Annweiler
Altbürgermeister Wollenweber massiert jetzt für den guten Zweck
15 Jahre prägte Thomas Wollenweber als Stadtbürgermeister die Geschicke der Trifelsstadt. Drei Wahlperioden saß der nicht immer einfache Charakter im Annweiler Rathaus. Mit Leidenschaft, aber auch hitzig und gar bissig kämpfte er für seine politischen Ziele und seine Heimatstadt. Im Sommer 2019 sagte er der Politik ade. Zum Abschied meinte er damals gegenüber der RHEINPFALZ: „Ich hätte mir öfter persönliche Gelassenheit gewünscht, als ich sie hatte.“ Heute, nachdem er den Ballast seiner Position abgelegt habe, fühlt er sich angekommen: „Meine Gemütslage ist so gut wie seit Langem nicht mehr.“ Und wenn man diese Einstellung habe und mit sich im Reinen sei, könne man sich auch anderen ganz neu öffnen, findet er. Das tut er jetzt. Mit einem Hobby, an das wohl die wenigsten bei ihm gedacht hätten. Ach was, Hobby, „fast will ich sagen, es ist zu meiner Berufung geworden“. Der 58-Jährige ist inzwischen ausgebildeter Massage- und Wellnesstherapeut.
Angefangen hatte alles eigentlich nur als Geschenk an seine Frau Elizabeth. „Ich profitiere von dem Umstand, dass meine Frau durch Yoga und Aerobic ein hervorragendes Körpergefühl hat und dass sie mich gerne massiert.“ Er habe immer das Gefühl gehabt, dass er ihr dies nicht in der gleichen Qualität zurückgeben könne. So dachte er sich 2019 eher aus Jux: Ich mache jetzt einen Massagekurs. Zunächst belegte er nur Videoseminare bei einem Berliner Institut, doch schnell fing er Feuer und schrieb sich bei der Speyerer Massageschule Team Relax gleich für das Komplettpaket ein. Im vergangenen Sommer bestand er beide Prüfungen.
Spendenerlös kommt Ukraine-Hilfe zugute
Er macht klar, dass er keine Ausbildung für medizinische Massagen und Physiotherapie gemacht habe, sein Fokus liege woanders: „Ich habe Praktiken gelernt, die die größte Entspannung vermitteln können.“ Die Palette der Anwendungen, die Wollenweber in seinem kombinierten Büro und Massagesalon im Untergeschoss seines Wohnhauses in Queichhambach anbietet, ist groß: klassische Massagen, Aromaölmassagen, Hot-Stone-Massagen, Kräuterstempel-Massagen und Fußmassagen. Die größte Nachfrage gebe es nach der Ganzkörpermassage, berichtet er. Und die dauere bei ihm nicht nur eine Stunde, wie in vielen andere Massagepraxen, sondern mindestens zwei Stunden und gehe bis zur Kopfhaut.
Denn er wolle etwas zurückgeben und müsse es nicht machen, um davon zu leben. Seinen Job beim Bildungsministerium, wo er seit zwölf Jahren eine landesweite Schulsoftware betreut, hat er nämlich nicht an den Nagel gehängt. Die Massagen seien rein für die gute Sache. Sprich: Wollenweber erhebt einen Beitrag zwischen fünf und 15 Euro, um seine eigenen Kosten für die Öle, Kräuterstempel, Handtuchwäsche et cetera zu decken, und gibt einen Spendenwunsch, je nach Anwendungsdauer zwischen zehn und 20 Euro, an. Dieser Betrag fließt dann einem guten Zweck zu. Als die Idee zu dem Projekt im vergangenen Sommer aufkam, hatte er noch die Flutopfer im Ahrtal im Blick, angesichts der aktuellen Ereignisse hat er sich entschieden, nun alles der Ukraine-Hilfe zukommen zu lassen.
Massagen für Pflegekräfte kostenfrei
Voraussichtlich noch in dieser Woche werden die Wollenwebers auch eine ukrainische Familie bei sich aufnehmen. Ob er dann noch seinen Plan verwirklichen wird, ab Ende April in 42 Tagen die 1000 Kilometer von Sevilla nach Santiago de Compostela zu wandern, werde er sehen. Je nachdem, wie sich die Familie einlebe. Geflüchtete sind aber nicht die einzigen, die von der Wollenweber-Wellness profitieren sollen. Nach dem Motto „Klatschen ist okay, Massagen sind besser“ sind alle Angebote für Menschen aus Heil- und Pflegeberufen kostenlos. Zwei Menschen aus dieser Berufsgruppe habe er bereits in seiner Stammkundschaft, die sich bisher noch auf den erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis beschränkt. Aber er freue sich auf mehr Zulauf und wolle künftig zwei Abende in der Woche und alle zwei Wochen den Freitagnachmittag und Samstag fürs Massieren anbieten.
Und seine Frau? Sie sei begeistert von seinen neuen Fähigkeiten. Seine öffentliche Massagepraxis unterstütze sie, unter der Bedingung, dass sie nicht unberücksichtigt bleibe. Und dafür sorgt Thomas Wollenweber. Denn: „Es ist ein herrliches Gefühl, jemanden durch meine Hände zu einem echten Wohlgefühl zu verhelfen.“