Wirtschaft Porträt: Den Brudermüller hört man kommen

Das Rennen gegen Kurt Bock hat Martin Brudermüller im Jahr 2010 ganz knapp verloren. Damals entschied der BASF-Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Eggert Voscherau, dass Bock im Frühjahr 2011 neuer BASF-Chef werden sollte – als Nachfolger von Jürgen Hambrecht. Brudermüller wurde zum Stellvertreter von Bock ernannt, zur Nummer zwei an der Spitze des weltweit größten Chemiekonzerns mit Sitz in Ludwigshafen. Im Mai 2018 rückt Brudermüller auf Platz eins vor.
Vom Wesen her ist Brudermüller das genaue Gegenteil von Bock. Der künftige BASF-Chef wird von den Mitarbeitern als mitreißend, herzlich, freundlich, dynamisch und laut wahrgenommen. „Man hört es, wenn er kommt“, heißt es bei der BASF. Wenn der extrovertierte Strahlemann im Unternehmen unterwegs ist, grüßt er die Mitarbeiter und lässt sich gelegentlich auf einen Plausch ein. Mit ihm könne man nach Feierabend auch mal ein Bier trinken gehen, ist aus seinem Umfeld zu hören. Dagegen wird Kurt Bock – verheiratet, drei erwachsene Kinder – von vielen, die ihn nicht näher kennen, als in sich gekehrt und teilweise auch mürrisch erlebt. Er steht im Ruf, Mitarbeiter eher nicht zu grüßen. Wenn er in Gedanken ist, nimmt er sie einfach nicht wahr. Der künftige BASF-Chef Brudermüller ist sportlich, schwimmt gerne und besitzt auch handwerkliches Geschick. So hat er zum Beispiel Spaß am Schreinern und Fließenlegen – wenn es die Zeit erlaubt. Brudermüller ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder – Zwillinge. Martin Brudermüller wurde 1961 in Stuttgart geboren. Von 1980 an studierte er Chemie an der Universität Karlsruhe und erhielt dort 1985 sein Diplom. Nach der Promotion, die er 1987 in Karlsruhe abschloss, absolvierte er einen Postdoc-Aufenthalt an der University of California, Berkeley, USA. Zur BASF kam er 1988. Er startete seine Karriere im Ammoniaklabor in Ludwigshafen.