Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Siemens will auch den ICE 5 liefern

Der ICE 5 könnte so wie auch der ICE 3 aus der Modellfamilie Velaro kommen und mit diesem kuppelbar sein. Unser Bild zeigt die I
Der ICE 5 könnte so wie auch der ICE 3 aus der Modellfamilie Velaro kommen und mit diesem kuppelbar sein. Unser Bild zeigt die ICE-3-Fertigung im Siemens-Werk Krefeld. Foto: dpa

Schon im Dezember 2022 will die Deutsche Bahn AG die nächste Generation ihrer Hochgeschwindigkeitszüge starten: den ICE 5. Der Staatskonzern wird bis zu 90 neue Highspeed-Flitzer für Tempo 320 ausschreiben. Es geht um einen Auftrag von mindestens 2 Milliarden Euro. Die besten Chancen werden in der Branche dem bisherigen Hauslieferanten Siemens eingeräumt.

Der Münchner Technologiekonzern bestätigte auf Anfrage, dass er sich an der europaweiten Ausschreibung beteiligen werde. „Ja, wir sind interessiert“, sagte eine Sprecherin von Siemens Mobility. Für Tempo 250 und mehr habe man die Zug-Plattformen Velaro und Velaro Novo im Angebot. Der Velaro ist für die DB bereits als ICE 3 unterwegs und fährt in unterschiedlichen Versionen auch in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien, in der Türkei, in Russland und China.

Die Züge könnten ebenfalls im Stammwerk in Krefeld produziert werden, sagte die Siemens-Sprecherin. Für die Zulieferung würden unter anderem Werke in Nürnberg, Luhe und Graz eingebunden. „Die Fertigungskapazitäten sind ausreichend, um den Auftrag abzuarbeiten“, wird in München betont. Schon jetzt produziere man parallel zum ICE 4 auch Velaro-Highspeed-Züge für die Türkei und für Russland.

Großauftrag angekündigt

Die DB hat den Großauftrag Ende September auf einer Ausschreibungsplattform (www.ted.europa.eu) angekündigt. Demnach sollen die bis zu 90 Züge bis Tempo 320 schaffen und auch in Frankreich, Belgien, den Niederlande und weiteren Ländern Europas eingesetzt werden können. Zudem sollen alle Fahrzeuge „als gekuppelte Einheiten“ mit vorhandenen ICE 3-Zügen der DB (Baureihe 407) kombiniert werden können.

Für Fachleute ist klar, dass die Vorauswahl fast automatisch auf Siemens zuläuft. Wegen der kurzen Lieferfrist kommen nur bereits entwickelte Züge infrage. Der Hauslieferant hat zudem alle vier ICE-Generationen produziert, erst in Kooperation, dann federführend. Aktuell fertigt Siemens in Krefeld den ICE 4, bis 2024 sollen 137 Züge an die DB geliefert werden. Rund 30 sind schon unterwegs. Auch die ICE 3 stammen von Siemens.

Flexibles Plattform-System

Die Marke Velaro verkauft der Technologieriese seit gut einem Jahrzehnt als flexibles Plattform-System mit großem Erfolg. Die Triebzüge werden nicht mehr von einer Lok gezogen, sondern die antreibenden Elektromotoren sind unter den Wagen verteilt. Die Velaro fahren unter verschiedenen Bezeichnungen der jeweiligen Bahnunternehmen und angepasst an die nationalen Schienen- und Stromsysteme, in Russland zum Beispiel unter dem Namen Sapsan zwischen Moskau und St. Petersburg auf der dortigen Breitspur.

Als Eurostar fahren seit 2015 auch 17 Züge des Velaro e320 zwischen Frankreich, Benelux und England durch den Kanaltunnel. Die Eurostar-Flotte bestand zuvor nur aus Zügen des Pariser Konkurrenten Alstom, der seit vielen Jahrzehnten den TGV für Frankreichs Staatsbahn SNCF herstellt. Der Zuschlag für Siemens führte damals zu auch zu einigen politischen Rangeleien zwischen Paris und Berlin, da Alstom den sicher geglaubten Prestigeauftrag nicht verlieren wollte. Mit dem AGV haben die Franzosen selbst einen flexiblen Highspeed-Zug im Angebot, der in Italien erfolgreich im Einsatz ist. Dort fährt der private Anbieter NTV in Konkurrenz zur Staatsbahn die Züge zwischen Mailand, Venedig, Florenz, Rom und Neapel.

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