Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Tarifrunde: IG Metall drängt auf schnelles Ergebnis

Die Autoindustrie, hier ein Blick ins Bremer Mercedes-Benz-Werk, steckt mitten im Umbruch.
Die Autoindustrie, hier ein Blick ins Bremer Mercedes-Benz-Werk, steckt mitten im Umbruch. Foto: dpa

In der Tarifrunde für die vier Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall der Sicherung von Beschäftigung Vorrang einräumen und auf eine konkrete Lohnforderung verzichten. Zudem will die Gewerkschaft sofort in die Verhandlungen einsteigen.

Was seine Gewerkschaft da vorschlage, sei durchaus „ein bisschen ungewohnt“, räumte Jörg Hofmann am Freitag ein. Aber, betonte der IG-Metall-Vorsitzende, „wir haben auch ungewohnte Zeiten“. Was recht harmlos klingt, ist in Wahrheit eine existenzielle Herausforderung. Die lange Zeit erfolgsverwöhnte deutsche Metall- und Elektroindustrie, insbesondere die Automobilindustrie befinden sich in einem beispiellosen Umbruch. Digitalisierung, Klimaschutz, E-Mobilität sind nur drei Stichworte, die die Branche umtreiben – und mit ihr Hunderttausende Beschäftigte. Unsicherheit fast allerorten, weil kaum jemand weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Nur eines ist gewiss: So wie es ist, wird es nicht bleiben.

Angesichts dieses Veränderungsprozesses will die IG Metall, das machte Jörg Hofmann deutlich, „zügig Antworten“ finden – am besten schnell und gemeinsam mit den Arbeitgebern. Gelegenheit dafür bietet die ohnehin anstehende Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie. Bei der will Hofmann sozusagen kurzen Prozess machen, will so rasch wie möglich Resultate präsentieren. Das werde „keine Tarifrunde wie jede andere“, notwendig sei ein „schnelles Ergebnis“.

„Zukunftspaket“ angestrebt

Und zwar ein Ergebnis, bei dem am Ende zwar auch real mehr Geld in die Taschen der Beschäftigten fließt. In erster Linie aber gehe es darum, Beschäftigung zu sichern. Konkret schlägt die IG Metall ein „Moratorium für einen fairen Wandel“ vor, bei dem sich die Arbeitgeber dazu bereit erklären, nicht einseitig Jobs abzubauen, Produktion zu verlagern oder Standorte zu schließen. Im Gegenzug verzichtet die IG Metall darauf, eine konkrete Lohnforderung zu stellen, will stattdessen ab sofort mit den Arbeitgebern über ein „Zukunftspaket“ verhandeln.

Ein Teil dieses Pakets soll auf betrieblicher Ebene gepackt werden, in Form von Zukunftstarifverträgen. Solche Verträge sollen „Investitions- und Produktperspektiven“ ebenso beinhalten wie Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung und zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Entscheidungsfrist bis 3. Februar

Ins Paket gehört für die IG Metall zudem ein „Werkzeugkasten“, der gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden und auch mit der Politik gefüllt werden soll. So sei beispielsweise eine erleichterte Nutzung des Kurzarbeitergelds nötig, erneuerte Jörg Hofmann die Forderung zu einem Transformations-Kurzarbeitergeld. Zudem sollten Beschäftigte, die wegen mangelnder Auslastung ihre Arbeitszeit verringern müssten, keine Einbußen beim Nettolohn erleiden.

Der IG-Metall-Vorsitzende forderte die Arbeitgeber auf, bis zum 3. Februar zu entscheiden, ob sie den Moratoriums-Vorschlag mittragen. Stimmten diese zu, wolle man noch vor dem Ende der Friedenspflicht am 30. April zu Ergebnissen kommen. Ansonsten werde es eine Tarifrunde nach dem Prinzip „business as usual“ geben, die dann noch konfliktträchtiger als üblich ablaufen werde.

Arbeitgeber signalisieren prinzipielle Zustimmung

Auf Arbeitgeberseite stieß der Vorschlag der IG Metall auf prinzipielle Zustimmung. Angesichts der „besonderen Situation“, in der sich die Metall- und Elektroindustrie derzeit befinde, habe Hofmann recht, „wenn er von alten Ritualen Abstand nehmen und noch in der Friedenspflicht, also ohne Streiks, zu Ergebnissen kommen will“, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Pfalzmetall, Johannes Heger. Die Arbeitgeberseite sei bereit, mit der IG Metall tarifliche Instrumente zu entwickeln, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern. Jetzt gelte es, den Vorschlag zu prüfen und zu beraten.

In der jüngeren Vergangenheit hat die IG Metall schon einmal darauf verzichtet, mit einer konkreten Lohnforderung in die Tarifrunde zu ziehen. Auch 2010, angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise, stand die Sicherung von Jobs im Vordergrund.

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