Kultur 50 Zeilen Nachklang: „Idomeneo“ sehr frei nach Mozart

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Der 1945 geborene Peter Konwitschny gehört zu den Legenden des deutschen Musiktheaters. Ein Regie-Altmeister, der von der Kritik gefeiert wurde, dessen Arbeiten aber nicht selten in handfesten Skandalen gipfelten, weil er dem sich nach Opern-Kulinarik sehnenden Publikum schwer verdauliche Kost vorsetzte. Unvergessen etwa der Skandal um seine mit Gewalt und Brutalität aufgeladene Inszenierung von Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“ 1999 an der Dresdner Semperoper. Es gab Zeiten, da hat Konwitschny an allen wichtigen deutschen Opernhäusern von München bis Hamburg gearbeitet. Mittlerweile ist es etwas ruhiger um ihn geworden. Er kommt nun auch schon mal an eher kleinere Häuser wie das Theater der Stadt Heidelberg. Dort war Konwitschny verantwortlich für die Neuproduktion von Mozarts Oper „Idomeneo“. Und es stellte sich wieder einmal der so typische Konwitschny-Effekt beim Zuschauer ein. Der Abend hinterließ einen absolut zwiespältigen Eindruck, weil sich die Regie vehemente Eingriffe in die Partitur erlaubte, so dass der dritte Akt der Oper beispielsweise kaum noch wiederzuerkennen war. Da wird dann wie in einem Steinbruch gearbeitet und sozusagen so lange auf dem Notentext herumgehauen, bis er endlich zum Regieansatz passt. Andererseits war die Inszenierung gerade dann, wenn sie das Original am meisten verunstaltete, am überzeugendsten. Der Regie gelang es gerade nach der Pause, atemlose Spannung aufzubauen. Sie arbeitete mit Überraschungs-, ja mit Schockeffekten, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Aus Mozarts Oper wurde eine hoch politische, brisante Angelegenheit. Nur war dieser „Idomeneo“ in der Heidelberger Fassung im Grunde kein Werk des Salzburger Meisters mehr. | Frank Pommer

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