Wirtschaft Siemens will Turbinen-Einsatz auf der Krim verhindern

Auf der von Russland besetzten Krim sind auf Umwegen Siemens-Gasturbinen gelandet. Nun wollen die Münchner verhindern, dass sie installiert werden und in Betrieb gehen.
Die 2014 von Russland annektierte Halbinsel unterliegt Sanktionen der EU und der USA, die direkte Wirtschaftskontakte dorthin untersagen. Siemens kämpft wegen der Lieferung der Gasturbinen auf die Krim um seine Reputation. Man habe aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass zumindest zwei von vier für ein Projekt in Südrussland gelieferte Gasturbinen gegen den Willen von Siemens auf die Krim gebracht worden sind, räumen die Münchner mittlerweile erstmals offiziell ein. Das sei ein klarer Bruch der ursprünglich mit einem russischen Partner geschlossenen Lieferverträge, die eine Verbringung auf die Krim verbieten. Siemens werde Strafanzeige gegen die verantwortlichen Geschäftspartner erstatten und prüfe weitere Konsequenzen. Ziel sei es, weiter Lieferungen auf die Krim zu unterbinden und dorthin gebrachte Turbinen wieder zum ursprünglichen Bestimmungsort Taman zu verfrachten. Ersatzweise drängt Siemens auf eine Rückabwicklung des 2015 ein Jahr nach der Krim-Annexion geschlossenen Vertrags. Zuvor hatte ein Siemens-Insider versichert, dass zudem Schritte eingeleitet worden seien, um die Installation und den Betrieb der Siemens-Gasturbinen auf der Krim zu unterbinden. Die Münchner fühlen sich von russischen Geschäftspartnern hintergangen und haben den Fall dem Vernehmen nach auch auf diplomatischer Ebene in Moskau vorgebracht. Zwei Siemens-Turbinen haben die Russen nach eigenem Eingeständnis auf die Krim gebracht. Zwei weitere sollen auf dem Weg dorthin sein. Gebaut wurden sie von einem deutsch-russischen Gemeinschaftsunternehmen unter Siemens-Führung in Sankt Petersburg. Bestimmt waren sie für ein Kraftwerksprojekt in Taman, das Luftlinie rund 20 Kilometer von der Krim entfernt ist. Schon wegen dieser Nähe waren bei der Auftragsvergabe erste Gerüchte aufgetaucht, die Turbinen könnten für die Krim bestimmt sein. Für die von Russland besetzte Halbinsel gilt seitens der EU und auch der USA ein Lieferverbot für Industriegüter. Ein Verstoß dagegen steht laut Bundeswirtschaftsministerium unter Strafandrohung. Der Lieferweg der Siemens-Turbinen mit je 165 Megawatt Leistung ist kompliziert. Offenbar wurde das Umgehen der Sanktionen von vornherein durch den russischen Staatskonzern Rostec geplant und inszeniert. Aktienchart