Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF: Brudermüllers Nachfolge und Dubourgs Weggang

Martin Brudermüller.
Martin Brudermüller.

Der Vorstand der BASF hatte Ende Februar den plötzliche Weggang von Saori Dubourg zu verkraften. Das war ein Verlust für den Ludwigshafener Chemiekonzern. Hinter der Trennung könnten aber ein ganz anderer Beweggrund stecken als ihre kritische Haltung zur China-Strategie von Konzernchef Martin Brudermüller. Für dessen Nachfolge jedenfalls gibt es jetzt nicht mehr viele Möglichkeiten.

Es ging Knall auf Fall. Erst kurz bevor Saori Dubourg dem Vorstand der BASF ein für alle Mal den Rücken kehrte, gab der Chemiekonzern die Trennung öffentlich bekannt. Lediglich sechs Tage lagen zwischen der Bekanntgabe der Personalie und dem ersten Arbeitstag ihres Nachfolgers Stephan Kothrade als Vorstand. Fast sechs Jahre war Dubourg Vorstandsmitglied, rund 27 Jahre hat sie für den Chemiekonzern gearbeitet. Sie galt als eine der Favoriten für die Nachfolge von Konzernchef Martin Brudermüller. Ihr überraschender Abschied könnte ein Hinweis darauf sein, dass bei der Personalie Saori Dubourg etwas schiefgelaufen ist. Plant doch der Konzern Veränderungen im Vorstand normalerweise von langer Hand.

Ganz anders lief es, als die BASF im Oktober 2022 die Nachfolgeregelung für den langjährigen Finanzvorstand des Konzerns, Hans-Ulrich Engel, bekannt gegeben hat: ein halbes Jahr bevor Engel zur Hauptversammlung am 27. April 2023 den Staffelstab an seinen Nachfolger Dirk Elvermann weiter reicht. Ein halbes Jahr vorher und nicht sechs Tage. Zugleich wurde damals bekannt gemacht, dass Brudermüllers Mandat als Vorstandsvorsitzender nicht um die üblichen fünf Jahre, sondern nur um eineinhalb Jahre verlängert wird bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 2024. Damit drängt sich auch die Frage in den zeitlichen Vordergrund: Wer wird Brudermüllers Nachfolger?

Einige Jahre warmlaufen

Nach dem Weggang Dubourgs jedenfalls gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten für die Nachfolge des Konzernchefs, wenn man die Gepflogenheiten der BASF in Rechnung stellt. Die Unternehmensleitung legt seit Jahrzehnten größten Wert darauf, dass für die Besetzung der beiden wichtigsten Posten – Vorsitz des Vorstands und Vorsitz des Aufsichtsrats – interne Lösungen gefunden werden. Die aktuellen Vorstandsmitglieder arbeiten seit 24 bis 39 Jahren für die BASF.

Deshalb wird Brudermüllers Nachfolger aus dem sechsköpfigen Vorstand des Chemiekonzerns kommen. Und selbst dort müssen sich Kandidaten erst einmal einige Jahre warmlaufen, um Aussicht auf den Vorsitz des Führungsgremiums zu haben. Aus diesem Grund und wegen ihres Alters lassen sich von vornherein schon die meisten Vorstandsmitglieder ausschließen.

Die Nachfolger von Dubourg und Finanzvorstand Engel, Kothrade und Elvermann, dürften zur Hauptversammlung 2024 mit 14 Monaten beziehungsweise zwölf Monaten Amtszeit noch zu wenig Erfahrung als Vorstandsmitglieder vorweisen können. Michael Heinz, der mit Sitz in den USA derzeit unter anderem das Amerika-Geschäft der BASF verantwortet, dürfte zu alt für die Nachfolge von Brudermüller sein. Er wird 2024 60 Jahre alt, Brudermüller wird dann 63. Dieses Alter hat Engel bereits überschritten. Damit dürfte Heinz als nächster altersbedingt aus dem Vorstand ausscheiden, aber nicht den Vorsitz übernehmen. Sein Vorstandsmandat läuft 2024 ab.

Damit bleiben nur noch Melanie Maas-Brunner und Markus Kamieth als mögliche Nachfolger von Brudermüller übrig. Sie wären beide jung genug. Kamieth wird im kommenden Jahr 54 Jahre alt, Maas-Brunner 56. Beide könnten also zumindest einen der bei der BASF üblichen Fünf-Jahresverträge voll erfüllen, bis sie in ein Alter kommen, in dem Vorstände ans Aufhören denken. Allerdings gibt es zwei gravierende Unterschiede zwischen den beiden: ihre Zeit als Vorstandsmitglied und ihre Erfahrung mit dem für die BASF überaus wichtigen China-Geschäft. Maas-Brunner wird im kommenden Jahr drei Jahre in dem BASF-Führungsgremium sein, Kamieth dagegen bereits sechs Jahre. Maas-Brunner war ab 2008 wenige Jahre als Vice President und Senior Vice President in Hongkong. Kamieth sitzt seit 2020 als Vorstandsmitglied in Hongkong.

Diverse Diskussionen

Damit könnte man mit guten Argumenten folgern, dass derzeit Markus Kamieth der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge von Martin Brudermüller 2024 als Vorstandsvorsitzender der BASF ist. Der scheidende Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel ist aber seit 2018 auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Wer sein Nachfolger in dieser Position wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Engel aber geht schon am 27. April dieses Jahres. Das heißt, die BASF wird in den kommenden Wochen bekanntgeben wer Vizechef der BASF wird. Hier wäre es möglich, dass Kamieth zunächst ein Jahr als Stellvertreter wirkt, um dann den Vorsitz zu übernehmen. Aber bei der BASF muss man kein Stellvertreter gewesen sein, um Chef zu werden. Deshalb wäre es auch denkbar, dass Maas-Brunner Vizechef wird, um das Amt länger auszufüllen. Der Aufsichtsrat könnte den Posten des Stellvertreters aber auch einfach abschaffen.

Bleibt noch die Frage, warum Saori Dubourg so Knall auf Fall den BASF-Vorstand verlassen hat. Manche Medien wollen wissen, dass die Ursache eine kritische Haltung Dubourgs gegenüber Brudermüllers China-Kurs gewesen sei. Die BASF hatte in der Tat erst im Sommer 2022 abschließend entschieden, in der südchinesischen Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt Zhanjiang für 10 Milliarden Euro einen mehr als fünf Quadratkilometer großen neuen Verbundstandort zu errichten.

Brudermüller nahm Ende Februar während der Bilanzpressekonferenz wenige Tage vor dem Ausscheiden Dubourgs indirekt dazu Stellung, ohne den Namen Dubourg in den Mund zu nehmen. Es sei „Gott sei Dank“ so, sagte Brudermüller, dass alle Themen im Vorstand „immer divers“ diskutiert würden. Wenn alle einer Meinung wären, so der BASF-Chef, könnte er ja den Job alleine machen. Es sei die Verpflichtung eines Vorstands, die Themen auch kontrovers und in all ihren Facetten zu diskutieren. „Aber wir kommen dann auch immer gemeinsam zu einem Punkt, wo wir sagen: Das ist es jetzt, und so machen wir es.“ Das spricht eher nicht für eine Trennung im Streit. Auch in der Pressemitteilung heißt es, Dubourg verlasse die BASF „im besten Einvernehmen“. Ihr Nachfolger ist allerdings ein Mann, im BASF-Vorstand gibt es jetzt eine Frau weniger. Das ist sicher ein Verlust an Diversität.

Rennen um den Chefposten

Dubourg und Kamieth könnten in einem internen Auswahlverfahren über längere Zeit Favoriten für die Nachfolge auf dem Chefposten gewesen sein. Ein Aufsichtsrat dürfte es bevorzugen, eine Auswahl zu haben statt keine. Wenn nun aber Dubourg im vergangenen Jahr klar geworden oder ihr kommuniziert worden ist, dass sie nicht Nachfolgerin von Brudermüller wird? Dann könnte sie sich entschieden haben, stattdessen nach einem Spitzenposten bei einem anderen Unternehmen zu streben.

Ambitionen auf eine Top-Position hat sie wohl. Das „Handelsblatt“ berichtete, Dubourg habe bereits im Herbst 2022 zu den Kandidaten im Auswahlverfahren für den Chefposten beim Leverkusener Chemiekonzern Bayer gehört. Damals seien sogar „entsprechende Gespräche“ mit ihr geführt worden. Neuer Bayer-Chef wird aber Bill Anderson, der zum 1. Juni 2023 Werner Baumann ablöst. Anderson war zuvor Chef der Pharma-Sparte beim Schweizer Roche-Konzern. Vielleicht hat Dubourg nun den BASF-Vorstand so kurzfristig verlassen, weil sich ihr beruflich eine andere Spitzenposition geboten hat. Wir könnten es bald erfahren.

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Saori Dubourg.
Saori Dubourg.
Markus Kamieth.
Markus Kamieth.
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