Wirtschaft Naturgewalten treffen USA besonders stark

Das erste Halbjahr ist in puncto Naturkatastrophen in Deutschland relativ glimpflich abgelaufen. Allerdings schlugen die Unwetter Paul und Rasmund zu Buche. Weltweit waren die USA von Unwettern mit am meisten gebeutelt.
Einen globalen Gesamtschaden im Volumen von 41 Milliarden Dollar (35,4 Mrd Euro) haben Naturkatastrophen im ersten Halbjahr hinterlassen. Das geht aus einem Bericht des Münchner Rückversicherers Munich Re hervor. Im Vorjahr standen für die gleiche Zeit 111 Milliarden Dollar zu Buche. Im Schnitt der letzten Dekade waren es 102 Milliarden Dollar. Bis Ende Juni ereigneten sich global 350 große Unwetter, Sturzfluten und Wirbelstürme – gut ein Zehntel mehr als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (310 Naturkatastrophen). Trifft es weniger dicht besiedelte Gebiete mit eher geringer Wertekonzentration häufiger als hoch entwickelte Ballungsräume, sind die Schadenshöhen entsprechend niedriger. Am seit Jahren beobachteten Trend zu immer extremerem Wetter ändere das nichts, warnen die Experten des Rückversicherers. Betroffen waren im ersten Halbjahr vor allem die USA. Weil dort sehr viele Policen abgeschlossen werden, verbuchte die Assekuranz allein dort 13,5 Milliarden Dollar und damit zwei Drittel aller globalen Schadensaufwendungen wegen Naturkatastrophen. Mit zusammengenommen 19,5 Milliarden Dollar waren im globalen Schnitt rund die Hälfte aller Schäden versichert. In früheren Jahren traf das global nur auf ein Drittel aller Schäden zu. Speziell in ärmeren Ländern stehen von Naturkatastrophen Betroffene den Naturgewalten oft finanziell ungeschützt gegenüber. Das zeigt auch das schlimmste Ereignis des ersten Halbjahrs, Überschwemmungen und Erdrutsche im südamerikanischen Peru. Bei einem wirtschaftlichen Gesamtschaden von über 3 Milliarden Dollar waren dort nur Schäden von 380 Millionen Dollar versichert, 113 Menschen starben. Weltweit haben im ersten Halbjahr rund 3200 Menschen ihr Leben durch Naturgewalten verloren. Für die Assekuranz am bedeutsamsten waren vor der eigenen Haustür zuletzt die beiden Unwetter Paul und Rasmund, die Ende Juni und Anfang Juli vor allem die nördliche Hälfte Deutschlands betrafen und die nur zum Teil in die Halbjahresbilanz der Munich Re eingingen. Versicherer müssen für die Schäden rund 600 Millionen Euro zahlen, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) errechnet. Binnen 24 Stunden waren bei den Unwettern örtlich teils 200 Liter Regen auf einem Quadratmeter niedergegangen. Das ist ein Viertel dessen, was deutschlandweit im Jahresschnitt auf die Erde prasselt. In Deutschland wäre die Versicherungsquote für Elementarschäden steigerbar. Bundesweit haben sie 40 Prozent der Hausbesitzer. „Feuer-und Sturmversicherung sind kein Vollkaskoschutz für das Haus“, warnt GDV-Geschäftsführer Bernhard Gause.