Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Kann ich Alexa, Siri und Co. vertrauen?

„Leute wurden schon versehentlich im Schlafzimmer abgehört“, sagt ein Sicherheitsexperte.
»Leute wurden schon versehentlich im Schlafzimmer abgehört«, sagt ein Sicherheitsexperte.

Digitale Sprachassistenten können helfen, das Leben etwas bequemer zu machen. Auf Zuruf – wie „Alexa“, „Hey Google“ oder „Siri“ – spielen sie den gewünschten Musiktitel ab, wählen eine Rufnummer, lesen den Wetterbericht vor oder starten eine Internetsuche. Ob den Anbietern aber vertraut werden kann, ziehen viele in Zweifel. Was kann passieren – und was lässt sich dagegen tun?

Was befürchten Nutzen?
Die Hauptsorge dreht sich um den Schutz der eigenen Daten, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab. Etwa 50 Prozent aller Internetnutzer ab 16 Jahren setzen deshalb nie einen Sprachassistenten ein, vor allem wegen der Angst, von Dritten eventuell abgehört werden zu können. Die anderen 50 Prozent bedienen sich aber zumindest gelegentlich eines der kleinen Helfer, meist per Smartphone-App, aber auch mithilfe von sprachgesteuerten Lautsprechern (Smart Speakern) in der Wohnung.

Wie sicher ist die Aktivierung durch Zuruf?
Viele befürchten, dass der Assistent nicht nur auf das richtige Befehlswort (wie etwa „Siri“) reagiert, sondern auch auf ähnliche Wörter, die er falsch versteht. „Das kommt sehr häufig vor“, bestätigt Christopher Kunz, IT-Security-Experte der Fachzeitschrift „c’t“. Ein weiteres prominentes Beispiel ist die Sammelklage gegen Apple in den USA, in der es um den Vorwurf ungewollter Mitschnitte durch den Siri-Assistenten ging. Apple hat die Klage kürzlich durch Zahlung von 95 Millionen Dollar (92 Mio Euro) aus dem Weg geräumt, wobei von mehreren Millionen betroffenen Siri-Nutzern ausgegangen wird.

Ein vermutlich nicht seltener Fall aus Deutschland: Technik-Experte Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat einen Freund, der Alex heißt – und den Amazon-Assistenten Alexa nutzt. „Bei dem meldet sich Alexa ständig aus dem Off, weil sie den Namen falsch verstanden hat und wissen will, was sie machen soll“, so der Verbraucherschützer.

Können Fremde heimlich mithören?
Um die Qualität der Spracherkennung zu verbessern, werten die Anbieter aufgezeichnete Gespräche teilweise aus. Dafür nutzen sie in erster Linie ihre Software – aber nicht nur. „Das kann eine Maschine nur bis zu einem bestimmten Punkt, deshalb werden auch Menschen eingesetzt, wenn auch sehr selten“, erläutert Security-Experte Kunz. Welche Folge das haben kann, zeigen Extrembeispiele. „Leute wurden schon versehentlich im Schlafzimmer abgehört“, so Kunz.

Dürfen die Anbieter das?
In den Nutzungsbedingungen steht, was die Anbieter mit den Aufzeichnungen anstellen können. Wer den Bedingungen zustimmt, erklärt sich damit einverstanden – und darf sich im Nachhinein nicht beschweren. Allerdings macht sich erfahrungsgemäß nur eine Minderheit überhaupt die Mühe, das Kleingedruckte zu lesen. Aber auch wer es liest, hat es schwer, die Bedingungen zu verstehen.

So stellte die Stiftung Warentest in einer Studie 2023 „deutliche Mängel“ in den Datenschutzerklärungen von Alexa, Google Assistant und Siri fest. „Da bleibt immer eine Unsicherheit“, sagt Henning Gajek vom Fachportal Teltarif.de. Immerhin habe die EU in Sachen Datenschutz einiges bewirkt, so dass die Nutzer mehr Einfluss auf die Verwendung ihrer Daten hätten, aber die Server stünden in den USA. Ob sich die Anbieter dort an die Regeln halten, lasse sich nicht überprüfen. „Da kann man nur beten“, so Gajek.

Können Hacker an die Daten kommen?
Wie immer im Netz besteht die Gefahr, dass sich Hacker Zugang zu den Gesprächsaufzeichnungen verschaffen. Die Daten in den Clouds der Anbieter hält „c’t“-Experte Kunz aber für so gut abgesichert, dass das Risiko dort äußerst gering sei. Ungleich stärker gefährdet seien die Daten auf den Endgeräten der Nutzer, da Hacker dort Schadsoftware platzieren könnten.

Werde ich für Werbezwecke abgehört?
Ob die oft geäußerte Vermutung stimmt, dass die Anbieter ihre Mitschnitte für personalisierte Werbung nutzen, ist ungeklärt. Beweise dafür habe es nie gegeben, sagt Teltarif.de-Fachmann Gajek. „Wenn jemand Werbung für Bohrmaschinen bekommen hat, nachdem er sich mit anderen über Bohrmaschinen unterhielt, ließ sich nie ermitteln, woran das lag“, so Gajek. Security-Experte Kunz hält es für recht unwahrscheinlich, dass es einen Zusammenhang gibt, da die Anbieter bessere Möglichkeiten hätten, Käuferprofile zu erstellen: „Das geht einfacher anhand anderer Aktivitäten im Internet wie bei Facebook.“

Was kann ich zu meinem Schutz tun?
Man sollte sich zunächst fragen, ob der persönliche Nutzen aus der Verwendung eines Assistenten so hoch ist, „dass er mögliche Sicherheitsrisiken oder Eingriffe in die Privatsphäre überwiegt“, rät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Lautet die Antwort ja, sollten Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

1. Einstellungen prüfen
Das BSI empfiehlt, die von den Anbietern getroffenen Voreinstellungen der Assistenten an den eigenen Bedarf anzupassen. Außerdem sollte regelmäßig kontrolliert werden, welche Daten gespeichert wurden, um sie gegebenenfalls löschen zu können.

Beispiel Amazon Alexa: In der App und unter www.amazon.de/alexadatenschutzeinstellungen kann eingestellt werden, ob Amazon Sprachaufzeichnungen zur Verbesserung des Dienstes nutzen darf oder nicht. Außerdem kann dort der bisherige Aktivitätsverlauf gelöscht werden.

Beispiel Google Assistant: In den Einstellungen der App ist es unter ,,Meine Daten bei Assistant“ möglich, die Speicherung der App-Aktivitäten und der Sprachaufnahmen bei Google zu deaktivieren sowie bereits vorhandene Einträge zu löschen.

Beispiel Siri von Apple: Unter ,,Siri & Diktat verbessern“ kann festgelegt werden, ob Apple die Audiodaten selbst oder nur Transkripte (Abschriften) speichern darf. Laut Apple sind die Transkripte nicht mit dem Account oder der E-Mail-Adresse des Nutzers verknüpft.

2. Updates beachten
Um die Endgeräte vor Hackern zu schützen, sollten die vom Anbieter bereitgestellten Sicherheitsupdates unverzüglich installiert werden. „Damit lassen sich erkannte Schutzlücken schließen“, erläutert Verbraucherschützer Gundall. „Wenn man Updates eine Zeitlang schleifen lässt, kann es sonst passieren, dass man sich Malware einfängt“, warnt Security-Experte Kunz.

3. Gerät zeitweise ausschalten
Wer nicht zu Hause ist, sollte den heimischen Lautsprecher entweder deaktivieren oder ganz ausschalten, empfiehlt das BSI. Zur selben Maßnahme rät Verbraucherschützer Gundall in „intimen Situationen“, um ein Mithören durch Fremde ganz sicher zu verhindern. „Soll etwas Delikates besprochen werden, kann der Stecker am Lautsprecher gezogen werden und das Handy aus dem Zimmer verbannt werden“, meint auch Teltarif.de-Experte Gajek.

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