Beziehungskiste RHEINPFALZ Plus Artikel Beziehungs-Kolumne: Wenn die Entwicklung der Kinder zum Wettbewerb wird

Foto: frei
Foto: frei

Hinkt ihr Kind in einem Bereich hinterher, machen sich Eltern selbst Druck. Warum eigentlich?

„Unsere 16 Monate alte Tochter kann noch nicht alleine laufen. In unserer Krabbelgruppe ist sie die einzige. Die anderen Mütter wollen mich immer beruhigen und trösten, aber das setzt mich noch mehr unter Druck. Am liebsten würde ich gar nicht mehr hingehen.“

Wie Sie sicher von Ihrem Arzt wissen, ist die Zeitspanne zum Laufenlernen groß: zwischen zehn und 18 Monaten ist alles normal. Wir raten also: Ruhe bewahren! Was genau macht Ihnen Druck, wenn andere Kinder in einem Entwicklungsbereich schneller sind als Ihres? Verbinden Sie damit, dass Ihr Kind nicht in Ordnung ist, oder dass Sie etwas falsch machen?

Im ersten Fall empfehlen wir, darauf zu achten, was Ihr Kind gut kann, woran Sie Freude haben, worauf Sie stolz sind, wo es Ähnlichkeiten mit Ihnen und dem Vater gibt. Im zweiten Fall geht es um Sie in Ihrer Rolle als Mutter. Von wem bräuchten Sie Anerkennung für Ihre Leistungen? Naheliegend ist der Vater. Wir raten zu ritualisierten Eltern-Meetings, in denen Sie gemeinsam bilanzieren, was Sie als Mutter und Vater gut machen. Das kann Sie stärken, denn in Ihrer Krabbelgruppe kommen Sie in Kontakt mit dem Thema Konkurrenz, die über den Entwicklungsstand der Kinder ausgetragen wird. Tröstende oder auch als abwertend empfundene Worte können Sie ignorieren oder Ihnen begegnen mit: „Ja, ich weiß. Ich bin zuversichtlich. Bei mir war das früher auch so.“ Übrigens: Wenn der Selbstwert vor allem durch die Leistungen der Kinder gespeist wird, tut es gut, wieder andere Bestätigungen zu finden.

Liebe Leser, haben Sie ähnliche Fragen? Dann schicken Sie bitte per E-Mail an ras-beziehungskiste@rheinpfalz.de.

x