Wirtschaft Projekt „ganz kleines Auto“
«Köln.» Anfangs wurde das Auto noch von vielen belächelt, doch das sollte sich bald ändern. Vor 70 Jahren, am 7. Oktober 1948, stellte der französische Autobauer Citroën auf dem Pariser Salon den neuen 2 CV vor. Auch in Deutschland avancierte die „Ente“ zum Kultobjekt und gehörte bald zu Frankreich wie Baguette, Beaujolais und Gauloises.
Fans störten weder die durchhängenden Sitze noch ein Fahrgefühl wie auf hoher See, vielmehr schwärmten sie von der einmaligen Kurvenlage und dem gefühlten Cabrio-Luxus dank aufrollbarem Vinylverdeck. Auch die ungewöhnliche Revolverschaltung – Motto: „Stoßen, kippen, ziehen“ – oder die geteilten Klappfenster begeisterten die Anhänger. Fast 42 Jahre lang baute Citroën den 2 CV. Dabei reicht seine Geschichte noch viel weiter zurück. 1934 hatte Citroëns Generaldirektor Pierre-Jules Boulanger seinem Chefkonstrukteur den Auftrag erteilt, einen minimalistischen Kleinwagen zu entwickeln: „Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht.“ Und weiter: „Die Federung muss so gut sein, dass ein Korb voller roher Eier eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Auf das Aussehen des Autos kommt es überhaupt nicht an.“ 1937 war der erste von 250 Prototypen fertiggestellt. Werksintern wurden sie „toute petite voiture“ (TVP; übersetzt „ganz kleines Auto“) genannt. Um Gewicht einzusparen, bestand die Außenhaut aus Aluminium. Zur kargen Ausstattung gehörte nur ein Frontscheinwerfer, keine Winker und nicht einmal ein Anlasser. Dazu meinte Boulanger: „Das Auto ist für Bauern gedacht, die sind alle verheiratet und haben eine Frau, die die Kurbel betätigen kann.“ Citroën enthüllte 1948 in Paris ein überarbeitetes Modell. Dennoch verglichen Kritiker die optische Erscheinung mit „einer eingedrückten Wellblechgarage auf Rädern“. Ein niederländischer Journalist bezeichnete das Fahrzeug nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen als „lelijke eendje„ („hässliches Entlein“) und begründete damit den deutschen Spitznamen „Ente“. Im Juni 1949 begann die Serienfertigung des 2 CV – die zwei PS („deux chevaux vapeur“) stehen dabei für die günstige Steuerklasse. Tatsächlich hatte aber schon das erste Modell einen luftgekühlten Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor mit neun Pferdestärken. Die zuletzt produzierten Enten-Modelle verfügten über 29 PS und schafften mit typisch schnatterndem Motorengeräusch Tempo 115. Am 27. Juli 1990 verließ der letzte 2 CV – ein graues Modell „Charleston“ – die Montagehallen in Portugal. Er lief mit einem Trauermarsch der Werkskapelle vom Band. 5.114.966 Enten-Exemplare wurden produziert, allein in Deutschland haben rund 350.000 Enten einen Besitzer gefunden. „Die Ente hat immer noch eine riesige Fangemeinde“, sagt Stephan Lützenkirchen, Kommunikationsdirektor bei Citroën in Deutschland. Und das wird sich wohl auch so bald nicht ändern.