Kolumnen Olaf Scholz oder „Ich höre den Krach“

Sagt nichts bis wenig: Kanzler Olaf Scholz.
Sagt nichts bis wenig: Kanzler Olaf Scholz.

Schwarz-Rot-Bunt: Endlich entschlüsselt – Wie der Bundeskanzler mit den Bürgern kommuniziert

Wir wollen unserem Bundeskanzler kein Unrecht antun, wirklich nicht. Olaf Scholz muss gegen allerlei Megakrisen anregieren, er hat es ohnehin schwer genug. Nie würden wir daher auf die Idee kommen, unserem Regierungschef ein vergiftetes Lob anzudichten. Zum Beispiel, indem wir ihm vorhalten würden, ein wahrer Demosthenes zu sein, also ein großer Debattenredner mit ausgefeilten Argumentationsmustern, mit einer bildreichen Sprache und blumigen Wortschöpfungen. Nein, niemals nicht!

Durchaus aber wollen wir anerkennen, dass Scholz ein schlauer Fuchs ist. Auch wenn ihm alle Welt die Fähigkeit abspricht, gut mit den Bürgern zu kommunizieren – er tut es. Und zwar besser, als manch schlaumeiernder Leitartikler glaubt meinen zu müssen.

Was, da haben Sie Zweifel? Dann fragen Sie Dr. Google. Geben Sie in die Suchmaschine ein „You'll never walk alone“ und „Scholz“. Was zeigt die Maschine an? Nach 0,49 Sekunden Suche schon 253.000 Treffer. Das ist nicht nichts! Oder „Zeitenwende“ und „Scholz“. 388.000 Ergebnisse nach 0,34 Sekunden Suche.

Mit dem Begriff „Zeitenwende“ hat Scholz im Februar die Tatsache schlüssig begründet, warum die Bundesregierung von da an so hemmungslos und auf Kosten der jüngeren Generation Geld ausgeben würde als gäbe es kein Morgen mehr. Und der englische Satz – bekannt aus Fußballstadien – sollte auch die letzten Zweifler davon überzeugen, dass die Ampel beim munteren Geldverteilen niemanden vergessen würde.

Immer noch nicht überzeugt? Dann denken Sie an die Lautmalereien „Wumms“ und „Doppel-Wumms“. Diese genialen Scholz’schen Wortschöpfungen hat jeder noch im Ohr. Im Deutschlandfunk war die Schriftstellerin Ulrike Draesner ganz verzückt, dass der Kanzler die Comic-Sprache in den politischen Diskurs eingeführt hat. Lautmalerische Ausdrücke hätten eine wichtige Funktion, lehrte Draesner: „Sie rufen Bilder hervor und sie appellieren an Emotionen.“ Beim „Wumms“ funktioniere das besonders gut: „Ich höre sozusagen wirklich den Krach“, sagte die Schriftstellerin.

Die Scholz’sche „Zeitenwende“ hat die Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2022 gekürt. Noch ein Hinweis darauf, wie der Kanzler mit wenigen, aber sehr einprägsamen Begriffen die Diskussionen prägt.

Übrigens: Scholz hat lange vor seiner Kanzlerschaft schon die Debatte mit donnernden Begriffen bereichert. So war die „Bazooka“, die er als Finanzminister gegen Corona in Stellung bringen wollte, nicht von schlechten Eltern.

Erinnern Sie sich noch an den „Scholzomaten“? Dieses Etikett hat der „Zeit“-Kollege Jan Ross 2003 Scholz an die Backe geklebt. Dafür ist Ross vom Klett-Verlag mit dem Pons-Preis für kreative Wortschöpfer ausgezeichnet worden. Der Laudator sagte damals: „Der ,Scholzomat’ bringt einen persönlichen Habitus auf den Punkt, überrumpelt uns mit der Formel für unser vages Unbehagen an ihm. Sie lautet: Serialität, Perfektionismus, Auswechselbarkeit.“

Wow! Was sagt uns das alles? Scholz sagt wenig bis nichts, aber das wirkt.

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