FCK RHEINPFALZ Plus Artikel FCK nach dem Auftaktsieg: Demut first

Kevin Kraus steht nach einem Eckball plötzlich frei – und befördert den Ball ins Netz. Der erste Zweitliga-Erfolg des FCK seit d
Kevin Kraus steht nach einem Eckball plötzlich frei – und befördert den Ball ins Netz. Der erste Zweitliga-Erfolg des FCK seit dem 13. Mai 2018 ist perfekt.

Die Anhängerschaft des 1. FC Kaiserslautern feiert den Erfolg gegen Hannover 96 überschwänglich. Im Gegensatz dazu analysieren die Spieler den Saisonstart zurückhaltend.

War eigentlich was? Hatten gerade gut 40.000 Zuschauer die Erde in der Westpfalz nicht derart erzittern lassen, dass der Seismograph auf der nach oben offenen Richterskala ein leichtes Beben registriert haben musste? Offenbar nicht. Kevin Kraus trat in der Mixed Zone des Fritz-Walter-Stadions vor die Medienvertreter und rekapitulierte 92 verrückt zu Ende gegangene Fußballminuten im Stile eines Fußball-Beamten. Immer schön den Ball flach halten, bloß nicht überschnappen.

Dabei war Kraus es, der dem 1. FC Kaiserslautern mit seinem Treffer kurz vor Ultimo die ersten drei Zweitliga-Zähler der nun eröffneten Spielzeit bescherte. 2:1 gegen Hannover 96, einen Klub aus dem Kreise der vermeintlichen oder tatsächlichen Aufstiegsanwärter – das Drehbuch hätte aus Sicht der Roten Teufel nicht schöner geschrieben sein können; die entrückte Anhängerschaft fühlte sich an die gute alte Zeit erinnert, als auf dem Berg erst Schluss war, wenn der FCK gewonnen hatte.

Und was sagte Kraus? Über weite Strecken ordentliches Heimspiel, vor allem defensiv. Kaum Großchancen zugelassen. Darauf könne man aufbauen, wisse aber, dass viel Luft nach oben sei und man sich verbessern müsse. Außerdem: Immer schön, so spät das Siegtor zu machen, aber ein Verdienst der ganzen Mannschaft.

Offenbar hatte der 29-Jährige seinen Enthusiasmus komplett auf dem Rasen gelassen, denn mehr Emotion wollte auch auf Nachfrage partout nicht aus ihm heraussprudeln. „Es ist der erste Spieltag“, sagte Kraus, „wir haben die ersten drei Punkte geholt von erst mal 40, die wir uns vorgenommen haben.“ Da müsse man keine Freudensprünge machen. Aha ...

Trainer Dirk Schuster und seine rechte Hand Sascha Franz sind an der Seitenlinie nicht zu bremsen.
Trainer Dirk Schuster und seine rechte Hand Sascha Franz sind an der Seitenlinie nicht zu bremsen.

Ein Traum fürs Pfälzer Gemüt

Inhaltlich lässt sich dem Abwehrchef nicht widersprechen. Der Freitagabend war, wie Fußballer gerne sagen, eine Momentaufnahme. Daraus viel mehr abzuleiten als die Tatsache, dass der FCK nach vier Jahren in der Dritten Liga mit einem Sieg ins Unterhaus zurückgekehrt ist (vielleicht sogar, dass er nun selbst ein Aufstiegsanwärter sein könnte), wäre verrückt. Fürs Pfälzer Gemüt aber war die Partie ein Traum. „Es war klar: 20.30 Uhr, das Flutlicht geht an, und dann legen wir los wie die Feuerwehr, ich glaube, dass wir Hannover damit schon ein bisschen beeindruckt haben“, sagte Torhüter Andreas Luthe.

Im zweiten Abschnitt, als der Druck der Hannoveraner stetig zunahm, wurde er zum Fels in der tosenden See; gleichwohl machtlos bei Havard Nielsens Ausgleichstreffer in der 80. Minute. Luthe richtete den Blick in die Zukunft. Er würde die Auftaktpartie gerne als Blaupause nutzen. „Es muss für jeden Gegner sehr, sehr unangenehm werden, hier auf dem Betze zu spielen. Dann haben wir eine echte Chance in der Liga“, sagte er. Hannover habe den Lucky Punch gewollt, der FCK ihn gesetzt. „Das ist natürlich sensationell.“ Luthe gestand ein, dass 96 nach der Pause, auch bedingt durch eine taktische Umstellung, griffiger gewesen sei und seine Vorderleute das Pressing nicht mehr so gut hinbekommen hätten wie zuvor. Um den Strafraum herum allerdings habe die Mannschaft großartig verteidigt. Und das sei gegen einen Kontrahenten dieser Güte „auch mal in Ordnung“.

Mike Wunderlich bläst die Backen auf und breitet die Arme aus. Soeben hat er den FCK in Führung geschossen.
Mike Wunderlich bläst die Backen auf und breitet die Arme aus. Soeben hat er den FCK in Führung geschossen.

Auch Wunderlich staunt

Die erste Lauterer Zweitliga-Partie seit dem 13. Mai 2018 und dem 3:1 beim FC Ingolstadt taugte allein schon wegen eines Mannes für die Geschichtsschmöker. Mike Wunderlich avancierte durch sein Tor zum 1:0 mit 36 Jahren und 112 Tagen zum ältesten Spieler des 1. FC Kaiserslautern, dem ein Tor in einem Ligaspiel glückte. Wunderlich löste Wolfgang Funkel ab, der am 24. September 1994 mit 36 Jahren und 45 Tagen in der Bundesliga getroffen hatte, beim 3:1-Heimerfolg gegen den FC Schalke 04. Kevin Kraus nannte den offensiven Mittelfeldspieler ob dessen Fitness ein „Phänomen“. Elf Jahre nach seinem letzten Zweitligaspiel schloss sich für Wunderlich mit der Rückkehr ins Unterhaus ein Kreis. Diesen besonderen Tag mit dem Führungstreffer zu schmücken, konnte für ihn schöner kaum sein. Natürlich rückte auch der überglückliche Wunderlich sich nicht ins Scheinwerferlicht. „Das was uns letztes Jahr ausgezeichnet hat, diese Mentalität, das haben wir wieder auf den Platz gebracht. Wenn du in der 80. Minute gegen so eine Mannschaft des 1:1 bekommst, kannst du das Spiel auch mal abgeben, wir aber haben uns schnell gefangen und sind dann für Einsatz und Moral belohnt worden“, analysierte Wunderlich und fügte an: „Schöner geht es nicht. Wir haben den Leuten gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind. Das ist ein geiler Auftakt, der zu unserer geilen Mannschaft passt.“

Übrigens staunte auch Mike Wunderlich ein wenig über den Sportkameraden Kraus. Der hatte das Tor zum 2:1 nämlich schon auf dem Platz vergleichsweise stoisch zur Kenntnis genommen. „Krausi jubelt gar nicht“, schilderte Wunderlich seine Grübelei in der Nachspielzeit, „ich dachte, der Ball sei am Außennetz gewesen.“ War er nicht. Kevin Kraus wollte nur nicht gleich überschnappen.

Auch Thomas Hengen gab bei aller Zufriedenheit den Bremser. „Wir haben in der zweiten Halbzeit gezeigt bekommen, wie Fußball in der Zweiten Liga funktioniert“, sagte der Geschäftsführer. Bisweilen sei der FCK „richtig ins Schwimmen“ geraten. „Wir müssen schon bei uns bleiben. Aber klar: Einen perfekteren Auftakt kann man sich nicht wünschen.“

Die Dramaturgie des Freitagabends ist fürwahr schwerlich zu toppen. „Das brauchen wir aber auch nicht immer“, bemerkte Mike Wunderlich und schmunzelte. Kevin Kraus würde es irgendwann wohl auch nicht mehr gelingen, Wahnsinnsabende wie jenen am Freitag derart nüchtern zu rekapitulieren.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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