Wirtschaft Römerhaus gründet Hotelsparte
«Schifferstadt». Die Römerhaus Bauträger GmbH, Schifferstadt, die Pflegezentren und Senioren-Residenzen plant und errichtet, hat neben der Betreibergesellschaft Römergarten Residenzen GmbH eine dritte Sparte gegründet: die Römerhaus Invest GmbH. Die Gesellschaft entwickelt, plant, baut und betreibt Hotelbauten. Der Spatenstich für die erste derartige Immobilie ist für Anfang 2018 im südhessischen Viernheim vorgesehen.
Das Hotel, das für Römerhaus Invest der Prototyp für eine ganze Kette werden soll, wird unter dem Namen Pear (englisch: Birne) Hotel an den Markt gehen. Die Eröffnung des 86-Zimmer-Hauses, das als Business-Hotel im Drei-Sterne bis Drei-Sterne-plus-Bereich angesiedelt sein wird, ist für Anfang 2019 geplant. Das Modell, nach dem die Hotels – geplant ist ein Neubau pro Jahr – finanziert werden, ist dem der Pflegeimmobilien von Römerhaus sehr ähnlich: Die Zimmer werden an überwiegend private Investoren verkauft, an die auf 20 Jahre garantierte, gestaffelte Mieteinnahmen fließen. Das Eigentum kann verschenkt, vererbt und verkauft werden, ohne dass es der Zustimmung Dritter bedarf. Das sogenannte Teileigentums-Modell ermöglicht zudem die steuerbegünstigte Finanzierung. Die prognostizierte Rendite für die Hotel-Immobilien komme derjenigen der Pflegeimmobilien mit 4,5 Prozent sehr nah, so Römerhaus-Chef Peter Kinscherff. Das Geschäftsmodell komme bei Kunden, die eine sichere und vergleichsweise renditestarke Anlage suchten, gut an. Das Hotelsegment sei ein Wachstumsmarkt, sagt der Gesellschafter und Mitgründer des Unternehmens, der zusammen mit seiner Tochter inzwischen das Gesellschafterduo bildet. Der zweite Mitgründer sei aus dem Unternehmen ausgeschieden, so Kinscherff, sodass Römerhaus nun ein reines Familienunternehmen sei. Der Bedarf an Hotelzimmern für Geschäftskunden und Kurzreisende sei in etlichen Regionen Deutschlands nicht gedeckt, sagt Römerhaus-Invest-Prokurist Michael Straub. Er ist in derselben Funktion auch bei der Bauträger-Gesellschaft der Gruppe tätig. Viernheim sei am Rande der Rhein-Neckar-Region ein solcher Standort. Partner im Hotelsegment von Römerhaus ist die Mannheimer Lieblang-Gruppe. Das Dienstleistungsunternehmen verfügt über eine eigene Hotelservicesparte mit mehr als 1400 Mitarbeitern, die in 110 Hotels deutschlandweit im Einsatz sind. Die Gesellschafter der Lieblang-Gruppe sind auch Mitgesellschafter bei der Römerhaus-Hotelsparte. Zusammen mit zwei Familiengesellschaftern halten an der Römerhaus Invest fünf Gesellschafter Anteile. Synergien mit Lieblang ergäben sich über den Hotelbetrieb hinaus durch die Verpflegungs- und Facility-Management-Kompetenzen der Mannheimer. Das Drei-Sparten-Unternehmen Römerhaus legt Kinscherff zufolge derzeit auch bei der Schlagzahl im klassischen Geschäftsfeld zu. Statt wie bisher zwei bis drei würden künftig drei bis vier Seniorenimmobilien pro Jahr errichtet, in diesem Jahr waren es fünf. Die regionale Ausrichtung dehne sich inzwischen bis in die Westpfalz aus, während Baden-Württemberg in der Bedeutung nach hinten gerückt sei. Die durchschnittliche Bettenzahl gehe in der Tendenz wieder nach oben, nachdem zwischenzeitlich auch kleinere 50-Betten-Häuser geplant und realisiert wurden. „Der Aufwand ist der gleiche wie bei größeren Häusern, deswegen tendieren wir wieder zu größeren Einheiten“, begründet das Kinscherff. Die Projektpipeline reiche bis ins Jahr 2022. Im Pflegebereich habe Römerhaus inzwischen 1200 Plätze geschaffen, 750 Arbeitsplätze seien dadurch entstanden. Für den laufenden Betrieb ist eine gemeinsame Servicegesellschaft mit der Mannheimer Lieblang-Gruppe verantwortlich. Der 1951 gegründete Dienstleister, der 2015 mit rund 4600 Mitarbeitern etwa 71,6 Millionen Euro umgesetzt hat, verfügt über eine eigene Weiterbildungs-Akademie. Inzwischen sei es wieder einfacher, Grundstücke für Senioreneinrichtungen von der öffentlichen Hand zu erwerben, so Kinscherff. Zwischenzeitlich war das durch die Flüchtlingsproblematik, vor die die Kommunen gestellt waren, schwieriger geworden. „Oft kommen inzwischen die Kommunen auf uns zu, weil sie Bedarf im Bereich Pflege haben“, erläutert Baukaufmann Kinscherff. Die 1983 gegründete Römerhaus Bauträger GmbH beschäftigt aktuell 22 Mitarbeiter, drei mehr als vor Jahresfrist. 2016 setzte das Unternehmen 48 (2015: 19,5) Millionen Euro um, in diesem Jahr soll der Umsatz mindestens ebenso hoch ausfallen. Je nach Baufertigstellung werde sich der Umsatz künftig zwischen 30 und 50 Millionen Euro im Jahr bewegen, so Prokurist Straub. Hinsichtlich des Ertrags „sind wir sehr zufrieden“, berichtet Kinscherff. Dazu trügen unter anderem Bündelverträge mit Handwerksbetrieben für mehrere Immobilien bei. Das garantiere über ein bis zwei Jahre Preisstabilität. Ohnehin bestehe mit vielen Handwerkern eine langfristige Geschäftsbeziehung. Für diese ergäben sich durch größere Einkaufsmengen Preisvorteile. All das trage dazu bei, den Kostenanstieg durch strengere Vorgaben des Baurechts zu dämpfen, so etwa bei Energieeffizienz, Einbindung von regenerativen Energiequellen sowie Schall- und Brandschutz.