Classic-Rallye
Opel Manta B: Alle Achtung!
Der Opel Manta: Es gibt nicht viele Autos, über deren Fahrer derart viele Witze erzählt werden. Aus heutiger Sicht lässt sich das kaum noch erklären, denn das Coupé aus den 1970er-Jahren legt eher filigrane Eleganz an den Tag.
Für seine mitunter prolligen Fuchsschwanz-Besitzer von einst kann der Manta ebenso wenig wie für die „Manta, Manta“-Filme (1991 und 2023), die das Image des Wagens eine weitere Etage nach unten katapultierten.
Unterm Blech
Nimmt man auf dem Fahrersitz Platz, fällt der Blick auf eine vorbildlich aufgeräumte Instrumententafel: in der Mitte der Tacho, der etwas vorlaut bis 200 km/h reicht, links und rechts daneben die Tank- sowie die Kühlwassertemperatur-Anzeige. Einen Drehzahlmesser sucht man vergebens; sportliches Fahren setzt demnach ein geschultes Gehör voraus. Der 1,9-Liter-Vierzylinder glänzt mit Gutmütigkeit und Drehfreude gleichermaßen. Je höher er dreht, desto glaubwürdiger wirkt die auf dem Papier angegeben Höchstleistung von 90 PS/66 kW. Jeder Gangwechsel der Viergang-Schaltung sorgt an Bord für Schmunzeln.
Auf der Straße
Im Schwarzwald bei der 12. Paul Pietsch Classic Rallye rauscht der Manta mühelos den Kniebis hinauf. Auf der steilen Strecke zwischen Offenburg und Freudenstadt testeten sei der Erfindung des Automobils unzählige Mercedes-Ingenieure die Anhängelast diverser Pkw und Nutzfahrzeuge. Oben auf der Anhöhe auf gerader Strecke fühlt sich Tempo 100 deutlich schneller an als in modernen Autos, was vor allem an der kaum gedämmten Geräuschkulisse liegt, die aus dem Motor- in den Fahrgastraum dröhnt.
Die angegebene Höchstgeschwindigkeit (165 km/h) klingt überzeugend, wird aber während der Oldtimer-Rallye zu Ehren von Paul Pietsch nicht überprüft. Auf unsanierten Nebenstraßen beweist der Manta, dass die Fahrwerksentwickler in Rüsselsheim ganze Arbeit geleistet haben. Sämtliche Kurvenradien nimmt das Coupé souverän und mühelos, die fabrikneuen Pirelli-Pneus halten stets Kontakt zum Asphalt.
Ein Blickfang
Die viereckigen Scheinwerfer, die auch einem Volvo-Kombi den Weg leuchten könnten, und der weit unten liegende vordere Lufteinlass schenken dem Manta B das Gesicht einer Design-Ikone. Das Vinyl-Dach der Berlinetta-Ausführung sorgt für einen sehenswerten Kontrast zur der in Saphirblau lackierten Karosserie. Sowohl von den Rallye-Teilnehmern als auch von den Zuschauerinnen und Zuschauern am Straßenrand bekommt der Manta viel Sympathie – lediglich Streckensprecher Johannes Hübner wagt es, einen Manta-Witz zum Besten zu geben.
Aus unternehmerischer Sicht war der Manta B ein nachhaltiger Erfolg: Von 1975 bis 1989 lief das Coupé 557.940 Mal vom Band und durfte sich über mehrere Jahre hinweg mit dem Titel des hierzulande meistverkauften Sportwagens schmücken.