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Weingut Eugen Wambsganss: Leichte Weine treffen Raritäten
Die Gans, die sich die Eltern, Klaus und Iris Estelmann, bereits 1991 haben schützen lassen, hebt auf jedem Flaschenetikett stolz ihren Kopf. In der Kirchhohl, im alten Nußdorfer Ortskern, fast ein wenig versteckt gelegen, begrüßt auch das Federvieh, modern als Skulptur gestaltet, die Gäste im Innenhof des Weingutes. Von hier aus werden rund 16 Hektar Rebfläche, ausschließlich in und um Nußdorf, beackert. Zwei weitere Hektar werden in Kürze noch dazu kommen, erklärt Christian Estelmann.
„Doch dann reicht’s“, gesteht der 39-Jährige. Er ist Geisenheim-Absolvent. Geprägt hat ihn darüber hinaus seine praktische Ausbildung in pfälzischen Top-Betrieben wie Bürklin-Wolf in Wachenheim oder Knipser in Laumersheim.
Vier Fünftel Weißwein
Fast 80 Prozent der Wambsganss-Weine sind weiß, wobei die Burgunderrebsorten und natürlich der Riesling mit gut 30 Prozent den größten Anteil haben. „Konventionell“ beschreibt Estelmann seine Arbeitsweise. Nur sehr schonend spritzt er die Rebstöcke, die in einem besonders schweren Boden stecken.
So intensiv er sich mit den Klimaveränderungen befasst: „Noch nie habe ich einen meiner Rebstöcke wässern müssen“, unterstreicht er optimistisch. Die Lese, von Hand akribisch vorbereitet, übernehmen seit dem vergangenen Jahr ausschließlich Maschinen. Auch im Weingut Eugen Wambsganss spielt der Zeitfaktor, der rasche Zugriff im Herbst eine immer wichtigere Rolle.
Für Christian Estelmann, stolzer Papa einer kleinen Tochter, ist Wein vor allem eine Sache des Gefühls, auch des Gespürs. Zu gut weiß der Weinmacher, dass vor allem der Weinberg, die Natur eben, den Trauben jene Qualität mitgibt, die sie im Keller zu einem wohlschmeckenden Wein heranreifen lassen.
Geliebter Chablis
Bei der Beschreibung seiner Weine sucht er gerne die Nähe zu Frankreich, schwärmt vom Chablis der Nachbarn und weiß auch, dass er sich nach wie vor auf den Riesling und den Burgunder konzentrieren wird. Freilich weiß er auch seine Merlot-Trauben exzellent für seine Rotweine einzusetzen, die in der Regel im Barriquefass die gewünschte Qualität erreichen. Bei seinen roten Cuvées ist das Holz zur Abrundung nicht wegzudenken. Die Klassifikation nach Guts-, Orts- und Lagenweinen wird in der Weinliste von einer stolzen Palette gereifter Weine ergänzt, Raritäten, die vom Cabernet Sauvignon des Jahrgangs 2004 bis zur edelsüßen Riesling Beerenauslese anno 2003 reichen.
Beim Vergären muss er nicht kühlen, das besorgt schon das dicke Mauerwerk in seinem Weinkeller. Dort entstehen mit Vorliebe leichte, alkoholreduzierte, kraftvolle, elegante und dabei doch sehr süffige Weine. Sie empfiehlt Estelmann besonders gerne als Begleiter zu ausgesuchten Menüs. Da kommen dann auch seine Sekte ins Spiel, die in der gehobenen Gastronomie besonders gefragt sind.
50.000 Flaschen pro Jahr
Bei einem durchschnittlichen Hektarertrag zwischen 7000 und 8000 Liter erwirtschaftet der Familienbetrieb einen Jahresumsatz von etwa 350.000 Euro. Mit Einbußen rechnet er selbst in diesem Jahr 2020 nicht. Haben ihn doch die vielen Privatkunden, die in der Regel schon rund 70 Prozent seiner Jahresproduktion ordern, über die erste Welle der Corona-Pandemie gerettet. Rund 50.000 Flaschen Wein und Sekt vermarktet er pro Jahr, den Rest seiner Trauben liefert er an Partnerbetriebe.