Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Wird Bahnfahren noch einmal günstiger?

Kurz vor Jahresende verkündeten Bundesverkehrsminister Adreas Scheuer und Bahnchef Richard Lutz eine Preissenkung im DB-Fernverk
Kurz vor Jahresende verkündeten Bundesverkehrsminister Adreas Scheuer und Bahnchef Richard Lutz eine Preissenkung im DB-Fernverkehr ab Anfang Januar wegen der reduzierten Mehrwertsteuer. Im Regionalverkehr schlägt sich die Mehrwertsteuersenkung nun erst ab 14. Juni in sinkenden Preisen nieder.

Die Effekte der neuen Mehrwertsteuersenkung auf die Fahrpreise sind noch nicht genau abschätzbar. Aber im Regionalverkehr werden ab 14. Juni viele Fahrten günstiger.

Zum Jahresanfang sanken die Preise für Fernzug-Tickets dank einer Reduzierung der Mehrwertsteuer um rund 10 Prozent. Nun wird die Mehrwertsteuer erneut reduziert, allerdings nur vorübergehend. Inwieweit das an die Fahrgäste weitergegeben wird, ist noch nicht klar. Günstiger werden ab 14. Juni immerhin längere Fahrten in Regionalzügen. Kunden der Deutschen Bahn (DB) sollen von der geplanten vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer profitieren. „Wir prüfen mit Hochdruck, wie und in welcher Form wir die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergeben können“, sagte DB-Vorstandsmitglied Ronald Pofalla. Dies sei keine Frage des Ob, sondern des Wie. Details ließ er jedoch offen.

Allerdings ist die Situation nun ganz anders als beim Jahreswechsel. Damals wurde die Mehrwertsteuer für Fernfahrkarten von zuvor 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt – den Satz, der vorher auch schon im Nahverkehr galt. Anfang Januar gab die DB diese Steuerreduzierung im Fernverkehr voll an die Kunden weiter und senkte ihre Preise für Fernzug-Tickets um rund 10 Prozent, was sicher ein wesentlicher Grund für deutliche Fahrgastzuwächse in den Monaten Januar und Februar war, bevor die Corona-Krise ab März zu einem drastischen Einbruch der Fahrgastzahlen führte.

Mehrwertsteuer sinkt auf 5 Prozent

Nun geht es um eine auf ein halbes Jahr befristete Reduzierung der Mehrwertsteuer von 7 auf 5 Prozent. Eine spürbare Preissenkung auf breiter Front wird es deswegen wohl kaum geben. Eher vorstellbar sind besonders preisgünstige Sondertickets, mit denen gezielt freie Kapazitäten ausgelastet werden könnten.

Im Nahverkehr kann die DB ohnehin nicht allein über die Preise entscheiden. Maßgeblich sind hier entweder Verkehrsverbünde wie für die Pfalz der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) oder für Strecken außerhalb der Verkehrsverbünde der Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE). Im TBNE muss sich die DB mit ihren Konkurrenten wie Vlexx, Transdev und Abellio einigen,

Rheinland-Pfalz-Ticket kostet bald 1 Euro weniger

Bei Tickets für über 50 Kilometer lange Reisen in Regionalzügen, die ebenfalls von der Mehrwertsteuerreduzierung zum Jahresanfang betroffen sind, ergeben sich wegen der nötigen Verhandlungen Effekte erst zum Zwischenfahrplanwechsel am 14. Juni. Dann sinkt der Preis des Rheinland-Pfalz-Tickets von 25 auf 24 Euro, der Preis für die Mitfahrer von 6 auf 5 Euro. Eine einfache Fahrt mit dem Regional-Express von Speyer nach Mainz kostet dann statt bisher 22,50 Euro nur noch 20,50 Euro. Auf diesen Preis gibt es mit der Bahncard 25 und der Bahncard 50 noch 25 beziehungsweise 50 Prozent Rabatt.

Die DB-Konkurrenten, die nicht dem Bund gehören und deshalb weniger geneigt sind, Rücksicht auf dessen politische Interessen zu nehmen, dürften kaum bereit sein, in der aktuellen Situation ihre Fahrpreise zu senken, zumal die Corona-Krise in die Kassen der Unternehmen (sowohl der privaten als auch der öffentlichen) riesige Löcher gerissen hat.

130 Millionen Euro für Rheinland-Pfalz

Mit dem Konjunkturpaket stellt der Bund einmalig 2,5 Milliarden Euro für eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel bereit, die die Länder seit der Bahnreform von 1993/94 für die Finanzierung des regionalen Schienenverkehrs bekommen. Rund 130 Millionen Euro davon entfallen auf Rheinland-Pfalz. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beziffert die voraussichtlichen Einnahmeausfälle durch die Corona-Krise bis zum Jahresende auf rund 5 Milliarden Euro. Die Länder müssten nun ihrerseits 2,5 Milliarden Euro bereitstellen, forderte der VDV.

Außerdem hat die Bundesregierung beschlossen, das Eigenkapital der DB um 5 Milliarden Euro aufzustocken, um die Effekte der Corona-Krise aufzufangen. Laut DB-Infrastrukturchef Ronald Pofalla will die DB trotz der Corona-Krise in diesem Jahr ihre Infrastrukturinvestitionen mit einem Volumen von rund 12,2 Milliarden Euro ungeschmälert durchziehen. Zu den größten Maßnahmen gehört die Generalsanierung der seit Ostern gesperrten Schnellfahrstrecke von Mannheim nach Stuttgart, die noch bis Ende Oktober läuft.

Kommentar: Schadensbegrenzung reicht nicht!

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Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

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