1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ex-Trainer Funkel im Interview: „Für den Aufstieg muss beim FCK alles passen“

Der Retter vom Betze: In der Saison 2023/2024 verhinderte Friedhelm Funkel den Abstieg des FCK.
Der Retter vom Betze: In der Saison 2023/2024 verhinderte Friedhelm Funkel den Abstieg des FCK.

Den Betzenberg verließ Friedhelm Funkel 2024 als Retter vor dem Abstieg. Im Interview spricht er über den FCK und erklärt, wann er noch einmal als Trainer einsteigen würde.

Herr Funkel, seit ihrem Aufstieg mit dem 1. FC Köln in der vergangenen Saison sind Sie wieder Trainer-Rentner. Wie schmeckt Ihnen der Unruhestand?
Ich habe damit überhaupt kein Problem. Ich bin niemand, der Langeweile hat und nicht weiß, was er mit seiner Zeit anfangen soll. Ich genieße das. Treffe mich mit Freunden, habe Zeit für die Familie, mache Sport und schiebe den einen oder anderen Urlaub ein. Ich habe ein sehr abwechslungsreiches Leben, verfolge aber natürlich die Erste und Zweite Liga weiter. Ich bin oft im Stadion gewesen. Fußball ist nach wie vor mein Leben.

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Den 1. FC Kaiserslautern haben Sie in der Saison 2023/2024 vor dem Abstieg gerettet und ins DFB-Pokalfinale geführt, mit Köln sind Sie aufgestiegen. Zwei wichtige Klubs in Ihrer langen Karriere, bei denen Sie als Held gegangen sind. Haben Sie einmal darüber nachgedacht, jetzt endgültig in Rente zu gehen? Getreu dem Motto: Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören?
Der Spruch ist natürlich berechtigt (lacht). Aber wenn ich die Möglichkeit habe, mich mit der Aufgabe, die vielleicht kommt, identifizieren kann und den Glauben daran habe, das schaffen zu können, dann schließe ich nicht aus, noch einmal etwas zu machen. Ich bin nach wie vor voller Tatendrang.

Ist es vielleicht sogar umgekehrt so: Nachdem Ihre letzten beiden Stationen erfolgreich waren, hat man erst recht Blut geleckt?
Köln war eigentlich eine meiner leichtesten Aufgaben. Es waren nur zwei Spiele, wir hatten drei Punkte Vorsprung, ich kannte fast alle dort, weil ich 2022 schon beim FC gearbeitet hatte. Ich war sehr sicher, dass wir den Aufstieg schaffen.

Ihre Zeit damals beim FCK haben Sie hingegen als sehr anstrengend beschrieben. Abstiegskampf, eine nach ihren Angaben schwierig zu trainierende Mannschaft.
Es war schwierig damals, aber es waren auch sieben, acht Mannschaften mit uns im Abstiegskampf. Viele Klubs, die unten oder knapp über uns standen, kamen alle noch auf den Betzenberg. Braunschweig, Osnabrück, Magdeburg, Wiesbaden. Die Spiele mussten wir zuhause gewinnen. Da hatte ich den Glauben, dass wir das schaffen können. Nur deshalb habe ich es auch gemacht.

Hat der FCK aus dieser Phase die richtigen Konsequenzen gezogen?
Ich glaube schon. Sie haben mit Torsten Lieberknecht einen Trainer geholt, mit dem sich alle identifizieren können. Er ist sehr authentisch und volksnah, kommt aus der Region und hat beim FCK gespielt. Lautern hat eine Mannschaft, die durchaus in der Lage ist, im ersten Drittel mitzuspielen. Das traue ich dem FCK schon zu…

Ist die Mannschaft aber auch schon stark genug, um aufzusteigen?
Das weiß ich nicht. Der FCK hat zuletzt einen kleinen Dämpfer hinnehmen müssen mit der Heimniederlage gegen Hertha. Insgesamt läuft es ja ordentlich, aber sie haben schon sieben beziehungsweise neun Punkte Rückstand auf die Aufstiegsplätze mit Schalke und Paderborn, allerdings auch nur drei Punkte auf den Relegationsplatz mit Elversberg. Es gibt noch das eine oder andere Defizit zu verbessern, aber sie spielen guten, offensiven Fußball. Um wirklich aufzusteigen, muss aber wirklich alles passen. Der FCK darf nicht so viele Verletzte haben, muss auch einmal eine Serie hinlegen und sehr konstant sein.

Wie Schalke?
Da muss man sagen: Wer so wenig Gegentore bekommt, hat tatsächlich die Möglichkeit aufzusteigen. Ein Tor schießen die immer. Mit einer starken Defensive ist die Wahrscheinlichkeit aufzusteigen sehr groß. Auch Paderborn wirkt sehr stabil. Diese beiden Teams werden mit Sicherheit um den Aufstieg mitspielen.

Als Trainer, der mit sieben Bundesliga-Aufstiegen mit verschiedenen Klubs den Rekord hält: Kommt es genau auf diese Stabilität an, wenn man bis zum Schluss oben dabei sein will?
Stabilität ist die Grundvoraussetzung. Wenn du stabil bist, hast du Ruhe im Verein und ein gutes Klima in der Mannschaft. Aber man sollte im Erfolg nicht über Ziele sprechen, die möglicherweise im Mai eintreffen könnten.

„Fußball ist nach wie vor mein Leben“: Friedhelm Funkel schließt ein weiteres Engagement als Trainer nicht aus.
»Fußball ist nach wie vor mein Leben«: Friedhelm Funkel schließt ein weiteres Engagement als Trainer nicht aus.

Macht es das Projekt Aufstieg eigentlich einfacher oder komplizierter, wenn wie beim FCK fast 50.000 Zuschauer bei jedem Heimspiel einerseits für fantastische Stimmung sorgen, andererseits aber auch eine gewisse Erwartungshaltung mitbringen?
Es ist immer ein Vorteil, in großen Traditionsklubs zu arbeiten. Ich glaube nicht, dass die Erwartungshaltung in Lautern so ist, dass man aufsteigen muss. Zum Beispiel in Paderborn kann nie die Euphorie oder Begeisterung wie beim FCK oder auf Schalke entstehen. Es gibt ja nichts Schöneres, als jede zweite Woche vor 50.000 Zuschauern zu spielen.

In der vergangenen Saison gab es mit Köln und dem HSV zwei glasklare Favoriten auf den Aufstieg. Das ist diesmal anders. Macht es die Aufgabe einfacher, wenn es keinen natürlichen Favoriten gibt?
Ich denke, das ist ein kleiner Vorteil, wenn keiner wegmarschiert da oben. In dieser Saison können es sechs, sieben Vereine schaffen. So kannst du auch mal eine Niederlage verkraften, wenn du danach zwei- oder dreimal gewinnst.

Man spürt, wie gut der Aufstieg der Schwergewichte 1. FC Köln und Hamburger SV mit ihrer Fanwucht der Bundesliga tut. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass in den nächsten weitere große Namen nach oben schaffen werden? Der FCK, Schalke, die Hertha?
Das wäre natürlich schön. Aber die „kleineren“ Vereine wie Paderborn machen es auch sehr gut. Die haben nicht diese Zuschauerwucht, weil sie auch kleinere Stadien haben. Aber man sieht an Köln und dem HSV: Für die Außenwirkung, die Vermarktung oder die Zuschauerzahlen der Bundesliga sind diese großen Vereine natürlich attraktiver. Aber wenn die kleineren Klubs – siehe Heidenheim und Kiel – es sportlich nach oben schaffen, haben sie natürlich ihre Daseinsberechtigung.

In der vergangenen Saison führte Friedhelm Funkel den 1. FC Köln zum Bundesliga-Aufstieg.
In der vergangenen Saison führte Friedhelm Funkel den 1. FC Köln zum Bundesliga-Aufstieg.

Lukas Kwasniok, Ihr Nachfolger in Köln, hat zwar gerade das Derby in Gladbach mit 1:3 verloren, den FC aber ansonsten sehr schnell in der Bundesliga etabliert. Wie bewerten Sie seine Arbeit?
Bisher überragend. Er hat mit Sportchef Thomas Kessler zusammen gute Spieler geholt, die zum FC passen. Auch Lukas passt zum FC und zu Köln, weil er sehr menschlich, sehr authentisch und sehr nahbar ist. Das musst du beim Traditionsverein auch sein, weil du da auch mal mit den Fans ein Bier trinken und dich in der Stadt zeigen musst. Sonst bekommst du keinen Draht zu den Leuten. Lukas nimmt außerdem die Spieler gut mit und hat immer mal eine Überraschung in der Anfangsformation.

Kommen wir auf Sie persönlich zurück. Wovon hängt es ab, ob Sie noch einmal Lust auf einen Job in der Ersten oder Zweiten Liga bekommen könnten?
Ich muss mich wie gesagt mit der Aufgabe identifizieren können und ich muss die Möglichkeit sehen, mit der Mannschaft das Ziel erreichen zu können. Ich sage Ihnen ein Beispiel: Letztes Jahr im Oktober wollte mich der VfL Bochum unbedingt. Da habe ich abgesagt, weil ich nicht den Glauben hatte, mit Bochum die Bundesliga erhalten zu können. So etwas muss ich mir nicht mehr antun.

Wäre eigentlich auch der Job als Nationaltrainer für Sie eine Option, wie es Kollegen wie Winfried Schäfer nach Ihrer Vereinskarriere gemacht haben? Ein exotisches Abenteuer in Afrika oder Asien?
Nein, das schließe ich aus. Aus Deutschland gehe ich nicht mehr weg. In war hier über 30 Jahre lang Trainer, das würde ich nicht machen. (lacht)

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