Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Seltener Gast in der Region: Tastenkünstler Daniil Trifonov kommt in den Rosengarten

Spielt in Mannheim: Daniil Trifonov.
Spielt in Mannheim: Daniil Trifonov.

Mit Daniil Trifonov spielt einer der spannendsten Pianisten unserer Zeit am 9. Februar in einem Konzert der Mannheimer Philharmoniker im Rosengarten.

Trifonov wurde im März 1991 in Nischni Nowgorod geboren. Aparterweise wurde vier Jahre minus fünf Tagen früher in derselben Stadt, die damals aber noch Gorki hieß, auch sein Kollege Igor Levit geboren. Beide leben schon lange nicht mehr in Russland, Levit lebt in Deutschland und Daniil Trifonov in den USA.

Ist Igor Levit in der Region beim Heidelberger Frühling auch konzeptionell aktiv, so hat Daniil Trifonov dort zumindest schon bei dem Festival gespielt. Ansonsten gab es wenige Auftritte von ihm im Rhein-Neckar-Raum. Etwas südlicher war er öfter, nämlich im Festspielhaus Baden-Baden. Dort spielte er auch Kammermusik mit Anne-Sophie Mutter bei Schuberts „Forellenquintett“ – und er war zuletzt im Herbst 2023 dort bei einem kleinen, sensationellen Rachmaninov-Festival, wo er den Solopart im vierten Klavierkonzert und in der Paganini-Rhapsodie spielte. Wer ihn allein da erlebt hat, weiß, dass Auftritte von Daniil Trifonov einzigartige musikalische Erlebnisse sind.

Begleitet wurde er in Baden-Baden vor 15 Monaten vom Philadelphia Orchestra unter dessen Chef Yannick Nézet-Séguin. Um sich den Rang dieses Klangkörpers klar zu machen, genügt ein einfacher Vergleich: Das Philadelphia Orchestra spielt so gut wie die Philadelphia Eagles American Football spielen.

Doch zurück zu Daniil Trifonov. Der Sohn aus einer musikalischen Familie wurde in Moskau und dann in Cleveland ausgebildet und kann auf eine große Anzahl von Preisen bei den führenden Klavierwettbewerben verweisen. So gewann er 2011 beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau gleich mehrere Preise auf einmal. Auch beim Chopin-Wettbewerb in Warschau war er im Jahr zuvor erfolgreich. Er bekam aber auch 2017 den Herbert-von-Karajan-Musikpreis, den ersten, der in Salzburg und nicht mehr in Baden-Baden verliehen wurde.

„So was noch nie gehört“

Auch seine CD-Alben wurden ausgezeichnet und mehrfach für Grammys nominiert. Die große Pianistin Martha Argerich äußerte über ihn: „Was er mit seinen Händen macht, ist technisch unglaublich. Es ist auch sein Anschlag – er hat Zärtlichkeit und auch das dämonische Element. So etwas habe ich noch nie gehört.“

Damit ist in zwei Sätzen eigentlich das Wesentliche über sein Spiel gesagt. Und um noch einmal an die Baden-Badener Konzerte zu erinnern: In der Paganini-Rhapsodie, einem Zyklus von 24 Variationen über das Thema aus einer Caprice des Teufelsgeigers, hat er in gleicher Weise die zarten und elegischen wie die abgründigen Variationen so genau und expressiv auf den Punkt gebracht, dass man darüber wahrlich ins atemlose Staunen kam.

Daniil Trifonov ist in jedem Fall weit mehr als ein bloßer Virtuose an der Klaviertasten, der mit seiner Fingerfertigkeit fasziniert. Er ist ein Musiker, der mit seinem Spiel auf der Suche nach dem Wesenskern der von ihm vorgetragenen Stücke ist und der viel zu sagen hat.

Affinität zu Landsmann Rachmaninov

Daniil Trifonov ist auch Komponist – und dass er unter anderem eine Suite mit dem Titel „Rachmaniana“ schrieb, verwundert bei seiner Affinität zur Musik seines Landsmann überhaupt nicht. Wie Sergei Rachmaninov, so ist ja auch Daniil Trifonov ein Russe in den USA.

Es verwundert nicht, dass bei Trifonovs CD-Aufnahmen Rachmaninov eine wesentliche Rolle spielt und er alle Konzerte aufgenommen hat. Doch sein Repertoire ist alles andere als auf die Spätromantik und virtuose Literatur begrenzt. Er hat unter anderem auch ein Bach-Album mit dem Titel „The Art of Life“ (Die Kunst des Lebens) aufgenommen, das ganz tiefgründige Deutung von Contrapunkten aus der „Kunst der Fuge“ enthält.

Am gestrigen Sonntag spielte er das Schumann-Konzert schon in London mit dem London Symphony Orchestra unter Daniel Harding – und vor seinem Gastspiel in Mannheim stehen für ihn Konzerte in Italien an, wo er im Rahmen einer Solotournee neben Walzern von Chopin díe cis-moll-Sonate von Tschaikowsky spielen wird. Im Mai kommt er damit nach Deutschland, unter anderem nach Frankfurt. Demnächst tritt er aber auch als Kammermusiker mit dem Geiger Leonidas Kavakos und als Liedbegleiter mit dem Bariton Matthias Goerne auf.

Info

Am 9. Februar um 19 Uhr spielt Daniil Trifonov im Konzert der Mannheimer Philharmoniker im Mannheimer Rosengarten das a-moll-Klavierkonzert von Robert Schumann. Es dirigiert Boian Videnoff. Im zweiten Teil erklingt die zweite Sinfonie D-Dur von Johannes Brahms. Karten über www.mannheimer-philharmoniker.de und an der Abendkasse.

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