Wirtschaft US-Inflation lässt schnellere Zinserhöhung erwarten

«Washington.» Die Inflation in den USA ist stärker als erwartet und schürt Spekulationen auf eine schärfere Zinserhöhungspolitik der US-Notenbank Fed.
Die momentan an den Finanzmärkten viel beachtete US-Teuerungsrate lag im Januar bei 2,1 Prozent, wie das Arbeitsministerium gestern mitteilte. Ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel zogen die Lebenshaltungskosten zum Vormonat um 0,3 Prozent an – das ist der stärkste Anstieg seit einem Jahr. Der Einzelhandel spürte zu Jahresbeginn eine gewisse Zurückhaltung: Die Umsätze sanken hier im Januar so kräftig wie seit knapp einem Jahr nicht mehr. Sie fielen um 0,3 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte. Die Verbraucher kauften zu Jahresbeginn weniger Autos und Baumaterialien, auch bei Möbeln und Gesundheitsprodukten sparten sie. Der private Konsum ist die Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Ökonom James Knightley von der Großbank ING hält die Januar-Flaute im Einzelhandel allerdings für vorübergehend: „Angesichts der Steuerreform, niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen bleiben die Aussichten für den Konsum gut.“ Doch bei der Inflation sei das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: Der relativ schwache Dollar treibe die Einfuhrpreise nach oben. Zudem sorgten anziehende Energiekosten für einen zusätzlichen Preisschub. „Die US-Inflation spricht für vier Fed-Zinsschritte“, sagte BayernLB-Ökonomin Christiane von Berg. Die US-Notenbank hat den Leitzins zuletzt im Dezember auf die Spanne von 1,25 bis 1,5 Prozent angehoben und nur drei weitere Schritte für 2018 signalisiert. Ein überraschend kräftiges Anziehen der Löhne hatte zuletzt aber Spekulationen genährt, die Fed könnte die Zinsschraube im Kampf gegen Inflationsrisiken stärker anziehen. Die US-Notenbank, die Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern soll, hat das erste Ziel praktisch erreicht. Bei den Preisen ist sie jedoch noch nicht ganz so weit.