Kultur 50 Zeilen Nachlese: Frankreichs großer König

Heinrich (links) und Thomas Mann.
Heinrich (links) und Thomas Mann.

Heinrich IV. von Frankreich (1553-1610), zuerst Prinz von Navarra, dann Gefangener der Katharina von Medici im Louvre, ihr Zaunkönig, während der Bartholomäusnacht, dann Frankreichs guter König, mal Hugenotte, dann wieder Katholik, weil Paris ja schließlich eine Messe wert war, am Ende Opfer eines gedungenen Meuchelmords. Eine faszinierende historische Figur. Ein packender historischer Roman von Heinrich Mann, über 1600 Seiten. Den „Josefs-Romanen“ des Bruders Thomas Mann in keinem Augenblick nachstehend. Dieser König gab Gewissensfreiheit, anders als der Spanier Philipp. Er bezahlte dafür mit dem Leben. Und er war bereit, Europa zu retten, vor dem großen, furchtbaren Dreißigjährigen Krieg zu bewahren. Sie wollten es anders. Die Habsburger. Die Spanier. Die Jesuiten. Die Katholiken. Dieser Heinrich, so, wie ihn Heinrich Mann in „Die Jugend des Henri Quatre“ und in „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“ (zwei Bände bei Rowohlt als Taschenbücher, 704 Seiten, 9,95 Euro, 912 Seiten, 14,99 Euro) schildert, liebte zu viel. Das Leben. Die Freiheit. Sein Volk. Vor allem die Frauen. Viele, viele Frauen. Denn alle Lust will ja Ewigkeit. Aber dieser König wollte beides: Lust und Ewigkeit für sein Land. Sein Frankreich. Und kam dann doch auf den großen Plan, mit dem Europa zu retten gewesen wäre. Vor Habsburg. Vor dem Katholizismus jesuitischer Prägung. Vor dem Massenmorden des großen schrecklichen Glaubenskriegs, der vor allem Deutschland in eine Wüste, von Menschen entleert, verwandelte. Das aber war den deutschen und allen anderen Fürsten ja schon immer egal, das Sterben des kleinen Mannes, des Volkes, spielt keine Rolle. Die Religion eigentlich auch nicht. Immer nur geht es um den eigenen Vorteil. Heinrich IV. war da tatsächlich anders.

Mehr zum Thema
x