Bad Bergzabern
Tunnelbau: Bald wird asphaltiert (mit Bildergalerie und Videos)
Handgestoppte 4 Minuten und 39 Sekunden, so lange dauert es, bis der Tunnel der Ortsumgehung Bad Bergzabern mit dem Auto durchquert ist. Ja, es muss nicht mehr um den Berg herumgefahren werden, um vom Südportal zwischen der Kurstadt und Dörrenbach zum Nordportal an der L492 in Richtung Böllenborn zu gelangen. Der Weg führt mittlerweile mitten hindurch. Zumindest für Baustellenfahrzeuge wie den weißen Pick-up, an dessen Steuer Christian Rösch, Bauüberwacher des Landesbetriebs Mobilität (LBM), sitzt. Von Fahrkomfort kann nicht die Rede sein, das Fahrzeug und mit ihm alle Insassen werden kräftig durchgeschüttelt. Denn der Untergrund besteht noch aus verdichtetem Mutterboden.
Das Asphaltieren der Fahrbahn beginne voraussichtlich in einem Vierteljahr, erzählt Jürgen Buschlinger, der auf der Rückbank Platz genommen hat. „Es wird ein Niedrigtemperaturasphalt aufgezogen“, erklärt der Projektleiter vom LBM. Wie der Name schon sagt, wird der Fahrbahnbelag im Vergleich zum herkömmlichen Straßenbau zum Beispiel auf der B10 mit niedrigerer Temperatur angeliefert. Denn, so erklärt es Buschlinger: Je höher die Temperatur des Asphalts ist, desto mehr giftige Dämpfe werden freigesetzt. Das sei im Tunnel problematisch, weil die Dämpfe dort langsamer abziehen. Die Verarbeitung des Materials sei etwas schwieriger, weil es wegen der niedrigeren Temperatur nicht so flexibel sei. Ein Problem ist das aber nicht für die Profis der Firma Bemo aus Innsbruck.
Fehlender Bundeshaushalt macht ein wenig Sorgen
Seit September 2021 sind die Männer und Frauen der Tunnelbauexperten aus Österreich in der Südpfalz zu Gange. Im Zwei-Schicht-Betrieb wurde zunächst permanent gesprengt, gebaggert, Abraum abtransportiert und betoniert. Rund 40 Bergleute, Geologen und Büromitarbeiter waren 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche im Einsatz, um das Mega-Projekt rechtzeitig fertigzustellen. „Wir sind noch voll im Zeitplan“, sagt Buschlinger. Bis Ende 2026 soll das Projekt abgeschlossen sein. „Wir sind aber am Limit.“ Es darf im weiteren Bauverlauf also nichts mehr schiefgehen. Nach den bislang durchweg positiven Erfahrungen im Hinblick auf den Fortschritt ist Buschlinger optimistisch, dass alles reibungslos weiterläuft.
Ein klein wenig Sorgen bereitet die Tatsache, dass es noch keinen beschlossenen Bundeshaushalt für 2025 gibt. Denn das bedeutet, dass erst einmal keine neuen Arbeiten an Firmen vergeben werden können. Beim Bau des Tunnels, der das Herzstück der neuen Bundesstraße 427 als Ortsumgehung von Bad Bergzabern ist, steht aber genau dieser Schritt an. Die Arbeiten für die Tunneltechnik seien derzeit ausgeschrieben, erklärt Buschlinger. Droht also ein Baustopp, weil die Arbeiten nicht an eine Firma vergeben werden können? Das hält Buschlinger für sehr unwahrscheinlich. Seiner Einschätzung nach wird der Bund der Vergabe zustimmen, fehlender Haushalt hin oder her.
Im März 2022 haben wir ein Video zur Tunnelbaustelle gedreht. Wie es damals in der Röhre ausgesehen hat, sehen Sie hier.
Statt 40 sind nur noch eine Handvoll Arbeiter da
Zurück ins Hier und Jetzt. Der Trubel auf der Baustelle hat mittlerweile deutlich abgenommen. Es arbeiten nur noch fünf Leute in Dekaden. Das heißt, es wird zehn Tage von Montag bis Freitag im Tunnel geackert, danach ist fünf Tage Pause. Während der Ruhezeit sind vier Arbeiter von Montag bis Samstag außerhalb mit Erdarbeiten beschäftigt. Sie schütten zum Beispiel nach und nach die noch nackten Röhren von oben mit Erde zu, die zuvor aus dem Berg geholt wurde. Die Landschaft werde weitgehend wieder so hergestellt, wie sie vor Baubeginn gewesen sei, erklärt Bauüberwacher Rösch. „Am Ende sind nur noch die beiden Portale zu sehen.“
Im Einsatz sind nicht nur deutlich weniger Menschen, auch die Maschinen sind deutlich kleiner geworden. Statt monströsen Baggern und Radladern sind nur noch Traktoren mit Anhängern unterwegs. Das eigens für den Tunnelbau aufgebaute Betonwerk mit seinen weithin sichtbaren Silos ist seit Ende des vergangenen Jahres ebenfalls verschwunden. Es sei mittlerweile in Kassel, erzählt Buschlinger. Dort baue Bemo den nächsten Tunnel. Mit dorthin umgezogen sind auch die riesige Werkstatthalle, in der vor dem Südportal Baumaschinen im laufenden Betrieb repariert wurden, und einige der Baucontainer. Statt zwei Geschossen hat die Bürozentrale nur noch eines.
Was im Juli 2024 auf der Tunnelbaustelle los war, sehen Sie in diesem kurzen Video.
Projektleiter vor Abschied wehmütig
Von der Firma Bemo sei praktisch gar niemand mehr da, sagt Buschlinger im Hinblick auf die Büros. Er selbst zieht noch in diesem Jahr wieder nach Landau zur Baustelle für den vierspurigen B10-Ausbau, bei der er ebenfalls Projektleiter ist. „Meine Kollegen halten hier die Stellung“, sagt Buschlinger etwas wehmütig. „Wir sind bis zum bitteren Ende hier“, ergänzt Rösch mit einem Lachen im Gesicht und meint damit sich selbst und Ulrich Hengen.
Die beiden Bauüberwacher vom LBM werden dann den weiteren Innenausbau begleiten. Zuletzt wurden der Entwässerungskanal und die Löschwasserleitung eingebaut. Aktuell wird der Boden nivelliert. Es wird also hier etwas Erde abgetragen, um dort eine Unebenheit auszugleichen. Nach der angesprochenen Vergabe der Technikarbeiten kann es dann mit dem Einbau aller elektrischen Systeme losgehen. In der Röhre werden dann Kabel durch die vorbereiteten Leerrohre gezogen, Beleuchtung und Notrufsäulen werden installiert. In den beiden Häuschen vor den Portalen werden Technikzentralen eingerichtet. Noch stehen die beiden Gebäude im Rohbau neben der Ein- und Ausfahrt im Süden und im Norden.
Und wie sieht es mit dem Geld aus? „Ein bisschen teurer wird es werden“, sagt Buschlinger. Genau beziffern könne er die Mehrkosten nicht. „Ich schätze aber, dass es etwa um 25 Prozent teurer wird.“ Das würde bedeuten, dass der Tunnel am Ende statt der bislang kalkulierten 105 Millionen Euro etwas mehr als 130 Millionen Euro gekostet hat.