Kultur 50 Zeilen Nachlese: Baldwin, Rassismus, Sex und Leidenschaft

In den USA entdeckt man James Baldwin schon länger neu. Einen der Lieblingsautoren von Ex-Präsident Barack Obama. Bei uns erlebt der schwule schwarze Schriftsteller jetzt auch eine Renaissance. 1924 in New York geboren, 1987 in Südfrankreich gestorben: Baldwin, der große schwarze Intellektuelle des Landes, marschierte bürgerrechtsbewegt an der Seite von Martin Luther King, wortwörtlich Hand in Hand mit Joan Baez. Er wurde vielfach ausgezeichnet, ein unbequemer Klassiker. In seinen Büchern erzählt er heftige Geschichten voller Mord und Totschlag, Rassismus, Sex, von einer Gefangenschaft qua Geburt und Gewaltspiralen, deren toxische Dynamik am Ende die Frauen trifft. So auch in seinem vorletzten Roman „Beale Street Blues“, im Original 1974 erschienen, jetzt in der geschmeidigen Übersetzung von Miriam Mandelkow bei uns (dtv, 221 Seiten, 20 Euro). Es ist ein Buch wie ein Jazz-Song, wie der titelgebende Klassiker von 1916, den etwa Eartha Kitt eingesungen hat, eine fast alttestamentarische Roman-Parabel. Ein setzt sie im Gefängnis, in dem sich zwei waidwundwild einander Liebende gegenübersitzen. Fonny, ein junger Schwarzer, den der aus dem (Selbst-)Hass eines irisch-weißen Polizisten gegriffene Vorwurf der Vergewaltigung in den Knast gebracht hat. Und Tish, seine Verlobte, die ein Kind von Fonny erwartet. Fortan wird aus Tishs bisweilen allwissender Perspektive ihre Romeo-und-Julia-Geschichte erzählt, dialogisch, mit Witz. Und wie ihre beiden Familien mit sakralem Eifer versuchen, Fonny zu befreien. Tishs Mutter reist dafür nach Puerto Rico. Fonnys Dad stirbt darüber. Ein wuchtiges, moralstarkes Stück Literatur. Wer mehr über Baldwin wissen will, beim Mannheimer Festival lesen.hören wird Raoul Pecks „I am not your negro“ über den Autor und die Geschichte der Schwarzen gezeigt. Leider, ein Film der Stunde.