Fragen und Antworten
Was der BASF das Milliarden-Werk in China bringt
Die Produktion läuft schon. Und am Donnerstag nun wird der weltweit siebte Verbundstandort des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF auch offiziell eröffnet: Von Zhanjiang in der Provinz Guangdong am Südchinesischen Meer aus soll der wichtige asiatische Markt mit Chemieprodukten beliefert werden. Die Investition für die Errichtung des 4 Quadratkilometer großen Standorts – das Ludwigshafener Werk ist 10 Quadratkilometer groß – beträgt 8,7 Milliarden Euro. An der Großinvestition gab es von Anfang an massive Kritik, intern und extern. Die Konzernspitze betont indes die ökonomische Bedeutung des weltweit größten Chemiemarktes für den gesamten BASF-Konzern.
Seit wann produziert die BASF in Zhanjiang?
Die BASF hat im November 2025 mit der Herstellung der ersten Produkte aus dem Verbund in Zhanjiang in Südchina begonnen – ein „wichtiger Meilenstein für das bislang größte Einzelinvestitionsprojekt des Unternehmens“. An einem Verbundstandort sind mehrere Fabriken und Produktionsanlagen eng miteinander vernetzt und damit besser und exakter steuerbar; Stichwort Effizienz.
Welche Produkte für welche Industriekunden sind in Zhanjiang schon hergestellt worden?
In Zhanjiang beschäftigt die BASF über 2000 Mitarbeiter und will ein breites Portfolio produzieren: Basischemikalien, Zwischenprodukte und Spezialchemikalien für Transport – etwa die Autoindustrie –, Konsumgüter, Elektronik, Haushaltsreiniger und Körperpflege. Diese Produkte sind laut BASF mehrheitlich für Kunden in China direkt bestimmt – gemäß „der globalen Local-for-local-Strategie“.
Wann ist die Entscheidung getroffen worden, den Verbundstandort Zhanjiang zu bauen?
Im Juli 2018 hat die BASF angekündigt, Zhanjiang unter alleiniger Verantwortung zu betreiben. 2019 hat die BASF mit dem Bau der ersten Anlagen begonnen. Die endgültige Investitionsentscheidung für die Hauptbauphase, die den Kern des Verbunds umfasst, etwa den Steamcracker, hat die BASF nach eigenen Angaben im Juli 2022 getroffen.
Auch in China sind die Gewinnmargen unter Druck, einiges rentiert sich verzögert. Es geht viel über Menge. Wie ist Stand der Dinge in Zhanjiang?
Die meisten Produktionslinien dort laufen, so die BASF, mit hoher Auslastung und werden auch schon 2026 eine „sehr hohe“ Auslastung haben.
Warum ist ein zweiter Verbundstandort in China neben dem 2005 in Nanjing eröffneten für die BASF so wichtig?
Die Region Asien-Pazifik ist, so die BASF, der wichtigste Wachstumsmotor für die chemische Industrie. Er gewinne weiter an Bedeutung. Bis 2035 werden China, Indien und die fünf ASEAN-Staaten Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand und Vietnam nach aktueller BASF-Einschätzung für rund 80 Prozent des weltweiten Chemiewachstums stehen, der überwiegende Teil davon in China. Mit Blick auf diese Entwicklung ist die BASF nach eigenen Angaben im „wachstumsstärksten und größten Zukunftsmarkt China noch immer unterrepräsentiert“.
2025 entfielen rund 14 Prozent des weltweiten BASF-Umsatzes auf China. China stehe bereits heute für rund 50 Prozent des globalen Umsatzes der Chemieindustrie. „Deshalb investieren wir“, betont die BASF.
2025 erzielte die BASF mit Kunden in China 8,2 Milliarden Euro Umsatz (insgesamt rund 60 Milliarden Euro) und beschäftigte in China 12.452 Menschen. Weltweit hat die BASF 108.000 Beschäftigte, 32.000 davon am Stammwerk in Ludwigshafen.
Seit wann beschäftigt sich die BASF mit China?
Das BASF-Engagement in China geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Schon ab 1885 vertrat der BASF zufolge das Handelsunternehmen Jebsen & Co. die Badische Anilin- und Sodafabrik in Hongkong und Südchina und übernahm den Verkauf von BASF-Produkten, insbesondere Textilfarben wie synthetischem Indigo. 1962 bekundete die BASF Interesse am Aufbau eigener Produktionsstätten in Greater China. Die erste Investition gab es 1969 in Taiwan mit der Beteiligung an Cheng Kuang Chemical Co. Ltd. Neben Nanjing und Zhanjiang ist die BASF in der Region Shanghai sehr präsent, etwa am Standort Caojing. Außerdem beispielsweise mit BASF Shanshan in den Provinzen Hunan und Ningxia.
Warum hat man genau den Standort Zhanjiang gewählt?
Zhanjiang liegt in der Provinz Guangdong, einer der dynamischsten Wachstumsregionen in China, und logistisch günstig direkt am Meer mit einem großen Hafen. Chinas Regierung hat der BASF das ermöglicht.
Wie „grün“ ist Zhanjiang?
Es sind dort nach BASF-Angaben genügend erneuerbare Energiequellen vorhanden, um den Strombedarf des Standorts vollständig damit zu decken. Langfristige Grünstrom-Lieferverträge sowie Investitionen in einen Offshore-Windpark und Solarenergie am Werk sind Teile einer nachhaltigen Stromversorgung. So könne die BASF, betont der Dax-Konzern, seine CO
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-Emissionen um bis zu 50 Prozent reduzieren gegenüber einem konventionellen petrochemischen Standort. Abfälle und Nebenprodukte würden, wo möglich, wiederverwendet.
Welche Auswirkungen hat der neue Verbundstandort auf den Heimatstandort Ludwigshafen?
Die Verbundstandorte, so die BASF, seien nicht miteinander vergleichbar. Sie seien nach den Kundenbedürfnissen und Gegebenheiten in unterschiedlichen Märkten ausgerichtet. Der Standort Ludwigshafen wurde 1865 gegründet, habe sich „gemäß den Erfordernissen der Märkte ständig weiterentwickelt“ und umfasst heute 10 Quadratkilometer mit rund 180 Anlagen für Basis- und Spezialchemikalien. Zudem ist Ludwigshafen der mit Abstand wichtigste Forschungs- und Entwicklungsstandort der BASF und Hauptsitz. Zhanjiang und seine Wertschöpfungsketten „richten sich nach den lokalen Bedürfnissen der Kunden vor Ort; er wurde von Beginn an als ein Vorbild für smarte und nachhaltige Chemieproduktion geplant und gebaut“.