1. FC Kaiserslautern
Karge Fußball-Kost an Horst Eckels Geburtstag: FCK und Münster trennen sich unentschieden
Einen Fußball-Leckerbissen bekam Horst Eckel zu seinem Geburtstag nicht serviert. 88 Jahre alt ist der Weltmeister von 1954 am Samstag geworden. Vor dem Spiel nahm er reichlich Glückwünsche und eine Ehrung entgegen. Die Partie indes, die sich im Fritz-Walter-Stadion entspann, hatte nur wenige prickelnde Momente parat.
Das Spiel zum Nachlesen im Live-Blog
So setzte Luca Schnellbacher in der 21. Minute ein erstes Ausrufezeichen. Er nutzte Abstimmungsprobleme im wegen der kurzfristigen Magen-Darm-Erkrankung von Innenverteidiger André Hainaults umgestellten Defensivzentrum des FCK. Hainault-Vertreter Lukas Gottwalt trat über den Ball; in der Folge kam Carlo Sickinger einen Tick zu spät, und Schnellbacher schoss zwischen Gottwalt und Janik Bachmann hindurch ins Lauterer Tor.
Münster führt überraschend
Die überraschende Führung spielte der extremen Defensivtaktik von Ex-FCK-Trainer Sascha Hildmann in die Karten. Der gebürtige Lauterer formierte den SC Preußen bei seiner Rückkehr ins Fritz-Walter-Stadion im 5-4-1. Die nominelle Dreierabwehrkette wurde in der praktischen Umsetzung zum Fünferriegel.
Dem Spiel der engagierten Lauterer mangelte es an Präzision, viele Fehlpässe der Roten Teufel machten die meisten Aufbauversuch gegen die eng stehenden Preußen zunichte. So entsprang der verdiente 1:1-Ausgleich auch aus einem Distanzschuss: Sickinger probierte es, Skarlatidis fing den Ball ab – zu Recht erkannte Schiedsrichter Harm Osmers nicht auf Abseits – und leitete den Ausgleich ein. Den Querpass des schwäbischen Griechen, für den wegen seiner leichten Gehirnerschütterung aus dem Pokalspiel fehlenden Timmy Thiele im Team, verwertete Christian Kühlwetter zum 1:1 (27.).
FCK: Bemüht, aber fehleranfällig
FCK-Trainer Boris Schommers hatte kräftig rotiert und auch Dauerrenner Dominik Schad eine Pause gegönnt, für ihn spielte Philipp Hercher rechts hinten. „Wir wollten höher angreifen und deshalb frische Kräfte bringen“, sagte Schommers. Zählbares jedoch sprang dabei kaum heraus.
Nach dem Seitenwechsel kam der weiter bemühte, aber eben nach wie vor auch fehleranfällige FCK zu einer guten und zu einer Riesenchance. Erst traf Florian Pick die Latte (53.), dann hätte Hendrick Zuck das 2:1 machen müssen. Aus drei Metern donnerte er den Ball, der die Latte noch touchierte, übers Tor (67.). Aber auch Preußen hatte das 2:1 auf dem Fuß, Schnellbacher traf den Pfosten (73.).
Aufstieg? Kein Thema mehr
Der flinke Schnellbacher war auch an der Roten Karte für den eingewechselten Hikmet Ciftci beteiligt. Der FCK-Winterzugang riss den einzigen Preußen-Stürmer um, Schiedsrichter Harm Osmers erkannte auf Notbremse (78.). Weder am Spiel noch am Ergebnis änderte das allerdings etwas. Die Preußen haben in der Abstiegszone den Abstand auf Viktoria Köln etwas verkürzt. Der FCK ist 2020 noch ohne Sieg und dümpelt weiter im Tabellenmittelfeld herum. Der Anhang quittierte das Gesehene mit Pfiffen. „Aufstieg? Über dieses Thema brauchen wir gar nicht mehr reden“, sagte Simon Skarlatidis, „wer aufsteigt, gewinnt die letzten drei Ligaspiele.“ Den Unmut des Anhangs verstand Skarlatidis: „Die haben auch Ansprüche und gesehen, dass wir es können. Das war schon richtig so.“
Horst Eckel indes hat in seinem Leben schon viele, viele bessere Fußballspiele gesehen als die Partie an seinem 88. Geburtstag.
So spielten sie
1. FC Kaiserslautern: Grill - Hercher, Kraus, Gottwalt, Nandzik - Sickinger (59. Ciftci), Bachmann, Zuck (85. Bergmann) - Skarlatidis (75. Bjarnason), Kühlwetter, Pick
Preußen Münster: Schulze Niehues - Schauerte, Erdogan, Löhmannsröben, Steurer, Rossipal - Litka (59. Özcan), Rodrigues Pires (52. Mörschel), Wagner, Cueto - Schnellbacher (80. Königs)
Tore: 0:1 Schnellbacher (21.), 1:1 Kühlwetter (27.) - Gelbe Karte: Königs - Rote Karte: Ciftci (78., Notbremse) - Beste Spieler: Kühlwetter, Skarlatidis - Schnellbacher, Löhmannsröben - Zuschauer: 18.332 - Schiedsrichter: Osmers (Hannover).
