Kusel / Altenglan RHEINPFALZ Plus Artikel „Papa, Hilfe, die Tür geht nicht mehr auf“ – Familienvater erzählt von Brand im Kinderzimmer

Der Brand war dank der Feuerwehrkräfte zügig gelöscht. Doch der Ruß verteilte sich dem Familienvater zufolge im ganzen Haus. In
Der Brand war dank der Feuerwehrkräfte zügig gelöscht. Doch der Ruß verteilte sich dem Familienvater zufolge im ganzen Haus. In Altenglan hat die Familie nun ein neues Übergangsdomizil gefunden.

Schrilles Rauchmelderpiepsen ertönt am frühen Morgen im Haus, das eigene Kind steht in seinem verqualmten Zimmer, kriegt die Tür aus eigener Kraft nicht mehr auf – ein Horrorszenario, das ein Familienvater aus Kusel vor wenigen Tagen erlebt hat. Von einem Gefühlskarussell aus großer Angst und tiefer Dankbarkeit.

Noch immer jagt es dem Familienvater, der namentlich nicht in der Zeitung genannt werden möchte, einen kalten Schauer über den Rücken, wenn er an den frühen Morgen des 30. November denkt: „Das war ein Krimi, ein richtiger Krimi“, beschreibt der Kuseler das Geschehen Tage später im RHEINPFALZ-Gespräch. „Die Bilder kriege ich nicht mehr aus dem Kopf.“

Er sei noch am Schlafen gewesen, als ihn das laute Schrillen des Rauchmelders jäh aus dem Schlaf gerissen habe. Gleichzeitig habe er seinen dreijährigen Sohn aus dem Kinderzimmer rufen hören, der kurz zuvor noch bei ihm im Bett gelegen habe: „Papa, Hilfe, die Tür geht nicht mehr auf.“ Ein Schock für den alleinerziehenden Familienvater, der sich gegen die Tür zum Kinderzimmer warf, seinen Sohn schnappte und aus dem Zimmer zog. „Da war alles verraucht“, erinnert sich der zweifache Vater an den Anblick des Kinderzimmers zurück. Wie es zu dem Feuer kam, könne er sich nicht erklären.

„Schutzengel haben Überstunden gemacht“

Geweckt von dem schrillen Ton des Rauchmelders und den Rufen des Vaters, sei auch der ältere Sohn (13 Jahre) binnen weniger Sekunden in Alarmbereitschaft gewesen. „Er hat noch gefragt ,Papa, soll ich den Notruf wählen?’“, erzählt der Familienvater. „Ich bin stolz auf ihn, dass er so schnell geschaltet hat. Auch darauf, dass er auf seinen Bruder aufgepasst hat.“ Nachdem er seine beiden Söhne aus dem Haus geschickt hatte, habe er selbst noch einen ersten Löschversuch unternommen – auch wenn sich die Tür zum Kinderzimmer da schon fast nicht mehr öffnen ließ und das im Nachhinein auch nicht die klügste Idee gewesen sei, wie er zugibt. Kurze Zeit später sei bereits die Feuerwehr eingetroffen, die den Brand im Obergeschoss zügig habe löschen können.

„Die Schutzengel von mir und dem Kleinen haben mehr als nur Überstunden gemacht“, zeigt sich der Kuseler sichtlich erleichtert, dass weder er noch vor allem seine beiden Söhne körperlichen Schaden davongetragen haben. Die Blutwerte der Kinder seien lediglich im Grenzbereich gewesen, was die Rauchbelastung betrifft. Er selbst habe sich eine leichte Hitzeverbrennung auf dem Rücken zugezogen. „Das fühlt sich an wie Sonnenbrand“, so der Mann. Er sei froh, dass weiter nichts passiert sei.

Mehrere Fische sterben im Aquarium

Größer sei der materielle Schaden, den die Flammen mit sich brachten. Obwohl lediglich ein Zimmer vom Feuer betroffen gewesen sei, sei einiges an Geräten und Möbeln nicht mehr brauchbar. „Der Ruß hat sich überall festgefressen“, schildert der Familienvater, der von Ablagerungen auf dem Kühlschrank und in der Waschmaschine sowie von stark riechender Kleidung berichtet. Nahezu der gesamte Hausrat im Obergeschoss sei kaputt. Als er tags darauf nach dem kurzen Krankenhausaufenthalt in die Wohnung zurückkehrte, habe er den halben Bestand seiner Aquarienfische tot aufgefunden. „Das war für mich das Alarmsignal, aus dieser Küche isst du erstmal nichts mehr“, sagt er.

Lag unter der angekokelten Bettdecke und hat den Brand unbeschadet überstanden – sehr zur Freude seines Besitzers: das Lieblings
Lag unter der angekokelten Bettdecke und hat den Brand unbeschadet überstanden – sehr zur Freude seines Besitzers: das Lieblingsstofftier des Kindes.

Doch wo unterkommen mit zwei Kindern? Den älteren Sohn habe er erstmal zur Oma ins benachbarte Saarland gebracht, mit dem jüngeren habe er zunächst bei seiner Nichte eine Unterkunft gefunden. Dass es sich dabei aber lediglich um eine Lösung für wenige Tage handelte, sei von Anfang an klar gewesen.

Auch dem Team der Kuseler Albert-Schweitzer-Kita, die der dreijährige Sohn besucht, blieb die schwierige Situation der Familie nicht verborgen. „Es hieß, sie hören sich mal um“, erzählt der Familienvater, der eine vorübergehende Bleibe suchte. Letztlich habe eine Bekannte von Volker Arning, die vom Kita-Team angesprochen worden sei, den Stein ins Rollen gebracht.

Familie fühlt sich wohl im Übergangsdomizil

Arning, der sich politisch im Kuseler Stadtrat engagiert und mehrere Immobilien besitzt, zögerte nicht lange. Er habe vor einiger Zeit seine früheren Büroräume in Altenglan zu einer kleinen Wohnung umfunktioniert, die er den Glasfaser-Arbeitern zur Verfügung gestellt habe, erzählt Arning im RHEINPFALZ-Gespräch. Wegen des schlechten Wetters seien die Arbeiter vor gut zwei Wochen ausgezogen und hätten sich gen Heimat aufgemacht. Die abschließende Reinigung der Wohnung habe jedoch noch ausgestanden, als ihn das Gesuch der dreiköpfigen Familie ereilte. „Ich hätte was, aber ich bin noch nicht so weit“, lauteten darum auch die Worte des Kuselers, der dem Familienvater sogleich die Altenglaner Wohnung zeigte. Dass dieser direkt mit Putzeimer anrückte und sich überglücklich ob der neuen Bleibe zeigte, habe ihn sehr erfreut, schildert Arning lächelnd, der die Familie kurzerhand ganz unbürokratisch einziehen ließ. Eine Reinigungskraft wolle er aber natürlich dennoch vorbeischicken, betont er. Er sei froh, der Familie helfen zu können, lobt die beherzte Initiative des Kita-Teams.

Und die Familie? Die fühlt sich in ihrem neuen Altenglaner Übergangsdomizil pudelwohl, kann sich sogar vorstellen, längerfristig zu bleiben. Auf jeden Fall wird die Familie dort die nächsten Wochen verbringen, bis die größten Mängel in ihrem Mietshaus behoben sind, auch das Weihnachtsfest wird in Altenglan gefeiert.

Pakete mit Spenden stehen vorm Haus

Sehr dankbar und tief beeindruckt sei er von all der Hilfe, die er in den vergangenen Tagen erfahren habe, erzählt der Familienvater sichtlich gerührt beim RHEINPFALZ-Besuch. Viele, viele Spenden hätten die Familie erreicht – Spielsachen für die Kinder, Bettwäsche, eine Kiste voller Legosteine, eine neue Matratze, gar ein neues Kinderbett. Einige Spenden habe er zuordnen können, andere wiederum hätten einfach vor dem Haus gestanden. „Da geht einem das Herz auf“, schwärmt der Kuseler. „Das ist wirklich Wahnsinn. Ein ganz großer Dank an alle.“ Sogar beim Einkaufen sei er erkannt worden: Eine Mitarbeiterin habe ihm am Ausgang einen großen Plüschbären in die Hand gedrückt – bezahlt von einem Kunden.

Fest steht für den Familienvater, dass er sich für all die Hilfe revanchieren will. „Ich will etwas zurückgeben“, betont er. Eine Idee habe er bereits, die will er jedoch noch nicht verraten.

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