Wirtschaft Zur Sache: Die Immobilien-Geschäfte

Ob Metro, Karstadt oder die Kaufhof-Mutter HBC: Alle Handelskonzern haben in der jüngeren Vergangenheit viele der Gebäude verkauft, in denen sie ihre Märkte, beziehungsweise Warenhäuser betrieben. Die Mietkosten mussten die einzelnen Häuser selbst aufbringen. Das führte einige, darunter den Ludwigshafener Kaufhof, ins Aus. Beispiel Karstadt: Der frühere Konzernchef Thomas Middelhoff – wegen Veruntreuung drei Jahre im Gefängnis – verkaufte Anfang der 2000er-Jahre die Gebäude an ein Vermieter-Konsortium. Die hohen Mietpreise, die das Warenhausunternehmen danach berappen musste, trieben Karstadt schließlich in die Pleite. Und Kaufhof? Um die Expansion in Südeuropa und Fernost zu finanzieren, hatte die einstige Kaufhof-Mutter Metro viele Gebäude an Fonds verkauft. Hohe Mietkosten haben aus einigen profitablen Häusern über Nacht unrentable gemacht. Sie wurden geschlossen, die berufliche Existenz Hunderter Menschen wurde zerstört. Auch bei Benkos Karstadt-Einstieg spielten Immobilien eine große Rolle. Nachdem der als Retter angetretene Nicolas Berggruen nicht an Benko verkaufen wollte, verleibte sich jener viele Gebäude ein, in denen Karstadt seine Waren verkauft. Heute gehören Benko viele Karstadt-Immobilien – auch die der Premium-Häuser KaDeWe (Berlin), Altershaus (Hamburg) und Oberpollinger (München), aber längst nicht alle. Jenes in Leipzig etwa, das über eine Luxemburger Firma einem Schweizer Fonds gehört, muss wegen einer 68-prozentigen Mieterhöhung wohl schließen. HBC hat sich die 2,9 Milliarden Euro, die sie Metro für Kaufhof zahlte, zurückgeholt, in dem sie die Immobilien verkaufte. Der neue Eigener, an dem HBC maßgeblich beteiligt ist, benötigte schließlich den 1,3 Milliarden-Kredit zum Kauf. Und dieser hätte die Fusionsgespräche beinahe gestoppt.
