Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Was die BASF zu KI-Bewerbungen sagt

Beim Bewerbungsprozess lassen sich Firmen und Bewerber stärker von KI unterstützen.
Beim Bewerbungsprozess lassen sich Firmen und Bewerber stärker von KI unterstützen.

Immer mehr Bewerber und Unternehmen verwenden im Bewerbungsprozess künstliche Intelligenz. Doch was bedeutet das für die Jobsuche?

Bewerbungen schreiben – für viele ein mühsamer Prozess, der Zeit und Feinschliff erfordert. Gerade Menschen, die sich mit dem Schreiben etwas schwerer tun, verzweifeln oft an dieser Aufgabe. Schließlich soll der erste Eindruck beim potenziell neuen Arbeitgeber ja perfekt sein. Mit dem Einzug der künstlichen Intelligenz (KI) in das alltägliche Leben hat sich hier für viele ein neuer Helfer gefunden. Denn die Programme können mittlerweile sehr viel und dazu gehört auch das Verfassen oder Anpassen von Texten. Daher bietet sich nun für viele die Möglichkeit, sich entweder beim Verfassen helfen zu lassen, oder die KI gar ganz mit dem Schreiben zu beauftragen. Aber wird diese Möglichkeit auch genutzt?

Laut Inga Dransfeld-Haase, Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager, kann genau das erkennen: „Ja, wir stellen tatsächlich fest, dass immer mehr Bewerber auf KI-gestützte Tools zurückgreifen“, sagt sie auf Anfrage der RHEINPFALZ. Besonders häufig werde KI genutzt, um Anschreiben zu formulieren oder Lebensläufe sprachlich zu verbessern.

Doch künstlich erstellte Texte hätten oft bestimmte Auffälligkeiten: „KI-generierte Texte weisen oft eine sehr allgemeine Sprache auf, die wenig persönliche Nuancen enthält“, erklärt Dransfeld-Haase. Auch fehlerfreie, aber wenig individuelle Formulierungen oder die übermäßige Nutzung von Fachbegriffen könnten darauf hinweisen, dass ein Text nicht vom Bewerber selbst stammt.

Qualität schwankt stark

Die Qualität solcher Bewerbungen schwanke daher stark. Während manche KI-generierten Texte professionell wirken, seien andere wenig an das jeweilige Unternehmen angepasst. „Beim Einsatz von KI kommt es vor allem auf die Eingaben beziehungsweise Prompts der Nutzer an, die maßgeblich über die Qualität des ausgegebenen Textes entscheiden“, so Dransfeld-Haase. Eine Mischung aus eigenem Schreiben und KI-Unterstützung könne hier zu besseren Ergebnissen führen.

Während mehr und mehr Bewerber KI für sich nutzen, setzen auch Unternehmen auf die Technologie. Der Chemiekonzern BASF etwa verwendet seit Oktober 2023 KI, um Bewerbungen auszuwerten. Die Technologie analysiert Dokumente und stellt deren Inhalte standardisiert dar. Eine Überprüfung darauf, ob Texte von einer KI erstellt wurden, erfolgt jedoch nicht. „Grundsätzlich stehen wir der Verwendung von KI positiv gegenüber“, teilt die BASF auf Anfrage mit.

Auch andere große Konzerne beobachten die Entwicklung aufmerksam. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter 16 der 40 DAX-Unternehmen zeigt, dass viele Firmen KI-gestützte Bewerbungen akzeptieren. Sie betonen jedoch, dass Bewerbungen weiterhin ein authentisches Bild der Kandidaten vermitteln sollten.

Telekom macht keinen Unterschied

So erklärt der Energieversorger Eon, dass es grundsätzlich in Ordnung sei, KI zur Unterstützung zu nutzen. Entscheidend sei jedoch, dass Bewerber sich persönlich einbringen und nicht nur auf automatisierte Formulierungen setzen. Die Deutsche Telekom wiederum macht keinen Unterschied, ob eine Bewerbung mit oder ohne KI erstellt wurde – für sie zählen vor allem die Qualifikationen und die Motivation der Bewerber.

Dennoch ist die Haltung der Unternehmen uneinheitlich. Manche sehen in KI eine Gefahr, weil sie die tatsächlichen Fähigkeiten eines Bewerbers verschleiern könnte. Andere halten sie für ein sinnvolles Hilfsmittel, das den Zugang zu Jobs erleichtert. „Der Umgang mit KI ist für sich eine Fähigkeit, die zeigt, dass sich Bewerber mit der Technologie auseinandersetzen und auch wissen, diese einzusetzen“, so Dransfeld-Haase. Allerdings möchte gerade das amerikanische IT-Startup „Anthropic“ keinerlei KI in seinen Bewerbungen haben und lässt dies auch durch die Bewerber bestätigen. Das sorgte für eine Diskussion im Netz, denn Anthropic ist ein großer Anbieter von KI-Tools.

Ein Argument für den Einsatz von KI: Sie könnte Bewerbern mit Schreibschwächen oder nicht muttersprachlichem Hintergrund helfen. Dransfeld-Haase hält das für möglich: „Durchaus kann der Einsatz von KI-Tools Menschen mit weniger Schreiberfahrung größere Chancen eröffnen.“ KI könne sprachliche Hürden abbauen und Qualifikationen klarer herausstellen. Die BASF hält sich in dieser Frage bedeckt. „Ob das generell zutrifft, können wir nicht beantworten“, heißt es von dem Unternehmen.

Zeit sparen mit der KI

Gleichzeitig betont Dransfeld-Haase, dass Bewerbungen nicht allein nach sprachlicher Perfektion bewertet werden sollten. „Letztlich sollte die Beurteilung einer Bewerbung aber auf den fachlichen Qualifikationen und der Persönlichkeit beruhen, nicht nur auf der sprachlichen Qualität eines Anschreibens – wenn diese Fähigkeit nicht der Job erfordert.“

Ein großes Plus für die Hilfe der KI beim Versenden von Bewerbungen ist sicherlich die Zeitersparnis. Denn viele bewerben sich ja nicht nur bei einer Firma und wollen daher nicht bei jedem Unternehmen ein ganz eigenes Schreiben aufsetzen. Der US-Entwickler Julian Joseph verschickte laut dem Tech-Portal „Wired“ sogar 5000 Bewerbungen mit einem Klick – und sei zu 20 Gesprächen eingeladen worden. Auf dem klassischen Wege habe er es auch versucht. Das Ergebnis: Bei hunderten händischen Bewerbungen seien ebenfalls um die 20 Gesprächsangebote gefolgt.

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