Bahnverkehr
Nun gilt wieder der Regelfahrplan
Während des GDL-Streiks galt von Mittwoch bis Freitag bei der Deutschen Bahn (DB) ein Notfahrplan mit massiv reduziertem Angebot. Während es im Pfälzer Regionalverkehr auf relativ vielen Linien immerhin einen Zwei-Stunden-Takt gab, waren die Auswirkungen auf den Fernverkehr in Mannheim deutlich gravierender als bei früheren GDL-Streiks.
Der Hauptgrund dafür war die Sperrung der Riedbahn von Mannheim nach Frankfurt. Bei früheren GDL-Streiks hat die DB mit gewissem Erfolg versucht, ein Mindestangebot auf den wichtigsten Fernverkehrlinien aufrecht zu erhalten. Dies wird allerdings zunehmend schwieriger, weil es immer weniger beamtete Lokführer ohne Streikrecht gibt.
Mannheim hat das Nachsehen
Die wenigen Lokführer konzentriert die DB in solchen Situationen auf die am stärksten frequentierten Linien. Normalerweise führen die oft über Mannheim. Wegen der Sperrung der Riedbahn ist das aber derzeit anders. Die über Wiesbaden umgeleitete Linie von Köln über Mannheim nach München gilt bei der DB inzwischen offenbar als weniger wichtig als die Linie von Hamburg über Köln und Stuttgart nach München. Auf dieser Linie, die während der Riedbahn-Sperrung über Darmstadt und Heidelberg umgeleitet wird, hat die DB während des GDL-Streiks in den vergangenen drei Tagen mit Vorrang ihre knappen Lokführer eingesetzt. Mannheim hatte dabei das Nachsehen. Der sonst wichtigste ICE-Knotenbahnhof der Rhein-Neckar-Region wurde nur ganz sporadisch von Fernzügen bedient. Unter den Zügen, die ausfielen, waren auch sämtliche ICE von Frankfurt über Mannheim und Kaiserslautern nach Saarbrücken sowie alle anderen Fernzüge auf der Strecke von Mannheim über Kaiserslautern nach Saarbrücken.
Der Verkehr auf dieser Strecke wurde zeitweise auch durch streikende Fahrdienstleiter lahmgelegt und zwar jeweils am Nachmittag auf den Abschnitten zwischen Kaiserslautern und Homburg (am Mittwoch und Freitag) beziehungsweise zwischen Homburg und Saarbrücken (am Donnerstag). Zwar gehört nur ein sehr kleiner Teil der Fahrdienstleiter, die Weichen und Signale stellen, der GDL an. Es reicht aber im Extremfall ein einziger streikender Fahrdienstleiter, um eine komplette Strecke zu unterbrechen. Der größeren Eisenbahnergewerkschaft EVG, bei der der Löwenanteil der Fahrdienstleiter organisiert ist, fiel es deswegen in diesem Jahr relativ leicht, an zwei Tagen den Verkehr auf dem DB-Netz nahezu komplett lahm zu legen.
Wegen der in der Westpfalz beziehungsweise im Saarland streikenden Fahrdienstleiter konnten die Züge der Regional-Express-Linie RE1 zeitweise nur auf dem Abschnitt zwischen Mannheim und Kaiserslautern fahren, wo sie für die Fahrgäste eine wertvolle Ergänzung für die nur im Zwei-Stunden-Takt verkehrenden Züge der S-Bahn-Linie S1 waren.
Transdev lenkt ein
Beim französisch dominierten Konzern Transdev, dessen Tochter Transregio die Regionalbahn-Linie von Mainz über Koblenz nach Köln betreibt, hat die GDL den Streik gestern um 12 Uhr vorzeitig beendet. Zur Begründung führt die GDL an, Transdev habe in einem schriftlichen Angebot versichert, über sämtliche Kernforderungen der aktuellen Tarifrunde ernsthaft zu verhandeln. Dabei werde die Vereinbarung zur stufenweisen Absenkung der Wochenarbeitszeit auf eine 35-Stunden-Woche, analog zum Abschluss bei Netinera, von der Transdev GmbH als Grundlage der Verhandlungen anerkannt. Einen ähnlichen Abschluss wie bei Netinera gibt es auch beim Unternehmen Go-Ahead.
Laut Brancheninsidern haben Netinera und Go-Ahead allerdings eine Klausel im Tarifabschluss, laut der die Arbeitszeitverkürzung nur wirksam wird, wenn es eine solche Regelung auch im Abschluss der GDL mit der DB gibt. Der Abschluss verschafft Netinera, Go-Ahead und demnächst vielleicht auch Transdev den Vorteil, dass sie sich den Tarifkonflikt bei der DB aus der Zuschauerperspektive ansehen können, ohne selbst bestreikt zu werden, aber nur dann die mit der Arbeitszeitverkürzung verbundenen Nachteile haben werden, wenn die GDL eine solche Regelung auch bei der DB durchsetzt.
