico geborene und in Florida aufgewachsene Musiker auch in den USA großen Erfolg. Der Sommerhit hat (in der Remix-Version mit Justin Bieber) in den Billboard-Charts jetzt einen 21 Jahre alten Rekord eingestellt: seit 16 Wochen Rang eins der US-Charts, genauso lange wie „One Sweet Day“ von Mariah Carey und Boyz II Men. Luis Fonsi gilt dank des Hits mittlerweile als Sprachrohr der Latinos, die in Zeiten von Donald Trump in den USA wieder stärker an den Rand gedrängt und diskriminiert werden. Dabei singt er eigentlich von Sex, bei dem er es offenbar „Despacito“ mag, zu Deutsch „ganz langsam“. Der 39-Jährige hat den Song mit seinem Landsmann Daddy Yankee entwickelt, einem Star des Reggaeton-Genres, dem der Song huldigt. Am heutigen Freitag nun bringt Luis Fonsi, der früher eher Balladen sang und schon 2009 einen Latin-Grammy gewann, rund um den Überhit ein neues Album heraus, „Despacito & Mis Grandes Exitos“. Ein Versuch, ältere Songs dem neuen Publikum ans Herz zu legen, so „Wave Your Flag“, entstanden mit Afrojack, oder den Bachata-Song (ein Musikstil aus der Dominikanischen Republik) „Llegaste tú“ mit Juan Luis Guerra. Musikalischer Bote seiner Heimat ist Fonsi ebenfalls: „Despacito“ ist der offizielle Werbesong von Puerto Ricos eher darbender Tourismusbranche.