Hornbach RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Baumarktkonzern seine Tochter von der Börse nimmt

Albrecht Hornbach
Albrecht Hornbach

Im Dezember hatte der Pfälzer Bau- und Gartenmarktkonzern Hornbach mit der Ankündigung überrascht, die größte Tochter, die Baumarkt AG, von der Börse zu nehmen. Die Finanzaufsicht Bafin hat dem am Freitag nun zugestimmt. Für das Unternehmen bieten sich einige Vorteile. Profitieren dürften aber auch die meisten Aktionäre.

Um den Einfluss der Familie dauerhaft zu sichern und zugleich die komplizierte Kapitalstruktur zu vereinfachen, hatte Hornbach vor mehr als fünf Jahren die Dachgesellschaft umfirmiert: aus der Holding AG wurde die Hornbach Holding AG & Co KGaA, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien mit der familiengeführten Management AG als Komplementär (Vollhafter). Vorteile bei der KGaA: Die Kontrolle über das Unternehmen ist von der Höhe der Kapitalanteile abgekoppelt. Die Familie muss also nicht über die Mehrheit der Aktien verfügen, um den Konzern leiten zu können. Mit der neuen Rechtsform gab es eine weiteren Schnitt: Das Aus für die stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

Nun geht Hornbach einen Schritt weiter und nimmt die Baumarkt AG von der Börse. „Da die Familie die Komplementärin stellt und somit der Fortbestand als Familienunternehmen gesichert ist, war das Doppellisting an der Börse nicht mehr notwendig“, sagte Holding-Vorstandschef Albrecht Hornbach im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Das hätte bereits früher geschehen können. Doch habe man bewusst einige Zeit mit der Ankündigung, die Baumarkttochter vom Börsenparkett zu nehmen, gewartet. Nach der Umfirmierung sollte erst wieder etwas Ruhe einkehren. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, das Unternehmen steht gut da, hat gute Gewinne erzielt und ist bei den Investoren und Aktionären gut angesehen“, sagte Hornbach. „Deshalb können wir mit 47,50 Euro einen sehr guten Preis anbieten“.

Depotbanken informieren

Für die meisten Anteilseigner ist der Verkauf ein lohnendes Geschäft, liegt das Angebot doch deutlich über dem langjährigen Mittel und auch über dem Peak im Jahr 2020. Gleichwohl hat die Ankündigung des Delistings dem Papier einen Schub verpasst. Seither liegt der Kurswert über dem Angebotspreis – teilweise um mehr als 1 Euro. Ein Problem sieht Albrecht Hornbach darin nicht und hofft, dass jene Anteilseigner, die ihre Papiere verkaufen, auch bereit sind, in die Holding zu investieren.

Was müssen Baumarkt-Aktionäre nun tun? Die jeweilige Depotbank werde die Aktionäre informieren und – wenn gewünscht – den Verkauf übernehmen. „Die Annahme des Angebots ist für die Aktionäre grundsätzlich kostenfrei“, kündigte Hornbach an. Die Annahmefrist startete am Freitag und endet am 22. Februar. Wer nicht verkaufen will, muss nicht fürchten, dass das Papier an Wert verliert. Die Aktie kann aber nicht mehr an der Börse gehandelt werden. Sie zu monetarisieren dürfte also schwierig werden. Die Holding ist bereit, alle mehr als sieben Millionen Aktien aus dem Streubesitz zu kaufen und wird dies über Kredite finanzieren, sagte Hornbach. Es sei aber nicht das Hauptziel, alle Aktien zu kaufen. Sollten sich alle Anteilseigner von ihren Aktien trennen, käme auf die Holding ein Investitionsvolumen von 345,5 Millionen Euro zu.

Entlastung für Management

Derzeit hält die Holding hält bereits 76,4 Prozent der rund 32 Millionen Aktien der Baumarkt AG. Der Bau- und Gartenmarktpionier ist an der Börse etwa 1,53 Milliarden Euro wert und ist – im Gegensatz zur Holding – nicht mehr im Nebenwerteindex S-Dax gelistet. Die Holding kommt mit 16 Millionen Aktien auf eine Marktkapitalisierung von 2,1 Milliarden Euro.

Für die Baumarkt AG mit 24.285 Mitarbeitern, darunter 2363 in der Pfalz, ändert sich durch den Rückzug von der Börse recht wenig, sagt Hornbach. Das von Vorstandschef Erich Harsch geleitete Unternehmen mit 165 Bau- und Gartenmärkten, zwei Fachmärkten und Online-Shops in neun europäischen Ländern „bleibt eigenständig innerhalb des Konzerns“ und werde auch künftig nicht weisungsgebunden sein. Anders als von manchen Börsenexperten spekuliert, beabsichtige „die Holding nicht, einen Gewinnabführungs- und Beherrschungs-Vertrag mit der Baumarkt AG abschließen“, ergänzte Holding-Chef Albrecht Hornbach.

Auch wenn die Anteilsscheine nicht mehr an der Börse gehandelt werden: Die Baumarkt-Tochter bleibt eine Aktiengesellschaft, für die es auch künftig Hauptversammlungen geben wird. „Aber nicht mehr in dem strengen Rahmen, wie er bisher gesetzlich vorgeschrieben war“, sagte Hornbach.

Börsenstart im Jahr 1993

Die Notierung der Baumarkt AG begann im Jahr 1993 – sechs Jahre nach dem Börsenstart der Holding. Ziel sei es gewesen, Mittel für die internationale Expansion der Hornbach-Gruppe zu bekommen, erläuterte Albrecht Hornbach. Doch die getrennte Notierung sei inzwischen nicht mehr nötig. Sie habe im Gegenteil die Wertentwicklung der Aktien sogar behindert, sagte Hornbach. Der niedrige Streubesitz führe zu einer geringen Liquidität der Aktien, so dass das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von knapp 30.000 Aktien keine angemessene Bewertung des Unternehmens widerspiegele. Die Doppellisting habe die Wertentwicklung behindert und dabei den Holding-Kurs gebremst. Albrecht Hornbach ist sicher, dass das Holding-Papier nach dem Delisting an Wert gewinnt. Es gebe dann einen klaren Fokus der Investoren auf ein Unternehmen. Zudem setzte der Börsenabschied auch Managementkapazitäten frei. So könne sich der Vorstand vollständig auf das Wachstum der Gruppe, die Umsetzung der Strategie und den Betrieb des Unternehmens konzentrieren. Zur Hornbach-Gruppe gehören neben der Baumarkt AG noch die Baustoff Union und die Hornbach Immobilien AG.

Das Unternehmen Hornbach wurde 1877 gegründet. Stolz verweist die Familie drauf, dass die Historie mittlerweile sechs Generationen zurückreicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 (Ende Februar) konnte Hornbach es seinen Umsatz um 15,4 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr steigern. Zu den Pionierleistungen der Pfälzer gehören die Eröffnung des ersten kombinierten Bau- und Gartenmarkts im Jahr 1968 in Bornheim, dem ersten Megastore im Jahr 1980 in Karlsruhe und dem ersten Baumarkt mit Drive-in im Jahr 2003 im schwedischen Göteborg. Früh hat der Konzern auch in Online-Shops und die Verzahnung der Vertriebswege (Bestellen und Abholen) investiert.

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Weitere Informationen zum Börsenrückzug hat das Unternehmen für Aktionäre auf der website www.pluto-offer.com bereit gestellt.

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