Buch-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel 007 und sein schnelles Hobby

Der Klassiker schlechthin: 007 Sean Connery mit einem Aston Martin DB5.
Der Klassiker schlechthin: 007 Sean Connery mit einem Aston Martin DB5.

Der berühmte Agent mit der Doppelnull hat nicht nur ein Faible für Drinks, Glücksspiel, Frauen und Action. James Bond fährt auch leidenschaftlich gerne Auto. Bond-Experte Jason Barlow hat dem Thema nun das Buch „Bond Cars“ gewidmet. Eine automobile Biografie.

Ein cooles Design, eine Menge PS unter der Haube und immer einsatzbereit für die nächste Mission. Die Autos der James Bond-Reihe sind heute genauso wenig daraus wegzudenken wie die Auftritte der Bond-Girls oder der Wodka Martini an der Bar – selbstverständlich „geschüttelt, nicht gerührt“. Das dachte sich wohl auch Autor Jason Barlow, der mit „Bond Cars“ jene Faszination für die schnellen Gefährte aufgreift, die Agent 007 mit seinem Erfinder Ian Fleming verbindet. In diesem Jahr auf Deutsch erschienen, leitet er darin seine Leser durch die gesamte Filmgeschichte der Bond-Autos – einschließlich des neuesten Kinofilms „Keine Zeit zu sterben“.

Dabei hatte alles ganz unkonventionell angefangen. Für den ersten Film („007 jagt Dr. No“), in dem Sean Connery als Bond am Steuer eines Sunbeam Alpine zu sehen ist, hatte sich das Filmteam nicht einmal die Mühe gemacht, sich an einen der großen Autohersteller zu wenden. Das Filmauto borgte man sich Barlow zufolge kurzerhand von einer Anwohnerin im Drehort und bezahlte ihr dafür zehn Pfund pro Drehtag. Zu welchem Ruhm ihr Alpine und der Film es noch bringen würden, konnte die Besitzerin damals natürlich nicht ahnen.

Hochmodern bis Oldtimer

Auch wenn der Alpine von Sunbeam gut ankam, auf eine bestimmte Automarke wollten sich die Produzenten dann doch nicht festlegen. In den Bond-Filmen wird den Zuschauern über die Jahre hinweg eine ganze Bandbreite geboten: mal eher sportlich mit dem BMW Z3, mal sehr luxuriös im Bentley 3.5 Liter. Oder etwas unscheinbarer im gelben Citroën 2CV, bei „In tödlicher Mission“ auf Korfu. Dennoch haben für viele Fans gerade die Wagen des britischen Herstellers Aston Martin einen ganz besonderen Stellenwert. Für Jason Barlow gilt der Aston Martin DB5 (erstmals in „Goldfinger“) als das mit Abstand berühmteste Auto der bislang 25 Filme. Auch im neuen Film „Keine Zeit zu sterben“ kann der gute alte DB5 wieder in den Kinos bewundert werden, inzwischen ein gefeierter Oldtimer aus vergangener Zeit. In der neuesten Produktion wurden außerdem gleich mehrere Aston Martin-Modelle für die Dreharbeiten benutzt. Neben dem DB5 sind darin der Aston Martin Valhalla oder der spritzige DBS Superleggera zu sehen. Genau wie der Hauptcharakter, fahren die Bösewichte der Bond-Filme aber nicht nur große Geschütze auf. Sie fahren häufig auch selbst in leistungsstarken Wagen. Mit Hinx (Dave Bautista) im Jaguar C-X75 lieferte sich James Bond (Daniel Craig) zuletzt in „Spectre“ eine gefährliche Verfolgungsjagd auf den nächtlichen Straßen Roms. Auch wenn gerade für jüngere Generationen die Männlichkeitssymbolik solch schnittiger Karossen eine immer geringere Rolle zu spielen scheint, so hat sie sich in den Bond-Filmen doch zweifelsfrei gehalten.

Mal Auto, mal U-Boot

Allerdings müssen, um dem Agenten mit der Doppelnull und der Lizenz zum Töten auf Missionen in den entlegensten Teilen der Erde von Nutzen zu sein, die Bond-Autos deutlich mehr bieten als bloß schnell zu fahren. Ob auf dem Boden, zu Wasser oder hoch oben in der Luft. Die Tüftler des MI6 lassen sich so einiges einfallen, um ihren Agenten, im Einsatz für ihre Majestät, lebensrettend zu motorisieren. Nichts ist zu drastisch, nichts unmöglich für „Q“ und seine Ingenieure. In „Der Hauch des Todes“ kann Bonds Aston Martin V8 Skikufen ausfahren, um seinen Verfolgern in einer Schneelandschaft zu entkommen. Und dann ist da noch die berühmte Szene mit James Bond (Roger Moore) und Major Anya Amasova (Barbara Bach) in „Der Spion, der mich liebte“, die im weißen Lotus Esprit aus dem Meer auf den Strand von Sardinien rollen. Die meisten Funktionen der Fahrzeuge sind natürlich Schein und sollen nur den Eindruck erwecken, das Auto sei etwa in der Lage sich wie ein U-Boot fortzubewegen. Der Lotus Esprit, der erst im Jahr 2013 für rund 650.000 Euro in London versteigert wurde, soll aber zumindest tauchfähig gewesen sein, auch wenn er schon lange nicht mehr straßentauglich war.

Um die Bond-Autos mit den neuesten Spielereien auszustatten, wurde in den frühen Filmen gerne auch mal ein nagelneuer DB5 in seine Einzelteile zerlegt, sodass Steve Heggie, damals Generaldirektor von Aston Martin, bei dem Anblick einen kleinen Schock bekommen haben soll, wie Barlow in seinem Buch verrät. In „Stirb an einem anderen Tag“ aus dem Jahr 2002, mit Pierce Brosnan als Bond, erreichte die Ausstattung der Wagen dann einen neuen Höhepunkt, als dieser sich in einem unsichtbaren Aston Martin Vanquish auf dem Eis ein Duell gegen seinen Widersacher Zao (Rick Yune) lieferte. Seitdem sind die diversen Spielereien zwar nicht gänzlich aus den Filmen verschwunden, die Autos stehen jedoch wieder mehr als Fahrzeuge im eigentlichen Sinne im Vordergrund.

Stuntmänner gefordert

Schließlich schrieben die Autos als zentrale Elemente für Verfolgungsjagden und schwierige Stunts, in den richtigen Händen, bereits Filmgeschichte. Unvergesslich etwa der Sprung von Stuntman Lauren Willert mit dem AMC Hornet über den Khlong-Rangsit-Kanal in Thailand („Der Mann mit dem goldenen Colt“). In einer einzigen Einstellung aufgenommen, galt er als Meilenstein für automobile Stunts in der Filmindustrie. Auch was Kameratechniken für Szenen im fahrenden Wagen und die Special-Effects angeht. So nahm man bei der Produktion eines neuen Bond-Films häufig modernste Technologie vorweg. Die Fahrzeuge und der Aufwand, der betrieben wird, um sie richtig in Szene zu setzen, sind schon lange ein fester Bestandteil des Erfolgsrezeptes der Filme. Barlow behandelt sie deshalb fast wie eigenständige Akteure, die, ähnlich wie die Schauspieler, ganze Generationen prägten. Er schreibt: „Die Autos stellen einen Kontext her und sind in gleicher Weise Ausdruck einer Ära.“ Und wie sieht diese „Ära“ heute aus? Die Autoindustrie zumindest ist redlich bemüht, sie fortzuschreiben. So hat Aston Martin 2019 den Aston Martin Rapid E vorgestellt. Ohne Bond-typische Attribute, aber dafür umweltfreundlich. Die zeitgemäße Weltrettungs-„Waffe“.

Lesezeichen

Jason Barlow: „Bond Cars. Die Ultimative Geschichte“; Frederking & Thaler Verlag; 335 Seiten, ca. 250 Abbildungen; 36,99 Euro

Und der Jaguar XKR, der hat Zähne: „Stirb an einem anderen Tag“ ( Fahrer: Schurke Zao).
Und der Jaguar XKR, der hat Zähne: »Stirb an einem anderen Tag« ( Fahrer: Schurke Zao).
Im Lotus Esprit tauchte Roger Moore 1977.
Im Lotus Esprit tauchte Roger Moore 1977.
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