Autos im Blick
Volvo V60: Pferdestärken aus Benzin und Strom
Das äußert sich beispielsweise in Kleinigkeiten wie der elektrisch bewegten Heckklappe mit nach oben schwenkender Gepäckraum-Abdeckung – sehr ladefreundlich. Die äußeren hinteren Kopfstützen lassen sich abklappen, um die rückwärtige Sicht zu verbessern – ein höchst nützliches Detail. Die Sicht nach hinten fällt im Volvo V60 deutlich besser aus als in vielen anderen Autos, sofern man ihn nicht dachhoch belädt – angesichts einer Größe des Stauraums von über einem halben Kubikmeter unter der Abdeckung nur selten vonnöten. Zwar deuten die klaren Linien seiner Seitenansicht die Geräumigkeit des Wagens an, die V60-Designer haben dabei indes erfolgreich ein kastenartiges Heck vermieden.
Welchen Antrieb hat dieses Auto?
Leider hat Volvo die Produktion seiner wirtschaftlichen und kultivierten Dieselmotoren eingestellt und sucht sein Heil in der Elektrifizierung – in unserem Falle mit einem Hybridantrieb, bei dem 253 Benzin-Pferdestärken mit 145 PS aus dem Elektrostall zusammenarbeiten. Während der Ottomotor die Vorderräder antreibt, macht der E-Motor durch seinen Antrieb auf die Hinterräder diesen V60 zum Allradler. Besonders spürbar sind die Bemühungen der beiden durch das hohe Systemdrehmoment von über 600 Newtonmeter: Da muss beim Einfädeln auf der Autobahn nicht lange gefackelt werden.
Im Plug-in-Hybrid-Testwagen lagen zwei Ladekabel, die aber bei diesem Test keine Rolle spielten. Denn wir waren viel in ländlichen Gegenden unterwegs, wo öffentliche Lademöglichkeiten Mangelware sind. So musste die Pufferbatterie an Bord mit 18,8 kWh ihre Energie im Schub und beim Bremsen gewinnen, um den Benzinverbrauch senken zu helfen. Das gelang: Der leer über zwei Tonnen wiegende Wagen verbrauchte im Test im Schnitt 6,7 Liter Benzin pro 100 Kilometer.
Wie fühlt man sich in diesem Auto?
Es gibt reichlich Platz für fünf Erwachsene unter dem wärmegedämmten Glasschiebedach in heller Atmosphäre. Die Gestalter haben auf den Eindruck solider Sicherheit gesetzt, seit Jahrzehnten das Glaubenskenntnis der Marke Volvo: vorwiegend gerade statt verspielter Linien. Vom sprichwörtlichen skandinavischen Design sind eine Holzleiste an der Armaturentafel und etwas Klavierlack auf der Mittelkonsole übrig geblieben, dazu ein Wollstoff an den inneren Türverkleidungen. Mit strapazierfähigem Gewebe waren die Sitze des Testwagens bezogen. Der Zugang ist schlüssellos, gestartet wird mit einem Drehknopf zwischen den Vordersitzen, wo auch die Achtstufen-Automatik geregelt wird.
Was ist kritisch zu sehen?
Die Lautstärke der Beschallung kann von Hand eingestellt werden, vieles andere aber läuft über den Bildschirm in der Mitte. Es ist zu hoffen, dass dieser technische Irrweg, der wahrscheinlich Kosten spart, sich bald wieder in eine sinnvolle Richtung wendet. Das würde auch der von Volvo so hochgehaltenen Sicherheit dienen, namentlich, wenn ein Mensch allein unterwegs ist. Zwar könnte eine weiterentwickelte Sprachsteuerung helfen. Eher heiter: die mangelnden Französischkenntnisse der Navigationsstimme, wenn wir westlich des Rheins unterwegs waren. Weniger lustig: Wir haben fast eine halbe Stunde gebraucht, bis wir zum Zwecke der Verbrauchsermittlung über die Betriebsanleitung am Bildschirm den Kilometerstand in den Anzeigen oberhalb der Lenksäule sichtbar machen konnten.
PLUS UND MINUS
Starke Kombination von Otto- und E-Motor, Eindruck solider Sicherheit, Heck geräumig, aber nicht kastenartig. – Bedienmöglichkeiten teilweise unübersichtlich.
Autogramm
Volvo V60 Recharge T6 AWD Plus Bright
Typ: Kombi; Preis: 65 600 Euro; Länge: 4,78 Meter; Breite: 1,85 Meter; Höhe: 1,43 Meter; Radstand: 2,87 Meter; Leergewicht: 2064 Kilogramm; Zuladung: 466 Kilogramm; Kofferraum: 519 Liter; Sitze: fünf; Tankinhalt: 60 Liter; Verbrennungsmotor: Otto-Vierzylinder; Hubraum: 1969 Kubikzentimeter; Leistung: 253 PS/186 kW bei 5500 U/min; Drehmoment: 350 Newtonmeter bei 2500-5000 U/min; Elektromotor: 145 PS/107 kW, 309 Newtonmeter; Batteriekapazität: 18,8 kWh; Getriebe: Achtstufen-Automatik; Spitze: 180 km/h; 0 auf 100 km/h: 5,4 Sekunden; Testverbrauch: 6,7 Liter Benzin.