1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel FCK: Die Zuversicht verglüht

Begrüßung unter Kollegen: FCK-Trainer Boris Schommers (links), daneben Preußen-Coach Sascha Hildmann, Schommers’ Vorgänger.
Begrüßung unter Kollegen: FCK-Trainer Boris Schommers (links), daneben Preußen-Coach Sascha Hildmann, Schommers’ Vorgänger.

Durch das 1:1 gegen den SC Preußen Münster verleitet Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern seine Fans zu Pfiffen. In die Analyse mischt sich bei den Profis der Roten Teufel Frust über die Taktik des Gegners mit Selbstkritik. Florian Pick verlangt nach etwas, was einst schon der große Oliver Kahn von sich und seinen Teamgefährten forderte.

Die Fans des 1. FC Kaiserslautern hatten das Jahr 2020 voller Hoffnung begrüßt. Mit manch einer Silvesterrakete stieg auch der Wunsch in den Himmel, die Roten Teufel sollten doch bitte diese vermaledeite Dritte Liga verlassen und sich wieder jenen Gefilden annähern, in die sie nach Meinung der treuesten der Getreuen auch gehören: eins höher, mindestens. Fünf Siege und ein Remis, dazu eine überaus ansehnliche Spielweise hatten in der finalen Phase vor der Winterpause für einen Aufschwung gesorgt. Nun zeichnet sich ab, dass all die Zuversicht umsonst gewesen sein könnte – und die Enttäuschung bricht sich Bahn. Nach dem dürren 1:1 (1:1) gegen den fußballerisch arg limitieren SC Preußen Münster am Samstag pfiff der Anhang. Und er pfiff laut. Im vierten Pflichtspiel des Jahres blieb der FCK ohne Sieg. Ja, die Leistung war mau. Ja, einen Abstiegskandidaten wie die Westfalen muss man zu Hause schlagen. Und ja, der Vortrag wirkte von der Tribüne aus bräsig und uninspiriert. Doch eines sollten die Anhänger nicht tun: den Spielern unterstellen, sie hätten nicht gewollt. Es schmerzte sie selbst am meisten, wieder nur einen Zähler ergattert zu haben. Preußen verrammelte den eigenen Strafraum derart, dass im Vergleich dazu die schon zurückhaltende SG Großaspach in der Retrospektive wie eine Offensivmaschine wirkte. Zwar spielte das in den Analysen eine Rolle. Es unterdrückte jedoch nicht die nötige Selbstkritik.

„Die standen 35 Meter vor dem eigenen Tor, haben nur die Bälle rausgebolzt. Das hat für mich wenig mit Fußball zu tun, aber so Gegner kommen halt öfter mal in der Liga, da müssen wir Lösungen finden“, sagte Hendrick Zuck. Es sei schwierig, mit Tempo zu spielen, wenn die Räume derart eng seien. Schließlich sei man „nicht der FC Bayern“. Doch sicher habe „in der einen oder anderen Situation auch die letzte Zielstrebigkeit gefehlt“. Chancen erspielte der FCK sich trotz allem. Zuck fiel die größte vor die Füße, abgesehen vom 1:1 durch Christian Kühlwetter, er vergab aus drei Metern. „Auf jeden Fall“ hätte er diese Gelegenheit nutzen müssen, gestand Zuck. Er verstand die Reaktion der Fans: „Das ist klar. Wir gewinnen schließlich nicht gegen den Tabellenachtzehnten ...“

Preußen in seinem 5-4-1-System habe „gar nichts mitnehmen wollen“, sann Kapitän Carlo Sickinger, „die haben nur gehofft, dass irgendwie irgendwas abfällt“. Tat es, Luca Schnellbacher erzielte das 0:1 und später fast das 1:2, der Pfosten verhinderte dies. „Wir waren ein bisschen zu langsam in unseren Aktionen, hatten trotzdem wieder Chancen, die wir im Moment leider nicht nutzen“, sagte Sickinger.

„Zäh“ sei es gewesen, analysierte Simon Skarlatidis, vermutlich der beste Spieler des FCK am Samstag, man beherrsche den Gegner, lasse den Ball gut laufen, aber man müsse den letzten Pass mit mehr Willen spielen. „Manchmal muss auch was Explosives passieren“, sagte Skarlatidis, man müsse konsequenter sein, kompromissloser. „Wir müssen vorne die Dinger machen, zur Not auch dreckig.“ Der griechische Schwabe beschönigte nichts. „Wir stehen nicht zu Unrecht da, wo wir stehen.“ Und die Pfiffe? „Ich habe unentschieden gespielt, ich bin nicht zufrieden. Dass die Fans auch unzufrieden sind, kann ich verstehen. Es muss einfach unser Anspruch sein, dass wir gegen solche Mannschaften die Lücken finden.“

Elfmal traf Florian Pick in der Hinserie, seit fünf Pflichtspielen wartet er auf Tor Nummer zwölf. Pick rennt und macht und tut, doch mittlerweile fehlt ihm das Glück im Abschluss. Bisweilen entscheidet er auch falsch. Pick blieben am Samstag nur die Enttäuschung und ein Kopfschütteln. „Wir müssen mehr Eier zeigen und reindribbeln in die Räume, tiefer gehen, Schnittstellen besser nutzen, noch zielstrebiger sein über außen. Es war klar, dass es so eine eklige Partie wird“, sagte Pick. „Die Mannschaft, die am Ende aufsteigt, ist die cleverste. Und wir lassen die Punkte liegen.“

Trainer Boris Schommers vermied es wie seine Spieler, den FCK aufgrund der Taktik des Kontrahenten in die Opferrolle zu drängen. Man müsse das nicht schön finden, so Schommers, gleichwohl sei es ein legitimes Mittel. „Umso ärgerlicher ist es, wenn die den Bus parken und wir es nicht bestrafen.“ Carlo Sickinger fasste den Tag trefflich zusammen: „Das war heute leider ein Rückschritt.“

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