Hermersbergerhof
Investor stellt Pläne für Senioren- und Tourismusprojekt in Waldsiedlung vor
Als Bauunternehmer Martin Köhler im Sommer in der RHEINPFALZ las, dass die Evangelische Heimstiftung Pfalz ihre Suchtklinik auf dem Hermersbergerhof schließt, wurde er hellhörig. Ein riesiges Areal, 50.000 Quadratmeter groß, mit Bestandsbauten und viel Freifläche mitten im Pfälzerwald gelegen. Viele hätten wohl damit gerechnet, dass der abgelegenen und teilweise in die Jahre gekommenen Liegenschaft langer Leerstand droht. Doch der Investor aus Waldrohrbach sieht darin Entwicklungspotenzial und schlug zu. Betreutes Wohnen, Gastronomie und Beherbergungsangebote will er dort schaffen, hat bereits einen Architekten und Bauingenieur darauf angesetzt, ein Konzept zu entwickeln, wie er gegenüber der RHEINPFALZ berichtet.
Aber erst einmal müssen die Ortsgremien entscheiden, was sie von den Plänen halten und ob sie dem Großprojekt ihren Segen geben. Dafür kamen sie am Mittwochabend im Wilgartswiesener Rathaus zusammen. Das Projekt ist noch so frisch, dass etliche Bewohner der 55-Seelen-Waldsiedlung erst durch unseren Bericht an jenem Tag davon erfahren hatten. So waren einige an jenem Abend gespannt in die Muttergemeinde heruntergefahren, um zu hören, was es mit dem Bauvorhaben auf sich hat. Und welche Entscheidung fällten die Ortsgremien? Die Antwort: keine. Aber das lag nicht am Projekt an sich.
Neues Zuhause für 60 bis 80 Senioren
Ortsvorsteherin Vera Schmitt tat wirklich alles, um den Tagesordnungspunkt so lange wir möglich hinauszuzögern. Zuerst schob sie ihn auf der Agenda des Ortsbeirats ganz ans Ende, dann folgten lange Ausführungen zu allen möglichen anderen Dingen. Aber es half nichts. Ein Beiratsmitglied steckte mit Unfallschaden noch immer auf der Straße fest. Bei drei weiteren Beiratsmitgliedern, die wegen Befangenheit nicht mitstimmen durften, blieb nur eine stimmberechtigte Person. Und damit war das Mini-Ortsgremium nicht beschlussfähig. Und der Gemeinderat Wilgartswiesen, der gleich im Anschluss zusammenkam, wollte nicht über die Köpfe seiner Annexe hinweg handeln und vertagte seine Entscheidung dazu auch.
Der Weg für eine Bebauungsplan-Änderung ist also noch nicht geebnet, aber erste Schritte wurden trotzdem getan. Investor Köhler kam vorbei und gab dem Publikum einen Einblick in seine Pläne. Die Klinikgebäude aus den 1990er-Jahren seien noch in einem Top-Zustand. Den angeschlossenen Altbau will er sanieren lassen. Dort soll „Service-Wohnen“ für 60 bis 80 Senioren entstehen. Dies sei eine Wohnform für noch vitale ältere Menschen, die Dienstleistungen buchen können wie Einkaufs- oder Essensservice. „Der Standort ist super“, findet er. In wenigen Minuten sei man auf der B10 und könne Landau, Pirmasens und Kaiserslautern gut erreichen. Trotzdem könne man die Ruhe und Natur der herrlich gelegenen Höhensiedlung genießen. „Und die Bevölkerung wird immer älter, die Nachfrage ist da.“ Das hätten ihm auch die zwei potenziellen Betreiber gesagt, mit denen er für das Projekt bereits in engeren Gesprächen sei.
„Wir bauen keine Luftschlösser“
Für die Verwaltungsbauten im vorderen Bereich würde sich eine Jugendherberge anbieten. Nach dem geplanten Abriss der alten Hallen könnten auf der großen Freifläche Ferienhäuser im Tiny-House-Stil entstehen. Aber das sei alles noch Zukunftsmusik, sagt Köhler im Nachgang der Sitzung. „Erst mal geht es uns um das Seniorenwohnen und eine Gaststätte.“ Diese soll im Charakter einer Pfälzerwald-Hütte in der ehemaligen Küche mit Speisesaal gebaut werden. Regional und bodenständig stellt sich Köhler den Gastronomiebetrieb als Anlaufpunkt für die Senioren, Einheimischen und Touristen vor. Wenn es nach ihm geht, soll beides schon Mitte 2023 eröffnen.
Aber er macht deutlich: „Wir wollen das Projekt zusammen entwickeln.“ Deswegen sei zuerst ein Vor-Ort-Termin mit den Anwohnern geplant, danach werde er das Projekt auch im Rat vorstellen. Er betont: „Wir wollen hier keine Disco errichten, sondern etwas für Menschen schaffen, die Ruhe und Natur wollen.“ Damit liegt er mit den Wünschen des Ortsbeirats auf einer Linie, dieser hatte in der Sitzung nämlich klare Vorstellungen geäußert, was für ihn geht und was nicht. Eine Weiterentwicklung zum Seniorenwohnen sei begrüßenswert, Gastronomie und Tourismus sei im beschränkten Umfang auch denkbar. Bei allem sollen die Ruhe, der Naturschutz und der Charakter des Ortes aber erhalten bleiben. Und das Gremium mahnte gleich an, dass die Infrastruktur des Ortes nicht für größere Erweiterungen ausgelegt sei. „Wir bauen keine Luftschlösser“, so der Investor, der mehrere Projekte in der Region hat, „wir wollen etwas, das wirtschaftlich darstellbar und für alle okay ist.“
„Wir wollen unsere Glocke zurück“
Und was war jetzt die Sache mit der Glocke? Ja, die alte Ortsglocke von Hermersbergerhof hing einst im Schulhaus. Weil den Lehrern, die dort mit ihren Familien wohnten, das Geläut jedoch zu viel wurde, wurde ein neuer Platz gesucht. Damals bot die Heimstiftung an, einen Kirchturm zu bauen. Und offenbar gab es eine Art Kuhhandel zwischen dem Klinikträger und der Gemeinde. Turmbau gegen Glocke als Geschenk. Wie genau das damals ablief, ist nach Jahrzehnten aber nicht mehr nachzuvollziehen. Auf jeden Fall ist deswegen die Glocke nun weg. Die Heimstiftung hat sie als Andenken an 70 Jahre auf dem Hermersbergerhof zu sich nach Speyer mitgenommen. Die Bewohner sind empört. „Wir wollen unsere Glocke zurück.“ Ortsbürgermeister Manfred Schoch ist im Gespräch und hofft darauf, die Heimstiftung noch zum Einlenken zu bewegen.

