Wirtschaft Was ist der Ottomotor?
Das Hin und Her eines Kolbens in eine Drehbewegung umzusetzen – das war schon mit der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert gelungen. Der Engländer Thomas Newcomen hatte sie erfunden, aber dem viel bekannteren Schotten James Watt verdanken wir ihre Entwicklung zu vielfältigen praktischen Einsätzen. Diese Maschine hatte einen großen Nachteil: Um einsatzfähig zu sein, musste Wasser zum Kochen gebracht, mithin zunächst ein Feuer entzündet werden. Einfach einsteigen, die Dampfmaschine anwerfen und losfahren – das ging nicht ohne vorheriges Anheizen. Diese Schwäche überwand der Verbrennungsmotor, indem nicht der sich ausdehnende heiße Dampf, sondern eine Explosion eines Kraftstoff-Luft-Gemischs im Zylinder den Kolben in Bewegung versetzte. Dies gelang als erstem dem gelernten Kaufmann Nikolaus Otto, der am 10. Juni 1832, somit vor 185 Jahren geboren wurde. Sein Viertaktmotor arbeitete und tut es bis heute in den Phasen Einlass, Verdichtung, Explosion, Auslass. Mit dem Takt der Explosion wird der Kolben im Zylinder kräftig bewegt und setzt diesen Druck über die Pleuelstange auf die Kurbelwelle in eine rotierende Bewegung um. Der Motor braucht mindestens zwei Ventile, über die Frischgas angesaugt wird und Abgas entweicht. Heutige Ottomotoren haben einen Wirkungsgrad von über 40 Prozent – die frühen Dampfmaschinen nutzten die Energie der verbrannten Kohle nur zu 0,5 Prozent aus. Die erste Konstruktion von Otto war ein Gasmotor, präsentiert vor 150 Jahren auf der Weltausstellung in Paris 1867 und dort mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Der heute übliche Name Ottomotor wurde allerdings erst 1936 vom Verband Deutscher Ingenieure (VDI) vorgeschlagen. Er gilt seit 1945 für alle Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung. Der Kölner Unternehmer Eugen Langen, Schöpfer der Wuppertaler Schwebebahn, hatte aufgrund seines technischen Wissens die Möglichkeiten von Ottos Erfindung erkannt und mit ihm 1864 die Firma N.A. Otto & Cie gegründet, die erste Motorenfabrik der Welt, sowie nach deren Konkurs die Gasmotorenfabrik Deutz. Sie ging später in die Firma Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) auf, die heutige Deutz AG. Otto, ein Autodidakt, der kein Studium absolviert hatte, tüftelte weiter, und zwar an einer elektrischen Zündung. Damit konnte sein Motor ab 1884 nicht mehr nur mit Gas, sondern auch mit flüssigen Kraftstoffen betrieben werden – Grundlage für die Automobile von Benz und Daimler. In Konkurrenz steht der Ottomotor als Antrieb für Pkw seit den 1930er-Jahren mit dem Dieselmotor – eine Erfindung von Rudolf Diesel im ausgehenden 19. Jahrhundert. Es ist ein sogenannter Selbstzünder, der durch höheren Brennwert des Dieselkraftstoffs und einen Wirkungsgrad bis zu 45 Prozent sparsamer als der Benzinmotor arbeitet. Seine Abgasprobleme halten Fachleute dank Rußfilter und Zusatz von Harnstoff, der die Stickoxide in Wasser und Stickstoff umwandelt, heutzutage für gelöst. Beim lange Zeit im Vergleich zum Diesel als sauberer angesehenen Ottomotor wird man den Feinstaubfolgen der modernen Direkteinspritzung mit Filtern beizukommen versuchen. Der Namensgeber war indes nicht unumstritten, denn es stellte sich heraus, dass vor ihm schon der Deutsche Christian Reithmann und der Franzose Alphonse Beau de Rochas Patente auf das Prinzip des Viertaktmotors angemeldet hatten. Otto verlor das Gerichtsverfahren gegen Reithmann – die Gasmotorenfabrik Deutz bot dem Prozesssieger stillschweigend 25.000 Goldmark und eine Rente auf Lebenszeit an. Der unterschrieb im Gegenzug eine Erklärung, dass sich Otto weiterhin als Erfinder des Viertaktmotors bezeichnen dürfe. Diese Abmachung blieb geheim und kam erst 1948 ans Tageslicht. Hätte Reithmann nicht unterschrieben, wären wir heutzutage mit Reithmann-Motoren unterwegs.