Verbraucher Was man über Corona-Selbsttests wissen muss

Nach dem Abstrich muss der Tupfer im Röhrchen gedreht und gedrückt werden, damit sich die Probe aus der Nase mit der Lösung verm
Nach dem Abstrich muss der Tupfer im Röhrchen gedreht und gedrückt werden, damit sich die Probe aus der Nase mit der Lösung vermischt.

Ab diesem Samstag sind sie bei Aldi und ab kommender Woche in Drogeriemarktketten und bald auch in Apotheken erhältlich: Corona-Selbsttests. Auf ihnen ruhen große Hoffnungen. Die Verantwortung nehmen sie ihren Nutzern aber nicht ab – sie sind kein Freibrief für Fahrlässigkeit.

Die dünne Stoffspitze des Tupfers reibt in der Nase. Es brennt, es kitzelt – schließlich tränen die Augen ein wenig. Fünfmal soll der Tupfer in jedem Nasenloch gedreht werden.

Danach steckt man ihn in ein Plastikröhrchen, in das man vor dem Abstrich schon eine Lösung hineingeträufelt hat. Ein paar Mal den Tupfer darin kreisen, eine Minute einwirken lassen, die Stoffspitze ausdrücken und schließlich vier Tröpfchen aus dem Röhrchen auf die Testkassette träufeln. Diese ganze Prozedur – vom Auspacken des Materials bis zum Aufträufeln – dauert keine fünf Minuten.

Nun heißt es warten, und zwar genau eine Viertelstunde lang. Man soll sich einen Timer stellen, weil das Ergebnis genau dann abgelesen werden sollte. Als der Timer piept, ist beim Blick auf die Testkassette ein Strich zu sehen. Das heißt: negativ. Laut dem selbst durchgeführten Laien-Schnelltest ist diese Testperson also nicht mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert.

Hoffnung auf Normalität

Schnelltests für Laien wecken in der Corona-Pandemie die Hoffnung auf etwas mehr Normalität. Vor dem Besuch bei einer Freundin oder beim Friseur rasch noch prüfen, ob man nicht doch positiv und infektiös ist – und dann mit beruhigtem Gefühl aufbrechen, das ist nun möglich.

Mit Stand von Freitag hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) inzwischen sieben Selbsttests die notwendige Sonderzulassung erteilt. Voraussetzung dafür war vor allem, dass auch Menschen ohne medizinische Fachkenntnisse den Test korrekt anwenden können. Dabei spielt die Gebrauchsanweisung eine große Rolle.

Nicht angenehm, aber machbar

Wie bei dem von Siemens Healthineers vertriebenen Test, der hier beschrieben wird, muss man auch bei anderen zugelassenen Tests einen Abstrich im vorderen Nasenbereich nehmen.

Das ist nicht für jeden sonderlich angenehm – wenngleich es sich bei weitem nicht so unangenehm anfühlen dürfte wie der Rachen- oder Nasen-Rachen-Abstrich beim PCR-Test. Möglicherweise könnten in absehbarer Zeit auch noch Gurgel- und Spucktests kommen. Auch solche Varianten werden aktuell erprobt und bewertet.

Der Nasenabstrich in Eigenregie klappte nach Ansicht von Testpersonen jedenfalls ganz gut, die Anleitung in 16 Einzelschritten wurde als verständlich empfunden.

Experten wie die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sehen bei der Handhabung durch Laien wenig Probleme: Sie glaube, einen Abstrich aus der vorderen Nase bekomme jeder hin – wenn er wisse, wie er das machen solle, sagte Ciesek im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“.

Der Anwender als entscheidender Faktor

Aber da sind auch mahnende Stimmen. So warnt der Freiburger Medizinstatistiker Gerd Antes: Nicht nur die Tests seien verschieden, sondern auch die Selbsttester agierten sehr unterschiedlich.

Der entscheidende Faktor ist am Ende wie so oft der Mensch. Er muss den Antigen-Schnelltest nicht nur korrekt verwenden, sondern mit dem Ergebnis auch verantwortungsvoll umgehen.

Ein negatives Ergebnis ist kein Freibrief für lange Umarmungen und abstandsloses Zusammensein – man sollte auch dann weiter auf Hygieneregeln achten. Denn die Schnelltests sind nicht zu 100 Prozent verlässlich. Sie schlagen am besten bei einer hohen Virenlast an. Das heißt: Menschen, die stark ansteckend sind, erkennen sie recht zuverlässig. Doch Infizierte mit geringer Virenlast – etwa zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung – entdecken die Schnelltests womöglich nicht.

Das Robert Koch-Institut warnte auch deshalb vor einer Überschätzung von Selbsttests in der Pandemie-Bekämpfung. Sie seien „keine Wunderwaffe“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Die Erwartung, dass man sich für bestimmte Situationen „freitesten“ könne, sei nicht hundertprozentig zu erfüllen. Ein negatives Ergebnis sei eine Momentaufnahme und schließe eine Infektion nicht aus.

Bei einem positiven Selbsttest-Ergebnis wiederum sollte man sich sofort isolieren und zusehen, dass man schnell das Gesundheitsamt oder seinen Hausarzt kontaktiert, um das Testergebnis mit einem PCR-Test, der weiterhin als „Goldstandard“ gilt, zu bestätigen. Denn ein positives Ergebnis kann mit einer geringen Wahrscheinlichkeit auch falsch sein: Das heißt, der Test zeigt fälschlich an, man sei infiziert, obwohl man es tatsächlich gar nicht ist. Dann hilft nur die Überprüfung mit dem sehr viel genaueren PCR-Test.

Wann die Selbsttests kommen

Die Schnelltests für Laien kommen – nur wann gibt es sie im Handel? Das ist bislang nur teilweise klar. Beim Verband der Diagnostica-Industrie geht man davon aus, dass ab kommender Woche Selbsttests in größerem Umfang für den Endverbraucher verfügbar sein werden. Aldi Süd und Aldi Nord hatten in dieser Woche angekündigt, Selbsttests seien ab diesem Samstag an den Kassen der beiden Discounter zu haben. Eine Packung mit fünf Tests koste knapp 25 Euro. Die Drogeriemarktketten dm und Rossmann hatte in dieser Woche gemeldet, ab Dienstag, 9. März, einen Sars-CoV-2-Selbsttest in ihren Filialen zu verkaufen. Weitere Anbieter habe angekündigt, ihre Selbsttests würden bald über Apotheken verkauft.

Wachsendes Angebot

Bei den bislang sieben zugelassenen Selbsttests wird es nicht bleiben. Laut BfArM liegen aktuell rund 50 weitere Anträge auf Sonderzulassungen vor. Wann die nächsten Zulassungen erteilt werden, sei jedoch nicht genau zu sagen – das hänge unter anderem von der Qualität der eingereichten Unterlagen ab, teilt eine Sprecherin mit.

Der Verband der Diagnostica-Industrie rechnet zudem damit, dass in den nächsten Tagen und Wochen weitere Laientests von Prüfstellen wie den Technischen Überwachungsvereinen (Tüv) zertifiziert werden. Das Angebot wird also wachsen, und damit auch die Verfügbarkeit.