Wirtschaft Voestalpine AG will in Annweiler wachsen
Die Voestalpine AG zählt zu den größten Unternehmen Österreichs und ist Weltmarktführer in der anspruchsvollen Stahlproduktion und -verarbeitung. Einer der 500 Konzern-Standorte liegt im südpfälzischen Annweiler. Die Wachstumskurve bei dem spezialisierten Automobil-Zulieferer geht geradewegs nach oben.
«Annweiler.»„Bei dem Großteil dessen, was Sie auf der Straße sehen, haben wir unsere Produkte drin“, sagt Roland Bräuer nicht ohne Stolz. Sein österreichischer Dialekt ist unüberhörbar – auch wenn er seit seinem Verfahrenstechnik- und Wirtschaftsstudium nicht mehr in der Heimat gearbeitet hat. Holland, die USA, England waren Stationen. Seit sieben Jahren ist der 49-Jährige Geschäftsführer der Voestalpine Rotec GmbH & Co. KG Deutschland – pendelt zwischen den zwei Standorten in Annweiler und Sulzfeld in Thüringen hin und her.
Unternehmen feiert in Annweiler 25. Jubiläum
In der Stadt unterm Trifels kann das stahlbasierte Unternehmen in diesem Jahr 25. Jubiläum feiern. Den Grundstein legten Peter und Renate Tess 1992 mit der Gründung der Firma HTI, die ein spezielles Verfahren zur Rotationsumformung entwickelte. Bräuer bezeichnet es gerne anschaulich als „Töpfern mit Stahl“. So können Behälter ohne Schweißen hergestellt werden. Diese Marktnische stieß bei der österreichischen Voestalpine-Rotec-Gruppe auf Interesse, die das Unternehmen 2005 – inklusive des 2004 übernommenen Standorts in Thüringen – kaufte.
Automobilzulieferer fertigt für Sicherheit
Dreiviertel des Umsatzes machen die Annweilerer als Zulieferer der Automobilbranche. „Sicherheit und Komfort sind unsere beiden Hauptstoßrichtungen“, sagt Bräuer. Sprich, die Stahl-, Edelstahl- und Aluminiumelemente, die in der Trifelsstadt entwickelt und verarbeitet werden, stecken in Gurtstraffern, Airbags, Luftfedern oder in der Lenkung. Kunden sind alle bekannten Automarken – von Ford bis Tesla. Schon vor der Voestalpine-Übernahme hatte HTI Airbag- und Luftfeder-Komponenten im Portfolio. „Aber alles noch im kleineren Maßstab“, blickt Bräuer zurück.
Unternehmen sucht Mitarbeiter
Seitdem die Österreicher ihre Finger im Spiel haben, stieg die Mitarbeiterzahl von 130 auf 220 an. „Ich würde morgen 40 neue einstellen – besonders im Entwicklungsbereich –, wenn ich passende finden würde“, sagt Bräuer. Denn das Unternehmen ist auf Wachstumskurs: Machte es vor fünf Jahren knapp 30 Millionen Euro Umsatz, sind es heute 40 Millionen Euro in den beiden deutschen Standorten. Auch eigene Anlagen zur Verarbeitung der Metallprodukte werden in Annweiler entwickelt und gebaut. 2011 wurde in Annweiler das erste Technology Center der Rotec-Gruppe gegründet. Aus dem Pilotprojekt sind inzwischen zwei weitere Forschungs- und Entwicklungszentren in Österreich und Kanada hervorgegangen.
Hallen-Neubau für 2,5 Millionen Euro geplant
Etwa 7000 Tonnen Stahl, Edelstahl und Aluminium werden in Annweiler pro Jahr verarbeitet und auf den Weg in die EU, die USA, Mexiko oder China geschickt. Rund 2 Millionen Euro jährlich habe das Unternehmen in den vergangen fünf Jahren in den Standort Annweiler gesteckt. „Unser größtes Problem ist derzeit, das Wachstum zu händeln“, sagt Bräuer. Die Balance zu finden zwischen Investitionen und Mitarbeiterakquise. Jetzt steht der Bau einer neuen Halle für 2,5 Millionen Euro an.