Wirtschaft Neue Hürden für Linde-Fusion

Zusammen mit Praxair will der Münchner Industriegaseproduzent Linde einen neuen Weltmarktführer schaffen.
Zusammen mit Praxair will der Münchner Industriegaseproduzent Linde einen neuen Weltmarktführer schaffen.

«München.»Die Hürden vor einer Fusion des deutschen Industriegase-Konzerns Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Anbieter von Sauerstoff und Helium werden höher. Die Wettbewerbsbehörden forderten den Verkauf von Unternehmensteilen mit Umsätzen von mehr als 3,7 Milliarden Euro. Anlegerschützer fordern den Abbruch.

Die 3,7 Milliarden sind die selbst festgelegte Schmerzgrenze, oberhalb der Linde und Praxair das Recht haben, die Verhandlungen über den mehr als 70 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss zu beenden. „Es hätte Größe, den Deal abzublasen und einzugestehen, dass man es auch im zweiten Anlauf nicht geschafft hat“, sagte Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin des Anlegerschutzvereins DSW. „Der Punkt ist erreicht, wo man darüber nachdenken muss, ob diese Fusion noch Sinn ergibt.“ Auch aus Gewerkschaftskreisen kam erneut Widerstand. IG Metall, IG BCE und Betriebsräte fürchten den Abbau von bis zu 10.000 Jobs und bangen um deutsche Mitbestimmungsrechte. Linde-Chef Wolfgang Reitzle hatte stets betont, es entstünden mit der Fusion neue Arbeitsplätze. Der Industriegasekonzern Linde und US-Konkurrent Praxair wollen einen neuen Weltmarktführer mit 28 Milliarden Euro Jahresumsatz schaffen – vor der französischen Air Liquide. Um die Bedenken von Kartellbehörden vor einer zu dominanten Position auszuräumen, müssen sie Geschäfte verkaufen. Beide Konzerne haben vereinbart, dass dabei die Grenze von 3,7 Milliarden Euro Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro Betriebsgewinn nicht überschritten werden darf. Gestern teilte Linde mit, dass die Aufseher mehr Zugeständnisse fordern. Damit verschlechterten sich die Voraussetzungen für den Zusammenschluss, kritisierte Bergdolt. „Die erhofften Synergien von 1,1 Milliarden Euro im Jahr dürften so kaum zu halten sein. Linde und Praxair hatten schon 2016 eine Fusion versucht. Damals scheiterte der Deal am Streit um den Konzernsitz. Die neue Linde plc soll in Dublin sitzen und von Praxair-Chef Steve Angel geführt werden. Die Amerikaner sind Marktführer in den USA, Linde ist stark in Europa und Asien, im US-Medizingeschäft und im Anlagenbau. Bereits vereinbart ist der Verkauf des Europa-Geschäfts von Praxair an die japanische Taiyo Nippon Sanso sowie großer Teile des US-Geschäfts von Linde an den deutschen Rivalen Messer. Die Verkäufe summieren sich auf rund 2,7 Milliarden Euro Umsatz und 700 Millionen operativen Gewinn. Die US-Kartellbehörde FTC hat aber schon signalisiert, dass ihr das als Zugeständnis noch nicht reicht. Offen ist Linde zufolge auch noch die Freigabe durch Behörden in Brasilien, China, Indien und Südkorea.

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