Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Virtuelle Hauptversammlungen: Ein Notnagel

Hauptversammlungen wie hier der BASF im Jahr 2015 waren ein Publikumsmagnet.
Hauptversammlungen wie hier der BASF im Jahr 2015 waren ein Publikumsmagnet.

Die virtuelle Hauptversammlung darf nur eine Notlösung auf Zeit sein. Sonst verliert die Aktionärsdemokratie ihre Seele.

Die virtuelle Hauptversammlung schützt sicherlich davor, dass sich Aktionäre nicht gegenseitig mit dem Coronavirus anstecken. Das ist ein klarer Vorteil in Zeiten einer Pandemie. Die Aktiengesellschaften haben deutlich geringere Kosten damit. Und für viele Aktionäre mag es bequemer sein, den Ausführungen von Vorstand und Aufsichtsrat in Schlappen und Trainingsanzug vor dem Bildschirm zuhause zu folgen.

Das war es dann aber auch. Das Format ist eine Notlösung. Die Nachteile überwiegen. Die Internet-Form beschädigt ganz klar die Aktionärsdemokratie: Fragen müssen vorab eingereicht werden, Anträge während der Hauptversammlung: Fehlanzeige. Der Vorstandsvorsitzende spricht wohlgesetzte Worte und beantwortet perfekt vorbereitet die Fragen der Aktionäre in einer staubtrockenen Dauervorlesungen. Es fehlen Applaus, Zwischenrufe, spontane Nachfragen, kritische Anmerkungen, deftige Meinungsbekundungen. Die ganze Stimmung ist weg, das Gemeinschaftserlebnis fällt aus. So etwas schwächt die ohnehin wenig ausgeprägte Aktienkultur in Deutschland.

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