Energie RHEINPFALZ Plus Artikel Was Heizungskäufer bedenken müssen

Um Heizkosten zu sparen, kann man die Raumtemperatur absenken. Wichtiger aber ist langfristig, wie die Wärme erzeugt wird.
Um Heizkosten zu sparen, kann man die Raumtemperatur absenken. Wichtiger aber ist langfristig, wie die Wärme erzeugt wird.

So mancher Hausbesitzer kauft sich noch schnell einen Gas- oder Ölkessel, bevor das vielleicht nicht mehr erlaubt ist. Doch das könnte sich als kapitaler Fehler erweisen.

Bevor Unternehmen Investitionen tätigen, rechnen sie erst einmal. Stimmen Aufwand und Ertrag über einen bestimmten Zeitraum? Gibt es Risiken? Wie entwickelt sich vermutlich der Markt? Wie sieht es mit den laufenden Kosten aus, die über die Jahre zu den einmaligen Anschaffungskosten hinzukommen?

Privathaushalte haben es da naturgemäß schwerer. Langfristige Betrachtungen spielen daher weniger eine Rolle. Ein bekanntes Beispiel ist der Kühlschrank-Kauf: Gerade Menschen mit weniger Geld entscheiden sich oft für ein billiges Gerät mit einer schlechteren Energieeffizienzklasse. Weil der Kühlschrank aber 365 Tage im Jahr rund um die Uhr läuft, kommt der in der Anschaffung teurere A-Klassen-Kühlschrank wegen des niedrigen Stromverbrauchs unterm Strich günstiger als der beim Kauf billigere Kühlschrank mit Effizienzklasse E.

Gas vergleichsweise billig

Bei der Heizung, so zeichnet sich ab, läuft das ähnlich. Treiber der Entwicklung sind zwei Faktoren: der Klimaschutz und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Letzterer hat zur Folge, dass sich die Europäer von russischen Erdgas- und Öllieferungen lösen. Dabei wird fast jede zweite Wohnung in Deutschland mit Gas geheizt. Dieser Brennstoff war eben über Jahrzehnte vergleichsweise billig. Damit jedoch ist es seit Frühjahr 2022 vorbei.

Dass der Gaspreis, nach einem Rekordhoch im Sommer und im Herbst 2022, wieder auf einem erträglicheren Niveau liegt, hat drei Gründe. Erstens: Der Preis wird durch den deutschen Staat subventioniert. Zweitens: Röhren-Erdgas wird ersetzt durch verflüssigtes Erdgas (LNG). Drittens: Dieses LNG war unerwartet schnell verfügbar, weil die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, China, einen wirtschaftlichen Einbruch hinnehmen musste (Corona-Lockdown). Bei diesen drei Faktoren wird sich allerdings in naher Zukunft einiges ändern. Resultat: Die Tendenz beim Gaspreis zeigt nach oben.

Ins Stammbuch geschrieben

Zusätzlich kommt der Klimaschutz mit ins Spiel, der jetzt in der Europäischen Union sehr viel ernsthafter angegangen wird als bislang. In Deutschland sorgt dafür zusätzlich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom April 2021: Die Karlsruher Richter schrieben den bisherigen Regierungen ins Stammbuch, zu wenig für den Schutz der jüngeren Generationen unternommen zu haben.

Sowohl in Deutschland als künftig auch in der Europäischen Union setzt die Politik zur Eindämmung der Treibhausgase verstärkt auf das marktwirtschaftliche Instrument des Handels mit Verschmutzungsrechten. Erst vor wenigen Tagen wurde in Brüssel abschließend beschlossen – auch mit den Stimmen von Unionspolitikern und Liberalen im EU-Parlament –, dass der private Gebäudebereich in den Handel mit Verschmutzungsrechten mit einbezogen werden soll.

Verschmelzung geplant

Für ein wenig Verwirrung sorgt der Umstand, dass Deutschland beim Emissionshandel im Gebäude- und Verkehrsbereich nun sozusagen zweigleisig unterwegs ist. Einmal national – dies bereits seit 2021. Und dann eben auf der europäischen Ebene. Geplant ist indes, 2027 den bestehenden deutschen Emissionshandel im Gebäude- und Verkehrsbereich mit dem europäischen Handelssystem zu „verschmelzen“.

Das Abgabesystem auf Kohlendioxid (CO2) in Deutschland funktioniert so: Zahlen muss die Abgabe je Tonne CO2 nicht der einzelne Bürger. Vielmehr müssen die Verantwortlichen für CO2-haltige Brennstoffe die Abgabe entrichten. Dies sind beispielsweise Gaslieferanten. Sie müssen für den Verkauf ihrer Produkte Verschmutzungszertifikate erwerben. Sie zahlen so für die CO2-Emissionen, die durch das spätere Verbrennen der fossilen Brennstoffe bei den Endverbrauchern entstehen. Natürlich geben die Lieferanten von Gas, Kohle oder Öl diese Kosten an ihre Kunden weiter.

Keine fixen Beträge

Im Jahr 2021 waren so in Deutschland für eine Tonne des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid 25 Euro fällig. Gesetzlich festgelegt ist: Diese Abgabe soll schrittweise jedes Jahr steigen, bis sie 2025 einen Wert von 55 Euro pro Tonne CO2 erreicht hat.

Kommt es – wie von der Politik geplant – zur Verschmelzung des nationalen deutschen Handels und des EU-Handels mit Verschmutzungsrechten im Gebäudebereich, ist völlig offen, wie sich der CO2-Preis entwickelt. Denn anders als beim deutschen Modell sind in der EU keine fixen Beträge pro Jahr geplant. Der CO2-Preis bildet sich vielmehr aus Angebot und Nachfrage bei den Verschmutzungszertifikaten – wobei die Gesamtzahl der zur Verfügung stehenden Zertifikate kontinuierlich sinken soll.

Wie in der Energiekrise

Es gibt daher Experten, die CO2-Tonnenpreise in Höhe von 200 bis 300 Euro um das Jahr 2030 herum für denkbar halten. Der Anstieg der Preise bei fossilen Energieträgern würde dann dem Preisanstieg während der Energiekrise 2022 ähneln. Um soziale Verwerfungen zu vermeiden, wird indes erwartet, dass die Politik Förder- und Ausgleichsprogramme für bestimmte Zielgruppen aufsetzt. Klar ist aber auch, dass hohe CO2-Preise Anreize für Privathaushalte sein sollen, in andere Energiequellen als in fossile Brennstoffe zu investieren.

Für Wohnungsbesitzer lohnt es sich daher, wie beim Kühlschrank-Kauf mit spitzem Bleistift durchzurechnen, ob es am Ende nicht billiger kommt, in eine anfänglich teuer erscheinende Heiztechnik (und ins Dämmen) zu investieren, anstatt jetzt schnell noch einen Gas- oder Ölkessel einzubauen. Sicher ist: Selbst wenn der in den Umfragen bei den Beliebtheitswerten regelrecht abgestürzte Grünen-Politiker Robert Habeck einmal nicht mehr Klima- und Wirtschaftsminister sein sollte, wird es kein Zurück zu den guten alten Preisen bei fossilen Energieträgern wie Erdgas geben.

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