Wirtschaft Warten auf den E-Truck-Zuschlag
«Wörth». Die Welle der Ausgliederung von Tätigkeiten im Daimler-Lkw-Werk im südpfälzischen Wörth läuft. Teile der Stammbelegschaft werden durch Leiharbeiter ersetzt. Aber der Daimler-Vorstand hat bisher noch nicht entschieden, dass Wörth das Kompetenzzentrum für Elektro-Lkw werden soll.
Derzeit liefen Gespräche mit der Werkleitung über Ausgliederungen und Perspektiven für die Leiharbeiter, sagte der Vorsitzende des Wörther Betriebsrats, Thomas Zwick. Die Anzahl der Mitarbeiter des weltgrößten Lkw-Montagewerks liegt stabil bei rund 11.000. Allerdings ist die Anzahl der Leiharbeiter seit dem Sommer von 500 auf gut 750 gestiegen. Das bedeutet, dass es einen Abbau bei der Stammbelegschaft gegeben hat. Für alle 500 Beschäftigten, die von der jüngsten Welle von Ausgliederungen betroffen waren – dabei ging es unter anderem um die Fertigung kleiner Blechteile – wurden nach früheren Angaben der Werkleitung neue Jobs am Standort gefunden. Laut Betriebsratschef Zwick plant die Unternehmensleitung jetzt weitere Fremdvergaben von Aufgaben in den Bereichen Kleinteilelager, Logistik, Kleinteilelackierung und Reifenmontage, die bisher von 850 Daimler-Beschäftigten erledigten werden. Durch die Umstrukturierungen soll auch Platz geschaffen werden für eine mögliche künftige Fertigung von E-Trucks in Wörth. Zudem läuft in Wörth wie an allen deutschen Mercedes-Benz-Lkw-Standorten das Programm Stream zur Kostensenkung und Umstrukturierung. Stream zielt unter anderem auf Stellenabbau in sogenannten indirekten Bereichen außerhalb der Produktion – also in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung. Damit will der Stuttgarter Daimler-Konzern ab 2018 rund 400 Millionen Euro Kosten im Jahr einsparen. In Wörth könnten davon 350 Arbeitsplätze betroffen sein. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Er setze sich in den Gesprächen mit der Werkleitung dafür ein, dass Leiharbeiter, die in Wörth beschäftigt seien, ein festes Anstellungsverhältnis erhielten und in die Stammbelegschaft übernommen würden, sagte Zwick. Die letzten derartigen Übernahmen lägen schon drei Jahre zurück. Das Werk Wörth blicke auf ein sehr gutes Jahr 2017 zurück, sagte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage. Vor allem in Europa und in Russland habe sich die Nachfrage nach Mercedes-Benz-Lkw gut entwickelt. Die Produktionskapazitäten in Wörth seien gut ausgelastet. Deshalb werde die anstehende Betriebspause über Weihnachten und Neujahr mit der Schließung vom 23. Dezember bis zum 7. Januar kurz ausfallen. In dem 1963 gegründeten Werk werden die Mercedes-Benz-Lkw-Modelle Antos, Arocs, Atego und das Flaggschiff, der Schwerlaster Actros montiert. Zudem werden dort die Spezial-Trucks Econic, Unimog und der hochgeländegängige Zetros gebaut. Bis zu 470 Fahrzeuge am Tag können in Wörth produziert werden. 2016 wurden am Südpfälzer Daimler-Standort 97.000 Lastwagen hergestellt. 2020 will Daimler den ersten Lkw der Marke Mercedes-Benz als serienmäßig gebautes Elektrofahrzeug, E-Truck, auf den Markt bringen. Gestartet wird mit Lastwagen für den innerstädtischen Verteilerverkehr mit einer Reichweite von bis zu 200 Kilometern. Das ist das Segment, das bisher das mittelschwere Atego-Modell mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 15 bis 21 Tonnen abdeckt. Die dabei eingesetzten Batterie-Module wiegen rund 2,5 Tonnen. In der vergangenen Woche hat Daimler die ersten vollelektrischen Leicht-Lkw aus Serienproduktion seiner japanischen Marke Fuso an Kunden in Europa – darunter auch die Deutsche Post – ausgeliefert. Der bis zu 7,49 Tonnen schwere Fuso eCanter ist ausgestattet mit sechs Lithium-Ionen-Batterien. Die 600 Kilogramm schweren Batterien ermöglichen Reichweiten von gut 100 Kilometern. Nach früheren Angaben kalkuliert Daimler mit einem vierstelligen Euro-Betrag als Aufpreis für den eCanter. Kommentar