1. FC Kaiserslautern
FCK-Zugang Soldo: Von einem Tollhaus ins nächste
So etwas wie einen Kulturschock erlebte Nikola Soldo nicht, zumindest was den Stellenwert des Fußballs in seiner neuen sportlichen Heimat anbelangt. Auch in Köln, wo er in der vergangenen Bundesliga-Saison gespielt hat, ist das Stadion stets voll, die Atmosphäre großartig, der Anhang närrisch. Soldo fügte dem „Effzeeh“ also einfach noch ein „K“ hinzu, und schon ging die Anpassung spielend leicht vonstatten.
Beim 3:2 der Roten Teufel gegen die SV Elversberg stand er zwei Tage nach seiner Verpflichtung gleich im Kader, und da er nicht zum Einsatz kam, konnte er aus nächster Nähe betrachten, wie es ist, wenn der FCK ein Spiel zu seinen Gunsten wendet und der Betzenberg brodelt. „Das ist wirklich ähnlich“, sagt Soldo auf die Frage, ob Köln und Kaiserslautern in puncto Fluidum identisch seien, „beide Vereine haben Riesenfans, die für den Fußball leben. Beide sind ein bisschen positiv krank, ich glaube, so kann man das sagen.“ Für einen Fußballer sei dies wunderbar, „ein geiles Erlebnis“.
Gemischte Gefühle
Der 22-jährige Innenverteidiger wusste schon vorher, was ihn erwartet. Er verfolgte auch die Zweite Liga, obendrein berichtete ihm sein Vater Zvonimir, zwischen 1996 und 2006 für den VfB Stuttgart ein ausgezeichneter Mittelfeldspieler mit 301 Bundesliga-Einsätzen, von eigenen Erfahrungen im Pfälzer Fußballtempel. „Ich wusste schon, dass es ein richtig guter Schritt für mich ist, um mich weiterzuentwickeln und als Spieler zu verbessern“, sagt Soldo junior.
Natürlich mischen sich in ihm die Gefühle. Da ist einerseits die Freude über die neue Aufgabe, die neue Chance, andererseits aber der Gedanke, es in der obersten Etage (noch) nicht geschafft zu haben – weiterziehen zu müssen, weil es sonst keine realistische Einsatzperspektive gäbe. „Alle meine Freunde bleiben in Köln, ich habe mich wohlgefühlt, ich hatte mein eigenes Apartment gefunden“, sagt Soldo, „aber ich bin auch froh. Ich fühle mich besser, weil ich eine richtige Chance habe, hier zu spielen. Und die Jungs hier sind wirklich super.“
Wie der Vater, so der Sohn?
Vater Zvonimir wusste nicht nur von der Atmosphäre auf dem Betzenberg zu berichten. Er erzählte von einem „Riesenverein mit viel, viel Geschichte“, einem Klub, der als Aufsteiger aus der Zweiten Liga deutscher Meister geworden war. Das nährte die Lust des Sprosses auf den 1. FC Kaiserslautern natürlich. Er und sein Vater spielten ähnlich Fußball, sagt Nikola Soldo, auch er sei „nicht überragend schnell“, sondern versuche, das Spiel zu lesen, mehr mit Kopf und Auge zu agieren und so immer einen Schritt vor dem Gegenspieler zu sein. FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen lobt den 22-Jährigen für dessen Variabilität, er verstehe sich auf eine Dreierkette ebenso wie auf eine Viererreihe und könne auch auf der Sechs im zentralen defensiven Mittelfeld eingesetzt werden.
Das allerdings ist einzig eine Nebenposition, die Soldo in der Saison 22/23 nicht bekleidet hat; auch nicht bei seiner vier Einsätzen in der European Conference League. Beim 1. FC Köln absolvierte Soldo in der vergangenen Saison sieben Bundesligaeinsätze mit einer Spieldauer von 591 Minuten, seine beste Zensur verdiente er sich im Januar beim 1:1 in München.
Der Wert der Familie
Danach spielte er nur noch einmal, beim 3:0 über den VfB Stuttgart Mitte Februar. Im Schnitt bewertete das Fachmagazin „Kicker“ seine Darbietungen mit 3,93. Seit April gehörte Soldo dem Kader nicht mehr an. Ungeachtet dessen fühlt er sich bereit, mit den Roten Teufeln sofort in den Kampf zu ziehen. „Im Fußball muss immer alles schnell gehen“, sagt er, „ich brauche drei, vier Einheiten, um die Mannschaft zu kennen, danach ist alles gut.“ Er wäre demnach bereit, wenn der 1. FC Kaiserslautern am Freitagabend (ab 18.30 Uhr) beim SC Paderborn gastiert? „Ich bin immer bereit.“
Die Familie steht im Hause Soldo über allem. Auch das hat der jüngste von drei Brüdern von seinem Vater übernommen. „Das ist das Wichtigste im Leben, die Nummer eins. Meine Familie hat mich richtig viel unterstützt. Ich weiß nicht, wie weit ich ohne sie gekommen wäre.“
