Verbraucher-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Wann sich neue Elektrogeräte wirklich lohnen

Reparaturen lohnen sich nicht immer: Wer sein defektes Gerät Hunderte Kilometer weit verschicken muss, kann damit ökologisch wen
Reparaturen lohnen sich nicht immer: Wer sein defektes Gerät Hunderte Kilometer weit verschicken muss, kann damit ökologisch wenig gewinnen.

Kühlschrank alt, Stromrechnung hoch – doch lohnt sich der Austausch wirklich? Eine Studie des Öko-Instituts zeigt, wann sich der Ersatz alter Haushaltsgeräte rechnet.

Viele Elektrogeräte in deutschen Haushalten laufen noch immer zuverlässig, obwohl sie 10, 15 oder gar 20 Jahre alt sind. Doch lohnt es sich, sie gegen moderne, stromsparende Modelle auszutauschen? Die eher unbefriedigende Antwort: nicht immer, aber manchmal sehr.

Geschirrspüler

Das Öko-Institut hat im Auftrag des Umweltbundesamts mehr als 5000 verschiedene Gerätekombinationen analysiert. Betrachtet wurden dabei sechs Produktgruppen: Kühlschränke, Kühl-Gefrierkombinationen, Gefrierschränke, Geschirrspüler, Wäschetrockner und Staubsauger. Die Frage, ob ein Austausch ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist, hängt stark vom Einzelfall ab – von Alter, Verbrauch und der Nutzung des Geräts ebenso wie vom Strommix. Eine pauschale Faustregel gibt es nicht.

Einen Anhaltspunkt für den Stromverbrauch bietet das Energielabel der EU.
Einen Anhaltspunkt für den Stromverbrauch bietet das Energielabel der EU.

Alt ist nicht automatisch schlecht
Entgegen dem Bauchgefühl sind alte Geräte nicht per se Klimakiller. Entscheidend ist ihr tatsächlicher Energieverbrauch. Ein 15 Jahre alter, aber sparsamer Kühlschrank kann unter Umständen ökologisch besser abschneiden als ein neues Modell, dessen Herstellung zusätzliche sogenannte „graue Emissionen“ verursacht – diese entstehen etwa bei Rohstoffgewinnung, Produktion und Transport. Diese zusätzlichen Emissionen, die nicht durch den Gebrauch des Geräts entstehen, sind bei Kühl- und Gefriergeräten besonders hoch.

Kühlgeräte lohnen sich am ehesten
Am häufigsten empfiehlt sich laut der Studie der Austausch bei Kühl- und Gefriergeräten. Wer hier auf hocheffiziente Neugeräte umsteigt, kann die Emissionen bei der Herstellung in wenigen Jahren durch eingesparten Strom kompensieren. Das bestätigt auch Ruth Preywisch von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: "Neuere Kühlschränke verbrauchen meist weniger Strom als ältere Modelle." Allerdings könnte es sein, dass ein älterer Kühlschrank mit sehr guten Energiewerten weniger verbraucht als ein neuer mit schlechtern Energiewerten.

Kühlschränke

Bei Geschirrspülern oder Staubsaugern hängt die Bilanz stark vom individuellen Gebrauch ab. Wer selten spült oder saugt, spart mit einem neuen Gerät kaum Energie. Wer allerdings alte Geräte sehr häufig nutzt oder einen auffallend hohen Stromverbrauch misst, sollte einen Austausch in Betracht ziehen.

Was ist mit Waschmaschinen oder Herden?
Waschmaschinen, Elektroherde und Dunstabzugshauben wurden in der Studie nicht untersucht. Frühere Analysen und ökologische Bewertungen zeigen jedoch: Ihr Beitrag zu den gesamten Stromkosten und Umweltauswirkungen im Haushalt ist meist gering. Ein Austausch lohnt sich hier in der Regel nur, wenn das Altgerät besonders ineffizient ist oder ein hoher Komfortgewinn angestrebt wird.

Wie lange „lebt“ ein Gerät wirklich?
Die Lebensdauer von Haushaltsgeräten ist ein zentraler Faktor – und sie schwankt stark. Für die Studie wurden EU-Daten zu Ökodesign-Verordnungen herangezogen. Das sind gesetzliche Regelungen der Europäischen Union, die sicherstellen sollen, dass Produkte, die in Europa verkauft werden, für ihren gesamten Lebenszyklus umweltfreundlich, energieeffizient und ressourcenschonend sind. So liegt die angenommene mittlere Lebensdauer bei Geschirrspülern bei etwa 12,5 Jahren.

Gefrierschränke

Doch es gibt Ausreißer in beide Richtungen. „Es wird immer auch Geräte geben, die bereits in den ersten zwei Jahren einen Defekt aufweisen, genauso wie es Geräte gibt, die 15 Jahre oder länger ohne Defekt funktionieren“, sagt Hannah Lorösch vom Öko-Institut. Die tatsächliche Lebensdauer hänge stark von der Nutzungsintensität und der Pflege ab – etwa der richtigen Dosierung von Spülmitteln oder der richtigen Einstellung der Wasserhärte am Gerät.

Reparieren statt ersetzen?
Ein wichtiger Aspekt, der in der Studie allerdings nicht im Detail untersucht wurde, sei die Reparaturfähigkeit von Altgeräten – obwohl diese in der politischen Debatte an Bedeutung gewinne. Lorösch betont: „Damit ein Reparaturservice realistisch in Anspruch genommen wird, ist ein flächendeckendes Angebot Voraussetzung.“ Auch der ökologische Fußabdruck der Reparatur hänge wesentlich vom Transportaufwand ab. Wer sein defektes Gerät Hunderte Kilometer weit verschicken muss, kann mit einer Reparatur ökologisch wenig gewinnen – der Transportaufwand frisst dann oft den Nutzen auf.

Welche Nutzung rechnet sich?
Ein weiterer Faktor ist die Nutzung. Wer einen Trockner im Dauerbetrieb hat, kann durch einen Umstieg auf ein effizienteres Modell messbar CO 2 einsparen.

Kühl-Gefrierkombination

Wer dagegen nur selten trocknet oder saugt, erzielt mit einem Neugerät kaum ökologische Vorteile. Die Studie empfiehlt, mit einem Strommessgerät den tatsächlichen Verbrauch des Altgeräts zu prüfen – am besten im realen Betrieb über mehrere Tage. Erst dann lässt sich abschätzen, ob ein Austausch sinnvoll ist.

Strommix verändert die Bilanz
Ein Punkt, der laut Lorösch oft übersehen wird: Da der Strommix immer mehr Energie aus Erneuerbaren beinhaltet, habe der höhere Stromverbrauch von ineffizienten Geräten einen sinkenden Einfluss auf die gesamten Umweltauswirkungen. Dem stimmt auch Preywisch von der Verbraucherzentrale zu, schränkt allerdings ein: "Auch erneuerbare Energie ist nicht ohne die Nutzung von Ressourcen wie seltenen Erden oder Metallen verfügbar und ohne, dass der Energiebedarf insgesamt gesenkt wird, ist der Kampf gegen den Klimawandel nicht möglich."

Wäschetrockner

Komfort gegen Nachhaltigkeit
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden sich nicht aus Klimagründen für neue Geräte, sondern wegen des Komforts – etwa leiserem Betrieb, neuen Funktionen oder besserer Bedienbarkeit. Das ist durchaus legitim. „Komfort ist wichtig“, sagt auch Lorösch vom Öko-Institut, „aber Verbraucher sollten überlegen, ob der Austausch wirklich notwendig ist oder ob der Komfortgewinn den ökologischen Fußabdruck rechtfertigt.“

Staubsauger

Fazit
Wer Strom sparen und gleichzeitig das Klima schützen möchte, sollte Elektrogeräte nicht blind austauschen, sondern gezielt – vor allem bei Kühlgeräten, Wäschetrocknern und stark genutzten Spül- oder Sauggeräten. Und: Wer auf Nachhaltigkeit achtet, sollte auch das Thema Reparatur im Blick behalten – wenn dies vor Ort praktikabel ist.

Checkliste

  • Wie hoch ist der Stromverbrauch des aktuellen Geräts?
  • Wie oft wird das Gerät genutzt?
  • Welche Effizienzklasse hat das Altgerät?
  • Lässt sich das Gerät noch kostengünstig reparieren? Und gibt es in der Nähe einen Reparaturservice?
  • Wie hoch wären die Anschaffungskosten eines neuen, effizienten Geräts?
  • Wie schnell würde sich der Neukauf durch eingesparte Stromkosten amortisieren?
  • Wie grün ist der Strommix?
  • Wie wichtig ist der Komfortgewinn gegenüber der Umweltbelastung?
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