Wirtschaft Versuch mit Affen: Daimler entlässt Manager

«Stuttgart/Fairfax.» Die umstrittenen Abgasversuche an Affen haben nun auch bei Daimler personelle Konsequenzen. Der Mitarbeiter, der den Autobauer im Vorstand der Lobbyorganisation EUGT vertreten hatte, werde mit sofortiger Wirkung freigestellt, teilte der Stuttgarter Automobil-Konzern gestern mit.
Das habe der Vorstand entschieden. Konkurrent BMW steht hingegen weiter zu einem Mitarbeiter, der den Autokonzern von 2011 bis 2015 als Referent in der Lobby-Initiative vertreten hatte. In den USA kommen unterdessen weitere Einzelheiten ans Licht. So zeigt der vertrauliche Entwurf des bislang unveröffentlichten Abschlussberichts der Affenstudie, dass die Ergebnisse nicht so ausfielen wie erhofft. Die „Bild“ ließ das 57-seitige Dokument vom Facharzt Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien auswerten. Der stellte Brisantes fest: Das beabsichtigte Ergebnis – zu zeigen, dass die Dieselabgase eines VW Beetles mit moderner Abgasreinigung weitaus weniger Schadstoff enthalten als die eines älteren Ford-Pick-ups – wurde demnach verfehlt. Bei den Tieren, die Abgase des neuen Dieselmotors einatmen mussten, „wurden mehr Entzündungszeichen gefunden als bei jenen Affen, die den alten Diesel eingeatmet hatten“, wurde Hutter zitiert. Der Experte zeigte sich schockiert von dem geheimen Bericht: „Das ist ein unglaublicher Versuch, der von einer Ethikkommission in Europa so wahrscheinlich niemals erlaubt worden wäre“. Nach Angaben von Daimler wurde im Dezember 2015 erstmals ein Entwurf des Abschlussberichts dem Forschungsbeirat der EUGT vorgelegt. Dieser habe ihn aufgrund „offener methodischer Fragestellungen“ nicht akzeptiert. VW stritt mit den Forschern noch bis mindestens Mitte 2017 um Veröffentlichung und Bezahlung der Studie, die umgerechnet rund 560.000 Euro kosten sollte. Interne E-Mails, die im Rahmen der Ermittlungen des US-Anwalts Michael Melkersen aufgetrieben wurden, zeigen zudem, wie an der Studie herumgedoktert wurde. Er habe versucht, die „Ergebnisse abzuschwächen“, schrieb ein Forscher dem Studienleiter und erkundigte sich, ob noch weitere Anpassungen nötig seien. VW kämpft in den USA gegen die Verwendung der Dokumente zu den Affen-Experimenten bei einem Gerichtsverfahren.