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Freitag, 12. Juli 2019 Drucken

Meinung

Formel 1: Letzte Ausfahrt Hockenheim

Von Peter Schäffner

Zum wahrscheinlich letzten Mal wird in etwa zwei Wochen der Grand Prix von Deutschland auf dem Hockenheimring stattfinden.

Zum wahrscheinlich letzten Mal wird in etwa zwei Wochen der Grand Prix von Deutschland auf dem Hockenheimring stattfinden. (Foto: Jan Woitas/dpa)

In rund zwei Wochen gastiert der Formel 1-Zirkus in Hockenheim. „Großer Preis von Deutschland“ heißt es dann. Wahrscheinlich könnte das Rennen aber auch den Titel „Letzter Preis von Deutschland“ heißen. Denn dass die - nach eigenem Verständnis - „Königsklasse des Automobilsports“ noch einmal im badischen Spargelstädtchen gastiert, diese Chance geht – nach derzeitigem Stand – gegen Null. Eigentlich ist es ein mittelgroßes Wunder, dass Vettel und Co. heuer überhaupt nochmal da sind. Das ist einmal dem ordentlichen Besuch im vergangenen Jahr geschuldet. Dadurch kamen die Hockenheimer als Veranstalter mit einer schwarzen Null davon, da die Formel 1-Rechteinhaber zuvor die Antrittsgebühr gesenkt hatten. Zum anderen ist das Mercedes-Benz zu verdanken. Die Stuttgarter, die mit Lewis Hamilton und Valtteri Bottas das Geschehen quasi nach Belieben dominieren, wollten auf eines ihrer „Heimspiele“ (der Sitz des Teams liegt im englischen Brackley, Mercedes-AMG hat also auch an diesem Wochenende „Heimrecht“) nicht verzichten und springen als Titelsponsor ein. „Formel 1 Mercedes-Benz Grosser Preis von Deutschland“ heißt der Grand Prix jetzt mit Vor- und Zunamen.

Grand-Prix-Zirkus muss sich rechnen 

Teamchef Toto Wolff hat aber bereits verlauten lassen, dass diese Rolle, die mit einer ordentlichen Finanzspritze für Hockenheim verbunden ist, eine einmalige bleiben wird. Fallen diese Gelder weg, wird das Gastspiel der Formel 1 für Hockenheim zu teuer. Georg Seiler, der jetzt in Ruhestand gehende Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH, hat zurecht immer darauf bestanden, dass sich der Grand-Prix-Zirkus rechnen muss. Rote Zahlen schreiben nur um des Prestiges Willen, das geht gar nicht. Die Vergangenheit hat in Hockenheim und auch am Nürburgring gezeigt, wohin das führen kann. Erschwerend für Hockenheim und einige andere Traditionsstrecken kommt hinzu, dass der Formel 1 in anderen Ländern der Rote Teppich ausgebreitet wird. Staatliche Gelder fließen quasi unbeschränkt, fehlende Motorsporttradition spielt da keine Rolle. So stehen im Kalender Austragungsorte wie Abu Dhabi, Aserbaidschan, Bahrain oder Russland, 2020 wird gar in Vietnam gefahren. Die Formel 1 expandiert zum Gelde, auf der Strecke bleiben – auch zum Leidwesen der Piloten, die dazu aber nicht gehört werden - Traditionsstrecken wie eben Hockenheim oder der Nürburgring, sogar Monza, Spa oder Barcelona sind immer mal wieder Wackelkandidaten. Wer hierzulande also nochmal einen Großen Preis von Deutschland vor Ort verfolgen will, sollte nicht zögern und „die letzte Ausfahrt Hockenheim“ nehmen ...