Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Culinarium: Warum das Lokal im Haus des Gastes geschlossen ist

Das Culinarium im Haus des Gastes ist das gastronomische Aushängeschild der Kurstadt.
Das Culinarium im Haus des Gastes ist das gastronomische Aushängeschild der Kurstadt.

Das Restaurant im Haus des Gastes in Bad Bergzabern hat geschlossen. Die Stadt hat dem Pächter fristlos gekündigt, sagt der Bürgermeister. Der Gastronom stellt das anders dar.

Wer zum Haus des Gastes in Bad Bergzabernkommt, kann die großen Schaukästen vor den beiden Eingangstüren nicht übersehen. Unter dem großen Schriftzug „Culinarium“ hängen mehrere Seiten einer Speise- und Getränkekarte. Schnell wird klar: Hier, im gastronomischen Aushängeschild der Kurstadt, werden italienische Spezialitäten serviert. Entweder im Innenbereich, wo 200 Gäste Platz finden, oder auf der großen Terrasse mit Blick in den angrenzenden Kurpark mit 120 Sitzplätzen. Ist die Lust auf Antipasti, Pasta oder Pizza geweckt, folgt allerdings schnell die große Ernüchterung. Denn drinnen im Haus des Gastes wartet eine verschlossene Eingangstür zum Restaurant. Von außen ist das nicht ersichtlich, nirgends ist ein Hinweis darauf zu finden.

Eigentümerin des Haus des Gastes und damit auch des Culinariums ist die Stadt Bad Bergzabern. „Wir haben den Pachtvertrag fristlos zum 31. Januar gekündigt“, erklärt Stadtbürgermeister Hermann Augspurger auf RHEINPFALZ-Nachfrage. „Wegen Nichterfüllen des Vertrags.“ Mehr ins Detail möchte Augspurger nicht gehen. Zu dem jetzt ehemaligen Pächter habe er schon seit Längerem keinen Kontakt mehr.

Pächter hatte Sternekoch im Schlepptau

Pächter ist seit 2021 Massimo Avanzato. Mitgebracht hat er damals mit Alessandro Bianchini einen hochdekorierten Sternekoch, der schon Menüs für den US-amerikanischen Unternehmer Bill Gates und die Könige von Spanien und Marokko kreiert hat. Entsprechend groß waren die Avanzatos Pläne. Der Pachtvertrag war für fünf Jahre, also bis 2026 gültig, zudem beinhaltete er eine Option auf Verlängerung. Nach RHEINPFALZ-Informationen betrug die Grundpacht 1500 Euro im Monat. Zusätzlich musste Avanzato eine Umsatzpacht bezahlen. 20.000 Euro im Monat waren von der Grundpacht abgedeckt, von jedem weiteren Euro Umsatz kamen sieben Prozent zu den 1500 Euro hinzu. Avanzato war verpflichtet, der Stadt zur Mitte eines jeden Jahres den Umsatz der vergangenen zwölf Monate aufzulisten – was er nach RHEINPFALZ-Informationen nicht tat. Das sowie ausstehende Pachtzahlungen sollen der Grund für die fristlose Kündigung der Stadt gewesen sein.

Avanzato selbst stellt die Sache gänzlich anders dar. „Es war meine Entscheidung, den Vertrag zu kündigen“, sagt der Gastronom, der zuvor auch schon das Restaurant Toscana in der Winzergasse in Gleiszellen-Gleishorbach betrieben hatte. Es sei einfach nicht mehr so gut gelaufen. Deshalb konnte er das Restaurant nicht mehr kostendeckend führen. Zudem sei es ein großes Problem gewesen, Personal zu finden. Auch im Hinblick auf die Pacht widerspricht er den RHEINPFALZ-Informationen. Er spricht von 3260 Euro monatlich, die er bezahlen musste. An den Umsatz sei das nicht gekoppelt gewesen. Jedenfalls hat Avanzato laut eigener Aussage stets seine Rechnungen bezahlt, Schulden gibt es keine.

Als „noch größeres Problem“ bezeichnet Avanzato den Zustand des Haus des Gastes. Er meint damit vor allem die Wasserschäden im Foyer und in der Toilette des Restaurants. Das Gebäude müsse kernsaniert werden, sagt Avanzato. „Ich habe das mehrmals angesprochen und geschrieben.“ Passiert sei aber nichts.

Haus des Gastes ist baufällig

Dass das Haus des Gastes in einem desolaten Zustand ist, daraus macht Bürgermeister Augspurger keinen Hehl. Den Grund für Avanzatos Kündigung sieht er darin aber nicht. Denn: „Eine Kündigung ist bei uns nie eingegangen“, sagt Augspurger. Er betont, dass die Stadt den Vertrag mit Avanzato fristlos gekündigt habe.

Unabhängig davon, wer nun wem gekündigt hat, steht fest, dass das Culinarium einen neuen Pächter braucht. Augspurger möchte die Ausschreibung bis zu den Sommerferien veröffentlicht haben. Bis dahin müssen noch Reparaturen erledigt und eine Grundreinigung gemacht werden. „Ich hoffe, dass wir dieses Jahr noch neue Pächter bekommen“, sagt der Bürgermeister.

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