Verbraucher-Tipp Welchen CO2-Fußabdruck hinterlässt der Urlaub?

Eine ganze Menge aufs eigene CO2-Konto zahlen Urlauber bei Kreuzfahrten ein.
Eine ganze Menge aufs eigene CO2-Konto zahlen Urlauber bei Kreuzfahrten ein.

Dass Flüge und Kreuzfahrten nicht gut fürs Klima sind, ist vielen Urlaubern bewusst. Wie viel Treibhausgase verursacht man auf Reisen? Das lässt sich ausrechnen.

Der Klimawandel lässt viele Menschen anders aufs Reisen blicken. Und auch wenn der Effekt des CO2-Fußabdrucks, den der Urlaub verursacht, mit Blick auf globale Treibhausgasmengen und damit auf die Erderwärmung verschwindend gering erscheint: Es gibt ihn. Wer möchte, kann die Menge der auf der Reise ausgestoßenen Treibhausgase, die auf einen selbst entfällt, ausrechnen und kompensieren. So reist man womöglich mit besserem Gewissen.Kurz zur Einordnung: Im Schnitt sorgt jeder Deutsche pro Jahr für einen Treibhausgasausstoß von rund elf Tonnen CO2-Äquivalenten. Als Industrienation mit hohem Konsumniveau liegt die Bundesrepublik weit über dem Weltdurchschnitt. Klimaverträglich wäre laut Umweltbundesamt ein weltweiter Pro-Kopf-Ausstoß von weniger als einer Tonne. Es ist also ein weiter Weg. Klimafreundlicher Reisen kann eine Etappe davon sein.

In Deutschland lieber mit Bus und Bahn

So gilt gerade bei innerdeutschen Reisen: Lieber mit dem Zug oder Fernbus reisen, dann ist der CO2-Fußabdruck der Reise viel geringer als im Auto – zumindest wenn man alleine fährt – oder im Flieger. Ein Beispiel? Wer von Hamburg nach München und zurück mit Reisebus oder Bahn fährt, spart im Vergleich zum Flug oder zur Autofahrt (allein) mindestens 239 Kilogramm CO2-Äquivalente ein, heißt es bei der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online.

Längere Strecken sind ohne Fliegen indes kaum machbar. Hier setzt etwa das Portal „gruener-fliegen.de“ an: Es zeigt auf Basis von mehr als zwei Dutzend Kriterien die vergleichsweise „umweltfreundlichsten“ Flüge für die gesuchte Verbindung an. Dabei geht es um Faktoren wie Auslastung und Modernität der Flotte. Das Portal stellt aber klar: Jeder Flug sei umweltschädlich, auch die dort aufgelisteten.

Eine ganze Menge aufs eigene CO2-Konto zahlen Urlauber bei Kreuzfahrten ein. Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes gibt für zehn Tage Seekreuzfahrt pauschal gut eine Tonne an, also etwa ein Zehntel des jährlichen Pro-Kopf-Durchschnittsausstoßes in Deutschland. Eine mögliche Anreise per Flugzeug ist dabei noch nicht eingerechnet.

Im Detail hängt die Bilanz bei Kreuzfahrten natürlich auch von Faktoren wie der Größe des Schiffes und der Antriebstechnologie ab. Flüssigerdgas (LNG) ist etwas CO2-emissionsärmer als Marinediesel, und Feinstaub sowie Schwefeloxide stoßen LNG-Schiffe so gut wie gar nicht aus. Klimafreundlich sind LNG-Schiffe durch ihren ebenfalls hohen CO2-Ausstoß allerdings keinesfalls.

Die Auswahl an CO2-Rechnern ist groß

Wer für seine Reise den CO2-Fußabdruck berechnen will, kann den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes nutzen. Hier gewinnt man unter anderem für Flug- und Schiffsreisen einen groben Eindruck über den CO2-Fußabdruck der Reise.

Mit einer Vergleichstabelle der Behörde, die für Auto, Bus, Bahn und Inlandsflug Durchschnittswerte für emittierte Treibhausgase in Gramm pro Personenkilometer angibt, lässt sich der Fußabdruck für eine Reisestrecke auch händisch ausrechnen.

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) bietet online ebenso einen intuitiv bedienbaren CO2-Äquivalenten-Rechner an. Der zeigt neben dem CO2-Fußabdruck auch Routenvorschläge an. Eigene CO2-Rechner gibt es darüber hinaus etwa bei Kompensationsanbietern wie Atmosfair, Klima-Kollekte oder Myclimate. Ihr Geschäftsmodell: Man zahlt einen freiwilligen Ausgleich für das durch die Reise produzierte Treibhausgas. Mit dem Geld werden dann Klimaschutzmaßnahmen finanziert.

Was die Kosten der Kompensation sind

Bei Flügen von Berlin nach London und zurück ist der Betrag noch überschaubar, wenn man den Angaben der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online folgt: Mit 13 Euro sind die dabei im Schnitt verursachten 526 Kilogramm CO2 bereits kompensiert. Je weiter weg es geht, desto höher sind die Kosten: Flüge von Frankfurt über Los Angeles nach Wellington in Neuseeland hin und zurück verursachen demnach 13.396 Kilogramm CO2 pro Person – wer das vollständig kompensieren möchte, müsste 309 Euro Kompensation zahlen.

Bewussterer Umgang mit Reisen

Dass die Klimabilanz eines Urlaubs wichtiger wird, hat die Reisewirtschaft erkannt. Bei Kunden sei eine Tendenz hin zu einem bewussteren Umgang mit dem „Produkt Reise“ erkennbar, der sich in den kommenden Jahren verstärken dürfte, hieß es in einem Papier des Deutschen Reiseverbandes (DRV) vom Herbst 2021.

Was für Auswirkungen hat eine Reise auf die Umwelt? Unter anderem werden sich Urlauber diese Frage immer häufiger stellen. Im Zweifel buchen sie nach Einschätzung des DRV anders, in reduziertem Umfang - oder gar nicht mehr. Eine Maßnahme zum Gegensteuern soll Transparenz sein. So soll schon bei der Buchung über den CO2-Fußabdruck für Anreise und Unterbringung informiert werden.

Standards für Kompensationsprojekte

Regenwaldschutz und Biogasanlagenbau: Diese zwei Beispiele zeigen, dass die Art der Kompensation sehr vielfältig sein kann. Im Detail abschätzen, wie nachhaltig und zielführend die Ausgleichsprojekte sind, können Reisende kaum. Ein erstes gutes Zeichen ist zumindest schon mal, wenn die Klimaschutzprojekte bestimmten Qualitätsstandards entsprechen: Das Umweltbundesamt nennt unter anderem den Clean Development Mechanism (CDM), den Verified Carbon Standard (VCS) und den The Gold Standard. Sie stellen demnach sicher, dass die Treibhausemissionen tatsächlich in der angestrebten Höhe ausgeglichen werden.

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